Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 29 (18.7.1877)
- Date
- 1877-07-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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678 „haben, sondern die sie nach dem Villen eben „dieses einzig ewigen GotteS zu allen Zeiten haben „sollen." „Religion" nennt man die Thora, „indische Religion" — aber wus man in allen Kreisen sonst „Religion" nennt, das ist vorzugsweise ein Inneres, Gedanken sind es, wie wir gesehen haben, Vorstellungen, Empfindungen, Gefühle, die der Mensch von der Gottheit in seinem Innern trägt, — und was sich an äußern Handlungen mit diesem Innern verbindet, das ist dort nur Form, kann dort nur Form und somit nur das Unwesentliche, ja das Gleichgiltige sein; muß es ja auch in der That gleichgelten, in welcher Form — zu seiner eigenen Befriedigung — dieses Innere sich äußert; ist nur der Gedanke wahr, die Vorstellung richtig, die Empfindung rein, das Gefühl edel, so ist jede Form die beste, in welcher dieses Innere sich am klarsten und befriedigendsten ausgedrückt findet, und so muß auch diese Form mit dem Wechsel und Wandel dieses Innern wechseln und wandeln —, und weil dies nun in allen andern Gebieten so ist, und naturgemäß gar nicht anders sein kann, und weil man nun auch der Thora fälschlich den Namen „Religion" gegeben und sie eben mit diesem falschen Namen mit in den Kreis jener Gebiete — in die sie nicht gehört — hinübergezogen, will man nun auch die Thora, das einzige, ewige Wort des einzigen, ewigen Gottes in den Schmelztiegel eines solchen Scheidungsprozesses werfen, will man auch dort Wesentliches, Ewiges, von Vergänglichem, Gleichgiltigen scheiden, will man auch dort ein paar Gedanken, Vorstellungen, Empfindungen, Gefühle heraussondern und sprechen: sehet, das ist der Kern, darauf allein kömmt es an; alles Andere ist nur Form, und somit gleichgiltig, und muß wechseln und wandeln, wie wir im Wechsel der Zeiten uns wandeln und wechselndas ganze einzige Wesen dieser Thora und jedes Wort dieser Thora straft aber diesen ganzen Prozeß gedankenlosester Vermessenheit Lügen! Mit Nichten zuerst hat diese Thora es vorzugsweise mit unserm Innern zu thun, mit Nichten ist unser Inneres mit seinen Gedanken und Vorstellungen, Empfindungen und Gefühlen das Wesentliche, der eigentliche Kernpunkt ihrer Institutionen, um das sie alles Andere nur als unwesentliche Form, als Rahmen, Schaale oder Hülle füge! Was sie regeln will, ist nichts wejniger als der ganze Mensch, der ganze Mensch mit seinen Gedanken und Gefühlen, aber auch mit seinen sinnlichen Trieben und Begierden, mit seinen sinnlichen Bedürfnissen und Genüssen, mit seinem seelisch - leiblichen Einzelleben, so wie mit den Beziehungen seines ehelichen, häuslichen Familienlebens und mit seinem menschengesellschaftlichen Gemeinde - und Staatenleben! Es ist das einzige Wort Gottes an den ganzen Menschen, für den ganzen Menschen! Die speciellen Aussprüche dieser Thora für unser Gedanken - und Gefühlsleben ließen sich bequem auf die Eine Seite eines mäßigen Quartblattes verzeichnen und 99/ioo ihrer 613 Sätze wären nichts als vergängliche, gleichgiltige Form! Der hat ferner nimmer mit Ernst in diese Thora geblickt, der nicht wüßte, mit welchem Ernst, mit welch'ernstestem Ernst — im Gegensatz zu Allem, was sonst Religion heißt, und eben weil sie nicht Religion ist — sie gerade die Beachtung ihrer Vorschriften in Betreff äußerer Handlungen fordert, und ganz besonders in Beziehungen des leiblichsten, sinnlichsten Lebens, Beziehungen, die am weitesten fern ab von dem Gebiete liegen, in welchem das, was man sonst Religion nennt, seine Stätte findet, wie z. B. die Speisegesetze, die Gesetze über den leiblichen Umgang der Geschlechter u. s. w. u. s. w. Wahrlich, wahrlich, es müßte erst unserer Zeit gelingen, dem Volke Gottes das Buch seiner Thora in Wahrheit zu einem D’nn ">so, zu einem „dem Laien" „verschlossenen" Buche zu machen, ehe es ihr gelingen wird, ihm seine Thora zu entreißen und sie in dem Tiegel ihres scheidekünstlerischen Prozesses zu einer „Religion" von ihrer Mache zu verflüchtigen! Und endlich gerade diejenigen Gesetze dieser Thora, die sich selbst als Ausdruck eines Gedankens, somit als Symbol, oder, mit der Zeit zu sprechen, als „Form" ankündigen, wie z. B. Sabbat, Feste, Opfer u. s. w., „wie ist gerade ihnen „der offenste, klarste Gegensatz zu Allem aufge- „drückt, was der Name Religion bezeichnet, wie „steht gerade da die Anwendung dieses Namens „auf die Thora in ihrer vollen Nichtigkeit da? „Wie steht gerade da die „Form" in ihrer Wesen- „heit, Ursprünglichkeit, Ewigkeit!" Weil „Religion" der Gedanke desMenschen ist, der in symbolischer Handlung seinen Ausdruck findet, darum ist in der „Religion" dieser Gedanke das Erste, Ursprüngliche, Wesentlichste und die äußere symbolische Handlung das Spätere, Erzeugte, Untergeordnete, Gleichgiltige. Weil aber die Thora in diesen Gesetzen der Gedanke GotteS ist, den Gott dem Menschen in der von Ihm angeordneten symbolischen Handlung in dem Menschen erst erzeugt werden soll, darum ist in der Thora diese symbolische Handlung das Erste, Ursprünglichste, Wichtigste, ist eine Gottessprache an den Menschen, „ist „ein Gottesdocument, das mit diplomatischer Ge-