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Der Israelit · 1877-07-11 · Heft 28 (11.7.1877) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 28 (11.7.1877)
Date
1877-07-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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653 ften Gefahren vor, die seinen Herrn auf dem Königstein erwarteten. Tausend Pläne entwarf er, rrm Rabbi Bärmann von dieser Reise zurückzuhalten und verwarf sie wieder. Bald war er entschlossen, zum Könige zu gehen und diesen zu bitten, des Residenten zu schonen; bald wollte er sich au den Premier-Minister, den Grafen Flemming, wenden und diesem habsüchtigen Manne einmalhunderttausend Thaler versprechen für die Rettung seines Herrn. Bald entschloß er-sich, noch vor seinen, Herrn nach Königstein zu eilen, um dort das Terrain zu sondiren und so Gewißheit über Las, was Rabbi Bärmann bevorstand, erlangen. Dann sah er einen Ausweg auS diesem Gewirre durch Vermittelung der Gräfin Kosel; er wollte sich ihr zu Füßen werfen und sie bitten, das Schreckliche abzuwenden, das den Residenten bedrohte. Doch immer, bei jedem Plane, der ihm Anfangs durchführbar erschien, mußte er sich sagen, daß er entweder unausführbar oder erfolglos sein würde. Endlich sprang ervon feinem Bette auf, machte Licht, wusch sich, kleidete sich an und nahm ein Psalmbuch; in diesem las er, stets die vielen Gebete um Rettung und Hilfe, die Aufschreie einer verzweiflungsvollen Seele, die Zuversicht auf den Beistand des Allmächtigen — alles, alles auf seinen Herrn beziehend und so aus der Tiefe seines Herzens mit Len Worten des königlichen Sängers zu Gott für seinen väterlichen Wohlthäter betend. So fand ihn der Morgen. Als der Morgen anbrach, stellte sich Asarjah an das Fenster. Da sein Schlafzimmer im obersten Stockwerke des Hauses sich befand, so hatte er eine hübsche Aussicht nach der östlichen Seite. Es versprach ein schöner Tag zu werden, die Morgenröthe färbte purpurn den östlichen Rand des Horizonts.! „Das ist Ajeleß Haschackarsprach er vor | sich hin, „wie sie König David nennt; die Morgenröthe , von der der Lateiner sagt: Aurora Älu8is amica, die Morgenstunde eignet sich zum Studiren am Besten. Vielleicht bringt sie mir einen guten Einfall. Aurora! Ja, wenn die Gräfin j Aurora von Königsmark hier wäre — sie war j meinem Herrn stets eine wohlgewogene Gönnerin.! Doch sie ist Aebtissin in Quedlinburg. Aber ihr Sohn, Prinz Moritz! Auch er ist meinem Herrn gewogen. Ich suche ihn auf; vielleicht gibt er mir einen guten Rath. Der Tollkopf ist im Stande i und fängt meinen Herrn auf der Chaussee auf und führt ihn als Gefangenen irgendwo hin, um diese gefahrdrohende Reise zu hintertreiben." Asarjah legte die Tephillin an und betete; dann machte er sich auf den Weg, um sich in die Wohnung des Prinzen Moritz zu begeben. Prinz Moritz von Sachsen war der Sohn der Gräfin Aurora von Königsmark und August's des Starken. Bon allen Söhnen des Königs wurde dieser der berühmteste. Prinz Moritz war ein geborener Kriegsheld; zeitgenössische Schriftsteller erzählen, daß er. kaum aus der Wiege, nach Trommeln und Pauken verlangte. Als dreizehnjähriger Knabe schon diente er dem Grafen Schulenburg, dem später so berühmt gewordenen Feldherrn der Republik Venedig, als Adjutant. Aber der Neid Flemmings, der kein Genie neben sich dulden wollte, verdrängte nicht nur den großen Schulenburg ous der sächsischen Armee, sondern duldete auch nicht, daß der eigene Sohn seines Herrn in dieselbe eintrat; so sah sich Moritz genöthigt, in französische Kriegsdienste zu treten, und hier war es, wo er unter dem Namen des Marschalls von Sachsen sich derartigen Ruhm erwarb, daß er für alle Zeiten den größten Feldherren zugezahlt wird. Seine Siegesschlachten bei Fontenay, bei Raucoux und bei Laffeld haben seinen Namen unsterblich gemacht. Zur Zeit unserer Erzählung war Moritz noch nicht Marschall von Frankreich;' er war auf kurze Zeit zum Besuche seines Varers an den Hof desselben nach Dresden gekommen. Hier war der ebenso schöne wie geistvolle und liebenswürdige Jüngling der Liebling Aller; auch die Gräfin Kosel war ihm ganz besonders gewogen. Moritz war der echte Sohn seines Vaters, diesem in alten Stücken ähnlich, auch in der Verschwendung. In mancher Verlegenheit hatte er sich schon an den Königlichen Residenten um Hilfe aewandt, und hatte bei dieser Gelegenheit Rabbi Bärmann achten und schätzen gelernt. In seinen Briefen an seine Mutter, die in den Memoiren des Marschalls abgedruckt sind, spricht er stets mit der größten Hochachtung von dem Residenten Behrend Lehmann. Die Vermittelung des Prinzen gedachte Asarjah zu Gunsten seines Herrn in Anspruch zu nehmen. Als er vor die Wohnung desselben kam, stieg der Prinz gerade zu Pferde. „Durchlauchtigster Prinz." rief Asarjah, „ich möchte nur einige Worte mit Ihnen reden." „„Unmöglich,"" rief der Prinz „„ich habe nicht einen Augenblick Zeit übrig. Kommt morgen wieder!"" Der Prinz sprengte davon, und Asarjah stand da, wiederum in seiner Hoffnung betrogen. „Vertrauet nicht auf Fürsten/ sprach er mit den Worten des Psalmisten, „nicht auf Menschen, bei denen keine Hilfe ist. Meine Hilfe stammt von Gott, dem Schöpfer von Himmel und Erde. Wen» Gott nicht helfen will, so ist all' mein Dichten und Trachten umsonst, und wenn Gott helfen will, so bedarf es keiner Fürsten, so kann er den gering-- sten Bettler zum Werkzeug der Hilfe erkiesen."

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