Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 30 (25.7.1877)
- Date
- 1877-07-25
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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717 Gesetzes über das Avancement in der Armee, welches sich forme!: dem Avancement der Juden widersetzt." Sie können sich die aufgeregte Stimmung des Herrn Brociner und aller Juden vergegenwärtigen. Eine daraufhin veranstaltete Versammlung hat beschlossen zu protestiren .... durch neue Gaben für die Armee und die Verwundeten. Selbst die Rumänen staunen sehr über diesen Beschluß der Juden, und Einige versprachen, in einem gegebenen Momente demselben Rechnung zu tragen. Aber die Rumänen haben ein Sprichwort, welches sagt: „Die Klugen versprechen und die Dummen hoffen." Wenn wir daher auf die Versprechungen der Rumänen rechnen wollen, so können noch Jahrhunderte verfließen , ohne daß sie uns das Geringste bewilligen, was sie uns schuldig sind, und wenn bei dem nächsten Congreß, welcher unbedingt nach dem Kriege flattflnden wird. die großen jüdischen Notabilitäten, die Rothschild, Cremieux, Bamberger, Montefiore, Goldschmidt, Bleichröder u. fl w. nicht interveniren und die Rumänen nicht zwingen, den Juden Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, dann adieu jeder Hoffnung, zumal, wenn das unabhängig erklärte Rumänien als solches von Den europäischen Großmächten anerkannt werden wird. Ich behaupte daher, daß niemals mehr als jetzt die Intervention der einflußreichen Israeliten Europas und Amerikas für die unterdrückten Inden Rumäniens nöthig ist. Veranlassen Sie daher, ich bitte Sie darum, durch Ihre mächtige Stimme, daß unsere Glaubensgenossen in der Fremde mit unserm Schicksal Mitleid haben und uns in der rechten Stunde, die bald schlagen wird, zu Hilfe kommen! Das Jassyer isr. Comito für Unterstützung kranker und verwundeter Rumänen hat bei Cotrotscheni ein Gebäude als provisorisches Spital während der Dauer des Krieges eingerichtet, ebenso ein dem rumänischen Hauptquartier attachirtes Feldspital mit 30 Betten, Fuhrwesen und allem Zubehör ausgestellt. Das von den Russen eroberte Nikopoli liegt in einer langgedehnten Schlucht, welche gegen die Donau sich erweitert. Das Donauviertel besteht aus schlechten türkischen Häusern, bei welchen das Holz vorwiegt, aus Kaffeebuden, Fischerhütten u. s. w. Selbst das Mauth- und Dampfschifffahrts- Bureau befinden sich in feuergefährlichen Baraken und die Schiffslände ist selbst im Vergleich mit jener zu Sistowo und Rustschuk höchst vernachlässigt. Die Dodtenstille am Quai sticht auffallend von dem lebhaften Treiben am walachischen Ufer ab, wo an Turnu-Magurellis Skela Hunderte von Wagen sich bewegen und zahlreiche Dampfer und Schlepper verschiedener Gesellschaften Frachten nehmen oder löschen. Die türkische Regierung kümmerte sich aber nicht um das Aufblühen ihrer Handelsstädte und drückt auch zu Nikopoli den Verkehr mit unnützen fiskalischen Plackereien, so daß selbst dessen außer allem Verhältniß zur Pcoduktions- und Entwicklungsfähigkeit Donau-Bulgariens stehender Handel einzig auf Rechnung seiner Kaufleute zu setzen ist. „Im Getreide- und „Robwaaren - Export spielen namentlich spanisch- „jüdische Händler die erste Rolle. Ihr Viertel, „nahe der verfallenen katholischen Kirche, enthält „die nettesten Gebäude der Stadt. Beinahe sämmt- ^lich einstöckig und im Innern europäisch ausge- „stattet, sprechen sie für den sprichwörtlichen Fleiß „und für den Werth, welchen diese durch spanischen „Fanatismus hierher verschlagenen Kaufleute einem „angemessenen Komfort beilegen." Die Majorität der Stadtbevölkerung, sowohl Türken als Bulgaren, betreibt neben Agrikultur und Fischerei das Kleingeschäst. Nikopöli's unbedeutende Stellung im Donauhandel und sein ungebrochener orientalischer Anstrich erklären sich durch dessen vorherrschend türkische Bevölkerung. Es zählt neben 9oO o§manischen und 25 israelitischen nur 30 Bulgarenhäuser. Die Juden von Galatz haben einen Abulanzzug ausgestattet und den Arzt aus Eigenem dotirt. Die Spende eines Juden aus Jassy, der seinen Namen nicht genannt hat, verdient besondere Erwähnung. Er hörte, so berichtet man der „Pr.", daß es erwünscht wäre, wenn neben der von der Fürstin gebauten Baracke noch eine zweite gebaut werden könnte. Er geht kurzweg zum General Dr. Davila, der den Bau geleitet, und trifft diesen eben bei der Berathung mit dem Architekten. ^Herr General", spricht er ihn an, „möchten Sie erlauben, daß ich neben der Baracke der Fürstin auch eine Baracke bauen lasse?" — „Warum nicht," war die Antwort, „die Armee wird Ihnen nur dankbar sein für dieses Opfer; die Baracke ist aber theuerR' — „Ich kanns bezahlen und will es gerne thun." — ..Nun, so sehen Sie sich die Rechnungen an, der Architekt hat sie 'dben gebracht." — Der Gast nimmt die Papiere, durchblättert sie und greift nach seiner Brieftasche, zieht 4000 Franken hervor und legt sie dem Architekten hin. „So", sagte er, „Vas wäre abgemacht, ich bitte, bauen Sie sie nur so schön, wie die der Fürstin." Der Architekt wird verlegen. „Ich bitte, Sie haben sich geirrt," sagt er zum Fremden. „Wie, ich Hab' mich beim Rech-