Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 28 (11.7.1877)
- Date
- 1877-07-11
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2447695-2447723--13884-2469770- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
664 da er sich als vermögender Mann aerirte, Gehör für seine Werbung. Verwandte wollten dem Mädchen eine Mitgift von 6000 M. schenken und sollte die Hochzeit in Kürze stattfinden, worauf das junge Paar nach Amerika gehen wollte. Vorgestern wurde indessen allen diesen Zukunftsplänen Diskel's ein jähes Ende bereitet, indem die Polizei ihn ermittelte und in Haft nahm. Die Verhaftung geschah in einer Wirthsaft durch den Offizianten Wiencke. Diskel führte noch ca. 27,000 M. bei sich. (Nach uns anderweitig gewordenen Mittheilungen ist der Betreffende verheirathet und hat zwei Kinder!! Red.) Oesterreichisch - Ungarische Monarchie. B.-Füred. Dem religiösen Bedürfnisse der in Füred am Plattensee anwesenden isr. Kurgäste konnte bisher aus Mangel einer zu einem Tempel geeigneten Lokalität nicht entsprochen werden. Die Badedirektion hat sich deshalb, wie man uns von dort schreibt, veranlaßt gesehen, den Impuls zur Errichtung eines ständigen isr. Bethauses im Kurorte selbst zu geben, worauf der Abt von Tihany nicht nur einen schönen und passenden Platz dazu zu überlassen genehmigte, sondern auch den Ausbau desselben auf eigene Kosten besorgte. Es erübrigte nun nur noch eine würdige Einrichtung des Füreder isr. Bethauses zu beschaffen, damit dasselbe als heilige Stätte auch baldigst feierlich eingeweiht und den anwesenden isr. Kurgästen zur Benützung übergeben werden könne. Zur Realisirung dieses Zweckes wurce an die bewährte Opferwilligkeit der Füreder Kurgäste appellirt und sind auch bereits zahlreiche Spenden einzelaufen, die eine nette Einrichtung ermöglichen. Die feierliche Einweihung, bei welcher ungarische und deutsche Predigten abgehalten werden sollen, wird in der Hauptsaison gegen den 20. Juli stattfinden. Aus im Baranyaer Komitate, berichtet man einem ungarischen Blatte, daß dort mehrere Wirthshausregale im Wege der Offertverhandlung vergeben wurden, wobei sich auch mehrere isr. Bürger bewarben. Der mit der Hintangebung betraute ärarische Rentmeister erklärte jedoch — sich dabei auf eine angebliche ministerielle Verordnung stützend — daß die Juden zwar das Wirthshaus in Pacht nehmen, den Ausschank der Getränke aber nur durch einen christlichen Wirth besorgen lassen dürfen. Nichtsdestoweniger erklärte der Herr Rentmeister, daß er bereit sei, beim Minister Schritte zu thun, damit derselbe dem jüdischen Pächter die Erlaubniß ertheile, auch persönlich auSschenken zu dürfen, doch nur dann, wenn derselbe um 1000 Gulden mehr bezahle, als das erfolgte Meistanbot betrug, da der frühere Pachtschilling um so viel höher war. ..Um einen billigeren Preis," so" meinte der wackere Mann, „können wir keinen Juden brauchen." Daß dieser Vorgang und diese Aeußerungen die größte Indignation erregten, ist selbstverständlich. Rumänien. Bukarest. Der „Monitorul" enthält einen Vortag des rumänischen Ministers des Innern, Bratianu, an den Fürsten Carol vom 11/23. Juli l. I , worin in Betreff der Judenverfolgung in Darabani auf den beklagenswerthen Zustand der Landgemeinde und auf den Umstand hingewiesen wird, daß die Leitung der Gemeinde in die Hand eines Primars und dreier Gemeinderäthe gelegt ist, welche sämmtlich weder schreiben noch lesen können und unfähig sind, ihre gesetzliche Mission zu erfüllen. Nur dadurch waren Raubthaten an Gemeinde-Insassen am hellen Tage möglich, welche von der Gemeindeverwaltung rechtzeitig hätten verhindert werden können. In dem Vortrage heißt es dann weiter wörtlich: „Im Gegentheile wurde sogar constatirt, daß sie sich zu Mitschuldigen jener Unordnung gemacht haben, indem bei einigen von ihnen auch Gegenstände gefunden wurden, welche zu den geraubten gehören." Auf Grund dieses Vortrages wurde der Gcmeinderath von Darabani „aufgelöst." Es muß wohl sehr, sehr arg gewesen sein, wenn die rumänische Regierung gegen ihre sonstige Gepflogenheit sich zu einem officiellen Eingeständnisse herbeiläßt. Der Schaden beträgt 300,000 fl. Rußland. Ein Schriftsteller, Names Schigarin , Russe und Christ von seinen Vorfahren her, hat ein preiswürdiges Werk geschrieben. Dasselbe führt den Titel „über das Verlangen der Hebräer nach Christenblut" — vielleicht ist er absichtlich so gewählt, um diejenigen zum-Lesen zu veranlassen, welche den Beweis bejahend geführt zu sehen hoffen und wünschen. Das Buch beweist aber das Gegentheil. Wenn auch das eine Buch das alte Mährchen nicht ganz bei dem russischen Volke tilgen wird, so ist doch für die Literaten eine Quelle erschlossen, aus der sie sich über die Grundlosigkeit der Beschuldigung belehren können. (Hazeph.)