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Der Israelit · 1877-07-18 · Heft 29 (18.7.1877) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 29 (18.7.1877)
Date
1877-07-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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681 gleich nach dem „Briß" von Waldenburg hierher zurück. Geht nicht nach dem Königstein." „„Du bist ein Narr,"" entgegnete Rabbi Bärmann lachend, „„ich bin überall in Gottes Hand, hier, wie auf dem Königstein. Lebe wohl!"" Er bestieg fein Pferd und trabte von dannen; Johann folgte ihm. Asarjah ging einige Schritte hinter feinem Herrn her und sprach: „Gott segne Dich und behüte Dich, Gott lasse Dir Sein Antlitz leuchten und sei Dir gnädig, Gott wende Sein Antlitz Dir zu und gebe Dir Frieden." Dann kehrte er in das Haus zurück, auf's Neue Pläne machend, um der Gefahr auf die Spur zu kommen, die seinen Herrn bedrohte und sie, womöglich, abzuwenden. Rabbi Bärmann ritt seines WegeS; ernste Gedanken beschäftigten ihn; die Bitten seines Buchhalters waren doch nicht ganz eindruckslos an ihm vorübergegangen. Sollte ihn auf dem Königstein eine Gefahr bedrohen? Es fiel ihm so Manches ein, was er anfangs nicht beachtet hatte: die Blicke, welche der König und die Gräfin Kofel bei der jüngsten Audienz miteinander gewechselt, die sonderbare Aeußerung der Gräfin: „Wenn Du von dieser Reise wiederkehrst, so will ich Jüdin werden." Ueberhaupt war der ganze Zweck der Reise so geheimnißvoll, in so tiefes Dunkel gehüllt; vielleicht hatte der Vermummte, der Asarjah gewarnt hatte, Recht, vielleicht wollte man ihn nicht wiederkehren lassen, vielleicht wollte man ihn gefangen halten in der Feste Königstein? Aber weßhalb? Welchen Grund konnte der König, dem er immer so treu und aufopferungsvoll gedient hatte, für feine Gefangennehmung haben? Allein, bedurfte es eines Grundes an diesem Hofe? Wie sah es doch mit der Gerechtigkeitspflege aus! Die Minister, Generäle, Hofbeamten — „Sie alle sind Ehebrecher, Genofien von Dieben!" sprach Rabbi Bärmann vor sich hin mit den Worten des Propheten. Der Bürger und Bauer hatte gar kein Recht, er wurde mißhandelt und ansgepreßt, und selbst der Adel, der alle Macht, allen Einfluß, alle Vorrechte besaß — es verschlang Einer den Andern, Einer suchte den Andern zu stürzen, zu vernichten. Als einst ein Herr von Haxthausen eine Anstellung erbat, wurde er dem Grafen Flemming als un si hounet-homme, als „ein so rechtschaffener Mann" empfohlen; da sprach der Premier-Minister ganz UNverholen: „Nous ne youlons pas ici d’honnetes hommes, mais de fripons.“ „Wir können hier keine rechtschaffenen Leute, wir können nur Spitzbuben brauchen" — et se tourna — und wandte sich ab. Und war dieser Premier-Minister, der keine Sünde, kein Verbrechen scheute, nicht in jüngster Zeit des Restdenten erbitterter Feind geworden? Und war nicht Fürst Lubomirski in Dresden, der ihm wiederholt Rache geschworen? Und trotz Allem, westen konnte man ihn beschuldigen? Wie hätte man den König dafür gewinnen sollen, dem treuen, bewährten Diener irgend ein Leid zuzufügen? Nein, es konnte nicht anders sein; gerade die Warnung des Vermummten war eine Jntrigue; man wollte ihn dazu bringen, dem Könige ungehorsam zu sein, um ihn dann zu stürzen. In solche Gedanken vertieft war Rabbi Bärmann dahingeritten, als ihn die Stimme seines Dieners Johann aufschreckte. „Herr," rief dieser verzagt, „müssen wir da vorbei reiten? Können wir nicht einen kleinen Umweg machen?" Rabbi Barmann blickte auf und sah in ziemlicher Entfernung eine Anhöhe, auf der sich ein Galgen befand. Hier war kurz zuvor der berüchtigte Räuberhauptmann Lips Tullian hingerichtet worden. Derselbe hatte aus den vielen Deserteuren, die während des spanischen Erbfolgekrieges und während des großen nordischen Krieges den verschiedenen Armeen entliefen, eine Räuberbande gebildet und weit und breit das Land unsicher gemacht. Endlich war er mit ungefähr sechzig seiner Spießgesellen gefangen und in der Nähe von Dresden hingerichtet worden; den Hauptmann hatte man von unten herauf gerädert, die andern waren gehängt worden; die Leichen hingen an dem Galgen, den Tausende von Raben und Krähen mit schrecklichem Gekrächze umflogen. „Und warum sollen wir da nicht vorbeireiten?" fragte der Resident. „„Ich fürchte mich,"" antwortete Johann kleinlaut. „Du fürchtest Dich?" „„£>, Herr, es muß schrecklich sein, so in die Luft gezogen zu werden, den Strick um den Hals, um dann in die Hölle zu fahren!"" „Freilich; aber das hindert uns doch nicht, am Galgen vorbeizureiten?" „„Ja, aber die Geister der Hingerichteten! Hört nur, das schreckliche Krächzen!"" „Das sind nicht die Geister, sondern die Raubvögel , die sich von den Leibern der Unglücklichen nähren. Vorwärts!" Aber Johann hielt sein Pferd an. „»Herr,"" sprach er, „„ich bitte Euch, ich kann nicht da vorbei reiten."" „Hast Du vielleicht kein gutes Gewissen?" Johann fing an zu zittern; er wendete sein Pferd, und nothgedrungen mußte sich Rabbi Bärmann entschließen, wenn er nicht seinen Diener ver--

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