Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 29 (18.7.1877)
- Date
- 1877-07-18
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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- Mohel 1× ep/1006163
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682 Tieren und allein bleiben wollte, einen Umweg zu machen. Spät Abends langten die beiden Reiter in Waldenburg an, wo sie der Vater des zu beschneidenden Kindes am Thore erwartete und in einen Gasthof führte. Dann folgte Rabbi Bärmann dem Manne in die Herberge, in welcher seine Gattin Unterkunft gefunden hatte. Rabbi Bärmann ließ sich das Kind zeigen; es war ein schönes, kräftiges Knäblein. „Das Kind ist gesund," sagte der Resident, „der Beschneidung steht für morgen nichts im Wege." Der Vater des Kindes blickte seine Frau an. Beide lächelten. Befremdet sah der Resident diese Blicke des gegenseitigen Einverständnisses; sie erinnerten ihn daran, wie der König und die Gräfin Kofel einander angeschaut halten. Am andern Morgen kam Rabbi Bärmann wieder in die Herberge, um die Beschneidung vorzunehmen. Er fand das Ehepaar in großer Verlegenheit. „Gnädigster Herr Resident," sagte Löb, „ich bitte Euch, zürnet mir nicht; aber Euer Commis hat mich dazu angestiftet." „„Wozu?"" fragte Rabbi Bärmann erstaunt. „Meine Frau ist am Donnerstag, Mittags 12 Uhr, niedergekommen?" „„Was, Donnerstag?"" - „Donnerstag; es kann also der Briß erst morgen stattfinden." „„Mann, was habt.Ihr gethan? Habt mich für nichts den weiten Umweg machen lassen? Ich werde sogleich abreisen."" „Ich bitte Euch, gnädigster Herr Resident, scheltet mich, schlagt mich, laßt mich in’ä Gefängniß werfen — ich hab's verdient; denn ich habe Euch betrogen. Aber thut das nicht, reist nicht ab! Bleibt hier bis morgen und beschneidet mein Kind zuvor, laßt die große Mizwoh nicht an Euch vorüberziehen, die große Mizwoh von Miloh bißmannoh.*) Ja, ich habe Euch belogen! Aber, hätte ich es nicht gethan, wäret Ihr da wohl hierhergekommen? und weit und breit ist kein Mohel zu finden." „„Ich will Euch nicht schelten, nicht schlagen und auch nicht in's Gefängniß werfen lassen; aber ich werde nicht hier bleiben; ich muß heute auf dem Königstein sein; es ist das der ausdrückliche Befehl des Königs."" *) Beschneidung zur rechten Zeit. „Ich bitte Euch, gnädigster Herr Resident, erj laubt einem armen Manne ein Wort zu reden. | Der König von Polen und Sachsen hat befohlen, ' Ihr sollt heute auf dem Königstein sein, und der König aller Könige, der Herrscher des Weltalls, gelobt und gepriesen sei Sein heiliger Name, hat befohlen, Ihr sollt in Waldenburg bleiben und mein Kind beschneiden; wessen Gebot müßt Ihr da befolgen?" „„Ihr irrt Euch, lieber Mann. Mir liegt die Pflicht nicht ob, Euer Kind zu beschneiden, wann das Gebot meines Königs mich an dem Tage anders wohin sendet. Ihr könnt mir glauben, Mann^ es thut mir selber leid. Aber ich kann nicht hier bleiben, ich muß fort"" „Rabbi Bärmann, ich. bin nur ein armer Mann, heimathlos und flüchtig; ich bin nur ein unwissender Mann, und Ihr seid ein Gelehrter. Aber wisset, Rabbi Bärmann, wenn Ihr mir Euer ganzes Vermögen schenken möchtet und alle Eure Gelehrsamkeit, so würde ich die Sünde nicht auf mich nehmen und fortreisen und einen Nachkommen unseres Vaters Abraham unbeschnitten lassen! Ist doch selbst unser Lehrer Moscheh bestraft worden, weil er erst für die Herberge und dann für die Miloh gesorgt hat. Rabbi Bärmann, wie Ihr mich da seht, arm und zerlumpt, so habe ich doch schon mein Leben gewagt für die Heiligung des göttlichen Namen, Hab' Haus und Hof und Heimath aufgegeben, um nicht zur Taufe gezwungen zu werden. Rabbi Bärmann, bleibt hier bis morgen!" „„Ich kann nicht, ich Tann nicht!"" „Ihr könnt. Elijohu Hannowi, der Maloch Habriß *) wird Alles abwenden, was Unangenehmes für Euch daraus folgen kann. Schickt Euren Diener nach dem Königstein und lasset ihn ausrichten, was dort auszurichten ist." Rabbi Bärmann antwortete nicht; er verfiel in tiefes Nachdenken. War dieses ganze Vorkommniß etwa ein Fingerzeig Gottes? Endlich gab er dem Drängen des Ehepaares nach und blieb in Waldenburg. Den Brief des Königs schickte er durch seinen Diener Johann an den Commandanten des Königsteins. (Fortsetzung folgt.) *) Der Prophet Elijahu, welcher als bei der Beschneidung gegenwärtig gedacht wird. Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaetion: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. I. Gottsleben'S Buchdruckerei in Mainz (Mainzer Anzeiger).