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Der Israelit · 1877-07-18 · Heft 29 (18.7.1877) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 29 (18.7.1877)
Date
1877-07-18
Page
– (sequence 18)
Language
German
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692 Die Summe der in diesem Jahre von uns zum Besten der Nothleidenden, Armen, Kranken, Wittwen, Waisen rc. im heiligen Lande, gesammelten und übersandten Spenden betrügt nunmehr 24,590 M. 84 Pf. Unterdeß lauten die Nachrichten aus dem hl. Lande noch immer herzzerreißend. Namentlich ist es die vollständige Arbeitslosigkeit, durch welche die braven und fleißigen Handwerker, die sonst sich und ihre Familien redlich ernähren und an der Almosen-Vertheilung bisher gar nicht Theil nehmen wollten, unendlich leiden. Wenn Einer von ihnen vorübergehend Arbeit findet, so preisen ihn die andern, zur Arbeitslosigkeit unfreiwillig Gezwungenen glücklich. Durch diese traurigen Zustande ist die Zahl der Almosen-Empfänger um ein Bedeutendes vermehrt; dabei ist der Preis der Lebensmittel um das Fünffache gestiegen, zumal die Zufuhr durch den Krieg außerordentlich erschwert ist; die sonst aus Rußland so reichlich fließenden Spenden bleiben meistens aus, und das Wenige, was kömmt, ist noch durch den niedrigen Stand des russischen Papiergeldes ganz bedeutend reducirt. In Folge so vieler und mannigfacher Calamiiäten hat der Nothstand einen hohen Grad erreicht, zu dessen Linderung allerdings durch die Hochherzigkeit der Leser des „Israelit", durch die großeu Sammlungen des Herrn Distr. - Rabbiners Bamb erger '"j in Würzburg und Anderen, ein wenig beigetragen wird. Dagegen vernehmen wir nichts von Sammlungen in den reichsten und größten Gemeinden — wir nennen nur Mannheim, Heidelberg, Stuttgart, Nürnberg, Berlin, Königsberg, Breslau, Cöln — und noch vielen andern. Es kömmt nur darauf an, daß ein wohlwollender, von edler Menschenliebe beseelter Mann (oder eine edle Frau) die Initiative ergreife und eine Sammlung veranstalte. Geber finden sich überall; aber Derjenige, welcher die Gaben veranlaßt, dessen Verdienst ist das größte ne’'?» imo»D \im. Wiesbaden, 15. Juli. Der Kaufmann Louis Baer dahier führte bekanntlich seit mehreren Monaten bei den Staats - Behörden Beschwerde darüber, daß ihm und seinen Geschwistern nach dem Austritt aus der hiesigen Synagogen-Gemeinde Seitens der Vorsteher dieser letzteren der Zutritt zu dem Begräbnißplatz der Synagogen-Gemeinde, insbesondere der Besuch und die Ausschmükkung der Grabstätte ihres verstorbenen Vaters verweigert werde. Da nirgends Hilfe gewährt wurde , wandte er sich an das Ministerium in Berlin, und nun ist von diesem der Bescheid ergangen, daß die Beschwerde nicht für unbegründet zu erachten sei, da durch den Austritt aus dcr Synagogen-Gemeinde dem Ausgetretenen nur das Recht zur Beerdigung von Leichen verloren gehe, nicht aber die Befügniß zum Besuche und zur Ausschmückung von Gräbern, welche bereits rechtmäßiger Weise bestünden. Die hiesige Regierung ist dem entsprechend angewiesen worden, den Baer's polizeilichen Schutz, sofern noch nöthig, angedeihen zu lassen. Hiermit ist ein Streit-Gegenstand auf eine Weise erledigt, der bei allen Confessionen, ausgenommen einige wenige Personen, Befriedigung erregt. Paderborn, 12. Juli. Die Gemeinde Paderborn. die Gemeinden Westphalens und Rheinlands , die Waisen haben durch den heute eingetretenen Tod der Fräulein Fanny Nathan einen unermeßlichen Verlust erlitten. Die Leser des „Israelit" kennen diese edle Dahingeschiedene; sie war die Gründerin und Vorsteherin des isr. Waisenhauses für Westphalen und Rheinland. Was sie für dasselbe gethan, wie sie für eS Tag und Nacht gesorgt und gearbeitet, die beschwerlichsten Reisen nicht scheute, um die nöthigen Gelder zum Unterhalt ihrer Waisen zu sammeln, mit welcher Sorgfalt und Liebe sie die Waisenkinder erzogen, das konnte auch der Fernstehende aus den ausführlichen Jahresberichten über das Waisenhaus, von denen wir stets Auszüge brachte, und durch die unsere geehrten Leser das Wirken der Verstorbenen kennen lernten, entnehmen. Sie hat sich durch das Waisenhaus ein ewiges Denkmal gesetzt, es beweinen sie zahlreiche Waisenkinder, die ihrer zweiten Mutter körperliche und geistige Erziehung verdanken. Sie weilt nunmehr am Throne Gottes, wo sie reichen Lohn für ihr wohlthätiges Wirken auf Erden empfängt. ntl2uau2un. Königsberg Wie verlautet, ist in den liberalen Kreisen Ostpreußens ein Mitbürger iörael. Confesfion Herr vr. Aschenheim als Candidat für die Stellung eines Landesdirektors von Ostpreußen in Aussicht genommen. (Nordd. All. Ztg.) Oesterreichisch - Ungarische Monarchie. Wien. Die Privatdocenten an der Wiener Universität, die Herren Dr. Leopold Politzer und Dr. Ritter v. Basch wurden zu außerordentlichen Professoren an derselben Universität ernannt. Einem statistischen Berichte der „Wiener Zeitung" zufolge kamen im verflossenen Jahre in Oesterreich-Ungarn unter katholischen Kindern auf 100 Mädchen 104 Knaben und unter jüdischen Kindern auf 100 Mädchen 115 Knaben. (W. Isr.)

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