Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 28 (11.7.1877)
- Date
- 1877-07-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2447695-2447723--13871-2469757- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
651 Handlungsweise Beherzigung und Nachahmung finden werde, daß es nur einer richtigen Beleuchtung und^ Würdigung der hierher gehörigen Momente bedürfe, um alle Diejenigen, denen die jüdische Erziehung ihrer Kinder mit wahrem jüdischem Ernst am Herzen liegt, von einem Vorhaben zurückzuhalten. das mit einer Berläumdunq der jüdischen Gemeindeschule beginnt, und mit Schließung derselben endigen wird, das die jüdischen Gemeinden in den Augen der Staatsregierung degradirt, indem es ihnen die Fähigkeit oder was noch schlimmer ist. den Willen abspricht, das Judenthum wie bisher ihren Kindern weiter zu vererben und dafür die Zukunft ihres Judenthums in die Hände des preußischen Cultusministers legt. Jedenfalls sollen die jüd. Gemeindevorstände über die Bedeutung der an sie gestellten Zumuthungen nicht in Unwissenheit bleiben; wollen sie dann dennoch fortfahren ihre Namensunterschrift zu einem Armuthszeugniß des jüdischen Gemeindewesens herzugeben, so ist das dann ihre Sache. Uns mag dann die Hoffnung auf den Hüter Israels trösten, der seine Thora nicht der Vergessenheit, unser Judenthum nicht der Verkümmerung anheim fallen lassen wird, auch wenn auf Betreiben von Synagogengemeindevorständen hin das preuß. Cultusministerium fortan jüd. Religion in Preußen lehren und controlliren sollte. (Forts, folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzeu. Deutschland. Mainz, 4. Juli. Wir haben am 29. v. M. 1702 M. 9 Pf. und heute 2753 M. 14 Pf., im Ganzen 4455 M. 23 Pf. an das Central-Comite zu Amsterdam zum Besten der Hungernden rc. im heiligen Lande geschickt. Die Summe der von uns in diesem Jahre gesammelten und übersandten Spenden beträgt nunmehr 18,621 M. 32 Pf. Die Nachrichten aus dem heiligen Lande lauten noch immer sehr betrübend. Das Central- Comile weist die eingehenden Spenden telegraphisch an, um Korn und Mehl dafür einzukaufen und so der allerdringendsten Roth abzuhelfen. Ein edler Wohlthäter aus dem Leserkreise des „Israelit" hat dem Central-Comitö in Folge des ersten Aufrufs 2000 M. übersandt. Möge die Wohlthätigkeit nicht ermüden, um unsren bedauenswerthen Brüdern ihr schweres Loos zu erleichtern. Mainz, 5. Juli. Von Herrn Bez -Robb. Dr. Hochstadter zu Bad-Ems geht uns unter Bezugnahme auf das Preßgesetz die nachstehende Entgegnung zu: Bad-EmS. Auf das sonderbare Schreiben des polnischen Rabbiners Mohilew erwiedert das hiesige BezirkSrabbinat, daß die hiesigen □•öi-rar jedes Jahr vor der Kurzeit approbirt werden und unter denselben der Aelteste circa 40 Jahre fungirt und weiter kein Gewerbe treibt; daß ferner in sämmtlichen jüdischen Speisehäusern die Speisen rituell ~teo zubereitet werden! — Es ist daher mehr als Anmaßung, es ist eine wrvSn pur} (s. Talmud B. Tractat Arechin 15) von einem fremden Manne, welcher sich nicht einmal voraus beim BezirkSrabbinat erkundigt hatte, über hiesige Verhältnisse abzuurtheilen. vr. H o ch st ä d t e r, Bezirksrabbiner. Frankreich. Paris. Eine voa Herrn Cl6mieux angeführte Deputation der isr. Alliance hat sich zu Midhat Pascha, der seit einigen Tagen in Paris weilt, begeben und ihm ihren Dank für die freundlichen Gesinnungen ausgesprochen, die er gegen ihre Glaubensgenossen als Berwaltungschef in Rustschuk. Bagdad und Salonichi, sowie später als Großwessier in Constantinopel an den Tag gelegt hat. Midhat Pascya erwiderte, er hätte nur die Grundsätze seiner Regierung zur Anwendung gebracht, Grundsätze, in denen die Türkei jetzt allein ihr Heil finden könnte. Was die Israeliten insbesondere betreffe, so könne einem Türken gar nicht der Gedanke kommen, sie zu verfolgen, da er vielmehr in der ungerechten Verfolgung, der sie seit Jahrhunderten in der ganzen Welt ausgesetzt gewesen wären, nur einen Rechtstitel auf seine Theilnahme und Sympathie erblicken können. Paris (Monatsbericht sJunij der All. JSr. Univ.): (Die Israeliten von Rumänien ) Jaffy. — Hundert Studenten, und Leute aus dem Volke, die am 6. Juni früh 4 Uhr vom Bahnhofe, wo sie der Abreise des Kaisers von Rußland nach Plojesti beigewohnt hatten, zurückkehrten, stürzten sich auf die Juden, denen sie in den Straßen begegneten, und zertrümmerten die Fenster der isr. Häuser; die Läden und Schenken der Juden wurden überfallen, insbesondere der Laden eines ConditorS, Namens Rosenthal; in der Schenke des Abraham Salomon wurden die Branntweinflaschen zerbrochen und der Branntwein angezündet; 14 Häuser, die