Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 28 (11.7.1877)
- Date
- 1877-07-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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652 sLmmtlich von Juden bewohnt waren oder Juden gehörten, wurden ein Raub der Flammen. (Die Israeliten von Serbien.) Die Hoffnungen, die man für die Verbesserung der Lage der serbischen Israeliten hegen konnte, scheinen sich nicht verwirklichen zu sollen, wie aus nachstehenden, dem Central-Comitö aus Belgrad zugegangenen Mittheilungen zu ersehen ist: Obgleich unsere Petition von der großen Skuptfchina nicht in Erwägung gezogen werden konnte, hoffte ich dennoch von der Sorgfalt, der Regierung und der Dankbarkeit des serbischen Volkes eine anderweitige Erklärung unserer Rechte. Seitdem haben uns die Thatsachen eines Besseren belehrt; die Regierung besitzt nicht Energie genug, um zu unseren Gunsten etwas zu thun, und das Volk ist gegen uns niemals schlimmer disponirt gewesen. Man hat den Israeliten von Semendria von Neuem den Erlaß zugeschickt, innerhalb 30 Tagen die Stadt zu verlassen, und die Regierung hat nichts gethan, um dieser Willkührmaßregel zu begegnen. Wenn dieselbe und das Volk uns während des Krieges günstig gesinnt waren, so geschah es, weil ihre militärischen Verluste sie damals gegen Andere gerechter machten und sie ihre Illusionen sowohl in Betreff des serbischen Heroismus, als tn Betreff der behaupteten Feigheit anderer Nationen und namentlich der Juden verloren hatten. Angesichts des schönen Verhaltens der Israeliten während des Krieges erklärten sie, daß der Tag der Emancipation gekommen sei, und daß dieselben die Erlangung ihrer Rechte verdient hätten. Aber es waren dies Versprechungen, wie sie die Reisenden während des Sturmes machen und sie wieder vergessen, wenn die Gefahr vorüber. Die Rückkehr zu einer gerechten Regierung wird schwierig, ja sogar unmöglich sein, insofern man sie von der Skuptfchina erwarten soll, da die kleinen Handelsleute im Innern des Landes und besonders von Belgrad sich niemals hiermit einverstanden erklären werden. Nur eine Pression von Außen wird unsere Regierung bestimmen, der mächtigen Corporation der Turgovatz (Kaufleute) wie es der Fürst Milosch gethan hat, zu trotzen; denn was die Landleute betrifft, so sind sie uns stets zugethan gewesen. — Diese auswärtige Pression trat bei Dem soeben geschlossenen Friedensvertrage hervor, und die serbische Regierung hat sich ihr entzogen; sie hat sie gewissermaßen unnölhig gemacht, um sich die Sympathien der Kaufleute nicht zu entfremden, eine Thatsache, die durch das Journal „La Turquie" enthüllt worden und worauf die serbische Regierung mit einem in ihrem officietten Blatte veröffentlichten Dementi geantwortet hat. Hier die Uebersetzung dieser Replik: „Ein in Constantinopel erscheinendes französisches Journal: „La Turquie," hat in Betreff des zwischen der Pforte und dem Fürstenthum Serbien geschlossenen Friedensvertrages aus ottomanischen Zeitungen Auszüge wiedergebeben, denen wir einige Berichtigungen hinzuzufügen für nöthig erachten. Als die Pforte Serbien den Frieden anbot, formulirte sie zwei Arten von Bedingungen; die einen bezogen sich auf die Wiederherstellung der politischen Beziehungen, welche vor dem Kriege zwischen beiden Landern bestanden hatten, und die anderen waren vollständig neu. Nachdem die fürstliche Regierung als Basis der Unterhandlungen den status guo ante angenommen hatte, so gab es in Betreff oer ersten Reihe von Bedingungen nichts zu discutiren, da sie vor dem Kriege bestanden hatten oder zur Friedenszeit für jedes Land gegen seine Nachbarländer erforderlich sind. Die neuen Bedingungen jedoch hat die fürstliche Regierung zurückgewiesen, weil sie der für den Friedensschluß angenommenen Basis nicht entsprachen oder weil sie zur ausschließlichen Competenz der serbischen Gesetzgebung gehörten, woraus folgt, daß der Friede auf der bekannten Basis des in Nr. 59 dieses Blattes veröffentlichten Protokolls geschlossen worden ist. Serbien hat, wie es den Krieg mit Ehren geführt, so auch den Frieden mit Ehren geschlossen, ohne Eingriff in seine Rechte, noch in seine internationale Steuung zu dulden." Auf die Frage, ob die Israeliten bei den Wahlen zur gewöhnlichen Skuptfchina Antheil nehmen werden, erwidert oerselbe Corr.spondent, daß, da die gewöhnlichen Skuptschinas alle 3 Jahre gewählt werden, die Auflösung der gegenwärtigen Skuptfchina erst im nächsten Jahre, erfolgen wird, und daß dann die Juden nothweudig an den Wahlen theilnehmen werden. (Schluß folgt.) Feuilleton. Der Königliche Aestdent. (Eine historische Erzählung.) XXX. In der darauffolgenden Nacht schlief Asarjah nicht. Seine Phantasie malte ihm die schrecklich-