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Der Israelit · 1877-07-18 · Heft 29 (18.7.1877) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 29 (18.7.1877)
Date
1877-07-18
Page
– (sequence 19)
Language
German
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693 Pretzburg. Folgender Vorfall erregte dahier große Sensation: Bei der Prüfung der Lehramtscandidatinnen wurden dieselben auch in Religion examinirt und war zu diesem Zwecke der erzbischöfliche Domcapitular Galy anwesend. Derselbe hielt nach Schluß der Prüfung an die Zöglinge eine Ansprache, in welcher er dieselben vor dem Umgänge mit Jüdinnen, die ja ohnehin die Christinnen überall verdrängten, warnte. Geschehen im freien Ungarn im Jahre 1877. (W. Jsr ) Rumänien. Jassy. Am 24. Juni starb im 53. Jahre Frau Fanny Neuschotz. Die Verstorbene hatte im Vereine mit ihrem Manne im Jahre 1867 das Neuschotz'sche Waisenhaus gegründet. Wie wohlthätig sie gewesen, das konnte man daraus ersehen, daß die ganze Stadt, Christen und Israeliten aller Klassen der Gesellschaft mit Thränen in den Augen die sterbliche Reste zu Grabe geleiteten, selbst der Minister des Auswärtigen richtete eine officielle Condolenz- Depesche an Herrn Neuschotz, in der er sein Bedauern und seine Theilnahme über den schmerzlichen Trauerfall ausdrückte. (Un. Jsr.) Italien. Bologna. In der durch die gewaltsame Taufe des Knaben Mortara in der ganzen Welt so bekannt gewordenen Stadt wurde vor Kurzem eine neue Synagoge eingeweiht. Die Geschichte der jüdischen Gemeinde Bolognas weist viele traurige Begebenheiten auf. Vor vielen Jahrhunderten waren daselbst 16 Synagogen; unter Papst Clemens. III. wurden die Juden vertrieben. Das härteste Schicksal traf sie 1593, als sie 900 an der Zahl aus der Stadt gejagt wurden; damals nahmen sie die Gebeine ihrer Vorfahren mit und begruben sie in Piave di Cento. Zwei Jahrhunderte war keinem Juden erlaubt, sich daselbst niederzulassen. Erst unter Pius IX. finden wir wieder wenige Juden dort, die aber keine Synagoge sich erbauen durften. Unter dem Scepter Victor Emanuels konnte sich eine jüdische Gemeinde bilden, die wie oben bemerkt, ein Gotteshaus errichtet. (Jew. Chr.) Frankreich. Paris. Durch ein Decret des Präsidenten vom 1. Febr. wurde die Besoldung der Oberrabbiner von 3500 auf 4000 Fr. (Paris ausgenommen) erhöht. (Un. Jsr.) Paris. Der neue portugiesische Tempel wird am 25. Elul eingeweiht werden. England. London. Trotz der vielgepriesenen fortgeschrittenen Zeit will selbst in den freiesten Ländern [ der Haß gegen die Juden kein Ende nehmen. | In Taunton wurde unser Glaubensgenosse Myer Jacobs zum Mayor (Bürgermeister) der Stadt erwählt. z Das empörte den Vicar von St. Stöhn, Fr d- > rich I. Smith, sehr; in einem offenen an den! Mayor gerichteten Schreiben, fragt er bei dem-! selben an, ob die zu feinen Ohren gelangte Kunde, I daß er Jude wäre, wahr sei, und im bejahenden! Falle hätte seiner Meinung nach der Stadtrath! ein himmelschreiendes Unrecht begangen, einen Juden zum obersten Beamten der Stadt zu erwählen. Herr Jacobs hat hierauf dem judenfresserischen Priester geantwortet, daß er stolz darauf sei, ein! Mitglied des hebr. Glaubens und eines Volkes zu sein,' das im freien England eine so hohe officielle Stellung erreicht, und daß es ihn stolz mache, zu wissen, dag feine christl. Mitbürger und Freunde durch die Verschiedenheit des Glaubens sich nicht beeinflussen ließen, ihn zu ihrem Mayor zu erwählen. London. Sir Moses Montefiore hat der jüdischen Gemeinde zu Linz an der Donau bei Gelegenheit der Einweihung ihrer Synagoge eine neue min nso geschickt. „The Coming Events“ berichtet, daß Sir Moses Montefiore auf seine Kosten einen Vertrauensmann nach den von dem Kriege heimgesuchten Donaustädten geschickt habe. um sich über die traurige Lage der dortigen Israeliten zu erkundigen. Man versichert, daß dessen Familie große Mühe hatte, um ihn von einer Reise nach der Donau abzuhalten. London. Anfangs vorigen Monats legte Baron Leopold v. Rothschild den Grundstein zu einer neuen Synagoge im Westende der Stadt und hielt dabei eine treffliche Rede, in derer xmUx anderm sagte: Die Thatsache, daß während einer kurzen Zeit mehrere Synagogen in unserer "Mte gebaut und eingeweiht worden, muß uns allen um so angenehmer erscheinen, als wir zu der Ueberzeugung gelangen, daß unsere Glaubensgenossen an ihrer Religon festhalten. (W. Jsr.)

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