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Der Israelit · 1877-07-18 · Heft 29 (18.7.1877) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 29 (18.7.1877)
Date
1877-07-18
Page
– (sequence 10)
Language
German
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erhielt sich auch diese Melodie, durch Tradition ohne Aufzeichnung der Noten. Vor mehreren Jahren veranlaßte Herr Elias Ullmann nach dem Bortrage eines alten Synagogenvorsängers eine Aufzeichnung der Melodie. Bemerken wollen wir noch, daß beide Feiertage auch setzt noch im Frankfurter jüdischen Kalender aufgeführt werden. Dresden. Der hiesige Cultusvorstand, an dessen Spitze bis vor Kurzem der verstorbene Advocat Emil Lehmann stand, ist jetzt durch drei neue Mitglieder verstärkt worden, die das neologe Regiment in demselben verstärken. Zu den neuesten Neuerungen dahier gehört der seit acht Wochen, allwöchentlich, Samstag Nachmittags stattfindende Kindergottesdienst. Dieser beginnt natürlich mit Orgel und Chorgesang, letzterer von christlichen Herren und Damen gesungen. Zum Thoralesen besteigen drei Knaben den Älmemor; der erste nur sagt die Vor-.->2^2, liest einige Verse vorj, ebenso der zweite und dritte und erst letzterer sagt die Nach-rivn. Hierauf spricht ein Knabe nach Hagbah, ein darauf Bezug habendes, deutsches Gebet, der Religionslehrer hält dann eine Ansprache, worauf das Minchagebet ohne Nigun vom Vorsänger laut hergesagt wird. Kadisch und Zidkoscho Zedek sind verbannt, und zuletzt spricht d r Rabbiner zu den anwesenden Kindern, die zum größten Theil kein Gebetbuch bei sich haben. Das nennt die Verwaltung einen Kindergottesdienst. Feuilleton. Aus dem Mittelalter. Von Friedrich Rott. XXIV. Tirza plauderte munter, bald dem Vater sich zuwendend, bald dem neuen Bekannten. Sie erzählte wie sie sich auf ihren Aufenthalt in A. freue, auf die Merkwürdigkeiten, die sie dort zu sehen hoffe und sprach im Laufe des Gesprächs das Wort Sabbat mit so entschieden jüdischem Accent aus, wie Hanna das bisher nur von der alten Mirjam vernommen. Sie konnte nicht länger zweifeln, ihr Herz pochte hörbar: „Erlaubt mir eine Frage, Herr," wandte sie sich fast stammelnd an Tirza's Vater. „Ihr seid Jude?" Ueb-rrascht doch lächelnd bejahte der Gefragte. I Hanna sich scheu umblickend, ob Niemand sie beobachte , drängte sich näher zu ihm. „O, nehmt mich unter eurem Schutz Herr" bat sie leise, „auch ich bin Jude oder vielmehr Jüdin" fügte sie erröthend hinzu. „Jüdin?" wiederholte der Andere erstaunt, indem er das Auge über ihren Anzug gleiten ließ. „So ist's" versicherte sie, „meine Freunde hielten mich sicherer in dieser Tracht. „Und woher seid Ihr?" „Ich bin aus H." „Aus H.?" ein trüber Schatten glitt über das bisher so freundliche Gesicht des Mannes. „Leben denn in H. noch Juden?" fragte er tief Athem holend. „Es leben dort allerdings noch einige, wenn auch nicht als Juden, und nicht unter diesem Namen." „Und Ihr?" "Ich habe erst vor wenigen Wochen erfahren, daß ich als Jüdin geboren." „Und Eure Familie?" „Ich habe keine Familie. Meine einzige Schwester ward an jenem grauenvollen Tag, von dem Ihr, da Euch die Verhältnisse in H. nicht unbekannt scheinen, wohl gehört haben werdet, im Flusse ertränkt." Eine tiefe Bewegung hatte sich des Mannes bemächtigt; Tirza gewahrte es und schmiegte sich an ihn. „Wohl sind mir die Verhältnisse in H. bekannt," sprach er endlich seufzend, „H. war einst meine Heimath, bis der Befehl des Fürsten mich und alle Juden von dort vertrieb." „Ihr seid aus H ", rief Hanna freudig, „da habt Ihr vielleicht gar meine Familie gekannt; mein Vater war Siegelstecher, man nannte ihn Benjamin den Siegelstecher." „Benjamin den Siegelstecher, o gewiß, er war ein alter Freund von mir und seine Tochter soll mir von Herzen willkommen sein, außer meines Schutzes soll sie fortan keines andern bedürfen." Hanna dankte ihm mit Thränen im Auge, doch er unterbrach sie. „Laß* das, Kind, laß* das, Dein Vater würde unter gleichen Verhältnissen dasselbe für meine Tochter gethan haben. Sage mir doch, hieß Deine Schwester nicht Leah und war mit einem gewissen Simon verlobt?" „Ganz recht, und eben im Hause dieses Simon habe ich bis vorgestern gelebt." „Bei diesem Simon?" „Er erzog mich als seine Schwester und sorgte für mich als treuer liebevoller Bruder. Doch verbarg er mir, daß wir Juden und wußte sogar, die schwachen Erinnerungen, die mir aus meinen frü-

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