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Der Israelit · 1877-07-11 · Heft 28 (11.7.1877) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 28 (11.7.1877)
Date
1877-07-11
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Amerika. NeW-Nv*k. Nicht allein das kulturbedürftige Rumänren, auch das freie Amerika scheint seine JÜdenhasser zu haben. Beweis dessen ist ein scandalöjer Vorfall, der sich etwa um die Mitte des verflossenen Monats in der Sommerfrische Saratoga zwischen dem sich der allgemeinsten Achtung erfreuenden Banquier Joseph Setigmann aus Rew- Iork und dem Verwalter der A. Z. Stewart'schen Hinterlassenschaftsmasse, dem bekannten „Judge" abspielte. Am 13. Juni besuchte Herr Seligmann, u. A. auch Mitglied des Syndikats, welches die Aufgabe hat, die Ver. Staaten-Anleihe unterzubringen, mit seiner Familie Saratoga. Zehn Jahre lang hatte derselbe im Grand Union Hotel verlebt. Herr Seligmann betrat mit den Seinigen die Parlors und wendete sich an den Administrator, um sich seine Zimmer auszuwählen. Letzterer schien einigermaßen verlegen und sagte zaudernd: „Herr Seligmann, ich bin angewiesen. Ihnen mitzutheilen, daß Herr Hilton Instruktionen gegeben hat, nach denen in Zukunft keinem Israeliten mehr der Aufenthalt in diesem Hotel gestattet werden soll." Herr Seligmann war hierüber so erstaunt, daß er eine Zeitlang jeder Erwiderung unfähig war. Dann sprach er: „Sollte das heißen, daß Hierüberhaupt keine Juden mehr logiren dürfen?" „Das sind allerdings unsere Ordres" , lautete die Antwort. Bevor der Banquier das Hotel verließ, fragte er nach dem Grunde dieser modernen Judenverfolgung. Hierauf wurde er dahin belehrt: „Das Geschäft ging während der verflossenen Saison nicht so gut, wie früher, und wir hatten eine große Anzahl Juden hier. Herr Hilton gelangte daher zu dem Schluß, daß die Christen deren Gesellschaft nicht lieben und verbannte deshalb die Israeliten." Herr Seligman fühlte sich beleidigt und stieg dann am Clarendon Hotel ab. Als Herr Lauterbach, Herrn Seligmann's Anwalt, befragt wurde, was dieser zu thun gedenke, erwiderte er, man beabsichtige , binnen wenigen Tagen eine öffentliche Versammlung zu berufen, nicht nur der Juden, sondern auch der Christen, um die Sache vor das Forum des Volkes zu bringen. Wäre sein Klient, so fuhr der Anwalt fort, zu Herrn Hilton gegangen, so würde dieser ihm vermuthlich den Aufenthalt im Union-Hotel nicht abgeschlagen haben. Ein persönliches Motiv könne diesen kaum geleitet haben, wenn nicht etwa der Umstand, daß er vor Kurzem in einem hervorragenden Verein nicht ausgenommen wurde, dessen Vicepräsident Herr Seligmann war. Er meint, Richter Hilton's Handlungsweise sei strafbar nach den Bestimmungen des Civilrechtsgesetzes. Sowohl jüdische als christliche Banquiers, Brokers u. Kaufleute haben ihrer Entrüstung gegen Hrn. Hiltons Verfahren schriftlichen Ausdruck gegeben. Letzterer ist natürlich auch „interviewed" worden. Er sagt, Herr Seligmann scheine in „ostentatorischer Weise" die besten Zimmer verlangt zu haben. Wäre er persönlich bei ihm erschienen, so würde er ihn vielleicht untergebracht haben. Er betrachte Jenen nicht als Hebräer von Ueberzeugung, wohl aber als „Juden" in Sachen des Handels, und dieser Klasse sei es nicht verboten, nach dem Union-Hotel zu kommen; indessen ermuthigte man sie nicht. Die Eigenthümer hätten guten Grund für eine solche Unterscheidung. Die Ursache von Herrn Seligmann's gegenwärtiger feindseliger Haltung liege aus der Hand. Das Haus Ä. T. Stewart habe früher einen großen Theil seines Bankgeschäftes durch die Seligman'sche Firma vermittelt, jedoch aus triftigen Gründen dies nachher andern Häusern übertragen. Es sei daher reine persönliche Rache. — Herr Seligmann gehört nach Herrn Hilton's Ansicht zu einer Klasse von Juden (nicht Hebräern), mit denen, namentlich mit deren Frauen, die Gäste jenes Hotels nicht verkehren mögen. Rew-Uork. Von unserer neugebackenen amerikanischen „Judenfrage" sind Sie vermuthlich schon unterrichtet worden. Einem dickhäutigen Parvenü, der vermuthlich durch die A. T. Stewart'schen Millionen langsam aber sicher dem Tollhause entzegenreifen wird, dem Herrn Henry Hilton ist es in den Kopf gekommen, allen Israeliten den Zutritt zu dem, dem Stewart'schen Nachlasse angehörenden, Grand Union Hotel in Saratoga zu verweigern. Wie alle Fanatiker besitzt auch dieser Hilton eine eiserne Festigkeit des Willens , und hat diese vor einigen Tagen gegen einige Juden, welche sich wie in früheren Jahren als Gäste des Hotels anmeldeten, unter anderem gegen den hiesigen Banquier Joseph Seligman, zur Geltung gebracht. Seit diesem Vorfälle ist dieOeffentlichkeit stark mit der Hotelfrage beschäftigt gewesen, und heute, nachdem fast jedes Blatt in der ganzen Union zur Frage der Abweisung der Juden von den Hotels Stellung genommen hat, darf man getrost erklären, daß un-. ter 1000 Blättern mindestens 950 den erbärmlichen Fanatismus und die ekelerregende Classenunterscheidung des vorweltlichen Verwalters der Stewart'schen Millionen, unter der lebhaftesten Sympathieüderzeugung für die Israeliten, auf's Entschiedenste verdammen. Nicht nur die leitenden Blätter New - Jorks, in erster Reihe der Herald, die Tribüne, die Evening Post, der Commercial Advertiser, die World, bringen Leitartikel mit der

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