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Der Israelit · 1877-07-25 · Heft 30 (25.7.1877) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 30 (25.7.1877)
Date
1877-07-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
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704 ihre Privatwohnung aufnahm. Vier Jahre später j konnte der Bau des Waisenhauses begonnen wer- , den. Als Hauptförderer ihres Werkes zeigten sich! bei jeder Gelegenheit nicht nur die angesehensten und edelsten Männer beider Provinzen, sondern auch im gleichen Maße die alten Frankfurter Freunde. Es würde uns zu weit führen, wollten wir an dieser Stelle all' die edlen Wohlthäter nennen, die durch großherzige Gaben den Bau des Hauses ermöglichten. Mit Stillschweigen wollen wir ferner die Kämpfe und Anfeindungen, die Verkleinerung und Herabsetzung ihrer Bestrebungen übergehen. Hierin theilte sie das Loos aller großen Menschen. Aber jeder Edle wird sich nun des stattlichen Hauses freuen, das für die Israeliten Leider Provinzen als Preis so vieler Anstrengungen dasteht, in dem so viele elternlose Kinder einer gesicherten Zukunft entgegen gegangen sind und, will's Gott, noch entgegen gehen. Niemals aber vergaß die Stifterin des huldvollen Schutzes der hohen und höchsten Behörden der beiden Provinzen, die ihr in trüben und lichten Tagen mit Rath und That treu zur Seite gestanden haben. Ihr hoher Geist steckte sich immer weitere Ziele und jemehr ihr der Beifall und die Anerkennung der Höchsten und Besten zu Theil wurde, desto mehr strebte sie in edlem Eifer, dieses Beifalls Werth zu sein. Doch nicht blos in dem Sorgen für das Gedeihen ihrer Anstalt ging ihr Leben auf. Alles Geistig-Große und Schöne, fei es auf dem Gebiete der Wissenschaft oder der Kunst, fand allzeit in ihr ein warmes Interesse und Verständnis. In ihrem Wohlthun kannte sie keinen Unterschied des Standes und der Cc^fession; mancher Jünger der Kunst verdankt ihr seine Ausbildung und Zukunft. Ihre geistige Frische blieb ihr bis zum letzten Athemzuge treu; nicht minder ihre warme Fürsorge für ihre Pfleglinge. Segenswünsche für das Wohlergehen der Freunde und Beschützer der Anstalt, waren ihre letzten Worte. Alles in Allem genommen, verdankt sie dos, was sie geworden, ihrer eigenen Kraft. Der Biograph ihres Lebens muß sie mit dem Maßstabe großer Seelen beurtheilen und bedenken, daß neben so großen Vorzügen auch die Schattenseiten nicht fehlen durften und konnten. Die Nachwelt braucht ihr kein Denkmal zu setzen; sie hat es sich selbst gesetzt. So lange der Tod in die Hütten der Menschheit einkehrt und Wittwen und Waisen zurückläßt, so lange wird der Name Fanny Nathan unvergeßlich bleiben. Denn: „Wer den Besten seiner Zeit genug gethan, der hat gelebt für alle Zeiten!" D'P'-lib plenp 1'« jorpjroi ün p onwyD Aus Thüringen In Eisenach befinden sich drei in gemischter Ehe lebende Familien, in welchen allen die Ehemänner dem Judenthume, die Frauen hingegen dem Christenthume angehören. Eine dieser Familien lebt streng nach israelitischorthodoxer Regel, und als ihr im vergangenen Winter ein Knäbchen geboren wurde, ließ sie dasselbe durch die Beschneidung in den Bund Israels aufnehmen. Wie man sagt, beabsichtigt die Frau ganz zum Judenthum überzutreten. Streng israel.- religiös lebt sie schon seit Jahren. Wie sehr dies der Fall ist, zeigt folgender Vorfall. Im Laufe des verflossenen Winters erkrankten dem Ehepaare mehrere Kinder. Ein jüdischer Arzt behandelte dieselben. Derselbe kam an einem Samstage Nachmittags spät zum Patientenbesuche. Im Zimmer fing es bereits an zu dunkeln. Der Arzt bedurfte eines Lichtes. Der Vater der Kinder wollte wegen des Samstages ein solches nicht anzünden, die Mutter, die noch Christin ist, wollte es aus demselben Grunde auch nicht thun. Das Dienstmädchen war abwesend. Da zündete der Arzt selbst die Lampe an. „Herr Doctor, Sie begehen eine Aweiro!" rief die Frau dem Arzte zu. Dieses bringt mir einen komischen Vorfall aus dem Jahre 1869 in Erinnerung. Ein aus Böhmen gebürtigter, damals in Bremen wohnhafter Jsraelite verheirathete sich hier mit einer aus Hessen gebürtigten Proselytin. einem schönen gebildeten Mädchen, welche hier einige Tage vor der Hochzeit zum Jüdenthum übertrat. Sie war vorher zur Erlernung der jüdischen Küche u. s. w. längere Zeit in Böhmen bei ihren sehr orthodoxen Schwiegereltern gewesen und sehr fromm geworden. Ihr Bräutigam hingegen schien in der Fremde dem jüdischen Leben sehr entfremdet worden zu sein. Als er zu seinen Eltern reiste, um seine Braut zur Hochzeit abzuholen, wollte er feinen Eltern doch auch Etwas von Bremen mitbringen und kaufte zu diesem Zwecke einen großen fetten Aal. Zu Hause angekommen, überreichte er denselben seinen Eltern, wurde aber natürlicherweise mit demselben abgewiesen. Die junge Frau erzählte mir damals diesen Vorfall unter großer Heiterkeit in Gegenwart ihres Mannes. „Denken Sie nur!" sagte sie zu mir, „der Mensch will fromm sein und weiß nicht, daß ein Aal treife ist!" (Hierbei bestätigt sich das Wort unsrer Weisen i"3'i ona n'wp nach der einen Erklärung von mroiri, indem die □na die gebornen Israeliten beschämen. — Red.)

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