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Der Israelit · 1877-07-11 · Heft 28 (11.7.1877) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 28 (11.7.1877)
Date
1877-07-11
Page
– (sequence 12)
Language
German
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658 und die Hohe des Schadens unmöglich zu machen." Dieses Borhaben wurde durch die Intervention des Michael Stourdza vereitelt. Was den materiellen Schaden betrifft, den die Juden erlitten, so wurden von der delegirten Commission Erhebungen gepflogen, welche ergaben, daß von den geraubten Gegenständen kaum der hundertste Theil aufgebracht worden, und daß geringe Aussicht auf Wiederlangung der Habe für die Betroffenen vorhanden ifti da die Uebelthäter den größten Theil vernichtet, in Brunnen oder Teiche geworfen haben. Fast alle Beschädigten. die sich früher eines gewissen Wohlstandes, sogar Reichthums erfreuten, sind vorderhand oder bleiben für immer Bettler. F e n i l l t t p ii* JUts -cm Mittrlalter. Von Friedrich Rott. XXIII. Hanna benützte die Verwirrung, unbemerkt zu entkommen. In raschem Lauf erreichte sie die Wohnung der alten Mirjam, bei der sie, wenn nicht Schutz, so doch wenigstens Rath zu finden hoffte. Mit glühenden Wangen und fliegendem Athem theilte sie der Greisin das Geschehene mit. Jammernd schlug die Alte die Hände zusammen und zeigte sich im ersten Moment rathloser noch als Hanna. „Ich muß fort" stammelte diese, „noch in dieser Nacht, in dieser Stunde. Sobald das Feuer gelöscht ist, wird er mich vermissen und ohne Zweifel suchen. Hier fände er mich gar bald. Großer Gott! wenn ich nur wüßte wohin." „Ruhig Kindchen, ruhig;" sprach die alte Mirjam, die welke Hand an die faltenreiche Stirn drückend, „laß mich die Sache mit meinem alten Kopf nur ein Viertelstündchen überdenken, vielleicht finde ich doch noch etwas." „Muth;" raunte die Enkelin der Alten dem zitternden Mädchen zu. „wenn die Großmutter so spricht, so hat sie bereits einen Plan. In der That waren kaum zehn Minuten verstrichen, als Mirjan begann: „Du mußt fort von hier, Kind, das unterliegt keinem Zweifel; hast Du Geld genug, auf dem Fährschiff, das morgen mit Tagesanbruch stromabwärts fährt, einen Platz miethen zu können? Hanna bejahte. „Nun wohl, so wirst Du das thun;" fuhr die Alte fort, „wie ich glaube geht das Schiff bis ga z hinunter nack A. Dorthin begibst Du Dich und ich schreibe jetzt gleich ein Briefchen an meinen Schwestersohn, der in A. wohnt. Dort ist eine große jüdische Gemeinde und auf meine Empfehlung wird mein Schwestersohn sich Deiner annehme . Weil Du aber als Jungfrau gar leicht von rohen Mannsleuten belästigt werden kannst, so rathe ich Dir, zieh' Mannskleider an. Ich habe noch einen ganzen Anzug von meinem verstorbenen Enkel, Gott habe ihn selig, er war in Deiner Größe. Den magst Du anziehen und so mit Gottes Beistand ungehindert beim Leben und beim Wohlsein Deine Reise zurücklegen " Jubelnd sprach Hanna ihren Dank aus und drückte die runzeligen Hände der Alten an ihre Lippen; doch diese drängte sie eiligst ihre Verwandlung vorzunehmen. Ohne Seufzer fielen die langen schweren Haarzöpfe unter der Scheere der Greisin, während ihre Enkelin die erwähnten Kleider herbeischaffte. Rasch schlüpfte Hanna in die ungewohnten Gewänder und Großmutter und Enkelin staunten über den schmucken Jüngling, der nun vor ihnen stand. Auch in Hanna war ihr alter jugendlicher Muthwille wieder erwacht, und halb zagend, halb verlangend blickte sie der Stunde entgegen, in der sie ihren ersten selbstständigen Schritt in die Welt wagen sollte. Die zitternden Hände der Alten hatten sich indeß in Bewegung gesetzt, eine warme Empfehlung für Hanna an ihren Neffen zu richten, während die beiden jungen Mädchen leise plaudernd am Kamin saßen, in dem Hannas Gewänder, die sie so eben abgelegt, verkohlten. Als die Alte ihr Schreiben beendet, war die Nacht bereits vorüber und Hanna schickte sich an, ihre Wanderung anzutreten. Mit warmen Segenswünschen entließen sie die Zurückbleibenden, zum Schiffe begleiten durfte sie keiner, es hatte Verdacht erregen können. Der Morgen graute, als Hanna die Schwelle des Hauses, in dem sie zur Erkenntniß ihres Glaubens gelangt war, überschritt. Ihren innigen tief empfundenen Dank hatte sie der Greisin so eben noch ausgesprochen und nun stand sie allein, ganz allein und mußte fortan selber für sich sorgen. Ihr Herz pochte laut aber nicht zaghaft, und raschen Schrittes eilte sie dem Ausschiffungsplatze zu, wo trotz der frühen Stunde schon reges Leben herrschte. Doch wohin sie schaute, nirgend gewahrte sie ein bekanntes Antlitz und Niemandem fiel der flinke Knabe auf, der leicht und sicher den schwankenden Steg überschritt, der zum Schiffe führte. Mit ihrer Vergangenheit hatte sie ahgeschlosseu

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