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Der Israelit · 1877-07-04 · Heft 27 (4.7.1877) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 27 (4.7.1877)
Date
1877-07-04
Page
– (sequence 11)
Language
German
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633 macht habe mit dem eigentlichen Verhältnisse, das zwischen uns besteht. Du hast nun in dieser Zeit Muße gehabt, die Lage der Dinge reiflich zu erwägen und kannst mir daher nicht den Vorwurf machen, daß ich Dich überstürze, wenn ich Dich bitte, den Vorschlag, den ich Dir zu machen im Begriffe bin, nach kurzer Ueberlegung freundlich annehmen zu wollen. Hanna, ich habe es Dir bereits mitgetheilt, Deine verstorbene Schwester war meine Braut, nur wenige Tage vor unserer beabsichtigten Verbindung ward sie mir entrissen. Was ich damals gelitten — nur Gott weiß es. Du warst ein Kind von kaum sechs Jahren, allein, verlassen, ohne Freunde, ohne Verwandte und Du weintest um die Eine, die auch ich verloren. — Ich nahm Dich zu mir, Dein kindlicher Schmerz, Deine Anmuth gewährten mir den einzigen Trost. — Du wuchsest heran; um unserm gegenseitigen Verhältnisse die größte Unbefangenheit zu verleihen, erzog ich Dich als meine Schwester. Doch je mehr sich Deine Anmuch, Deine Schönheit entfaltete, je ähnlicher Du der Verstorbenen wurdest, um so mehr verwandelten sich die brüderlichen Gefühle, die ich einst für Dich gehegt, in die gleichen, die deine Schwester mir einst eingeflößt. — Hanna, ich liebe Dich — werde mein!" Er hielt inne und blickte in gespanntester Erwartung a. f das junge Mädchen. In Hanna's lieblichem Angesicht wechselte die glühenste Röthe mit der tiefsten Blässe; erst nach mehreren Minuten erwiederte sie leise. „Simon, ich glaubte Dir bereits erwähnt zu haben, daß mein Herz nicht mehr frei — Friedrich von Waldensee." — „Ich weiß, ich weißfiel er hastig ein, „aber ich schmeichelte mir, daß meine Vorstellungen Dir eingeleuchtet und nach dem gestrigen Auftreten des jungen Ritters zu urtheilen, macht er sich wenig Hoffnung. Ich hoffte sogar, Du habest ihn bereits verabschiedet, oder hätte rch mich geirrt?" „Nein," entgegnete sie seufzend: „Friedrich weiß, daß ich nie die Seine werden kann." Simon strahlte vor Genuglhuung. „Das hohe ich mir gedacht. Du hast Dich herrlich benommen, Kind; wenige Mädchen in Deiner Lage hätten so rasch und sv sicher das allein Richtige erkannt und geübt. Und darum finde ich auch in Deiner Neigung für den jungen Waldensee nichts, was mich abhalten könnte, Dir meine Hand zu reichen. Dein Charakter bürgt mir für Deine Treue und Alles Uebrige macht sich dann schon von selbst." Ein leises Beben durchzuckte die Glieder des jungen Mädchens. „Wenn Du so darüber denkst," sprach sie mit sichtlicher Anstrengung „dann heischt es allerdings die Dankbarkeit, die ich Dir schulde Deinen Wunsch zu erfüllen, doch nur unter einer Bedingung kann ich es thun." „Nenne sie, nenne sie, damit ich sie schleunigst erfülle." „Tritt zurück zu dem Glauben unserer Väter." „Mädchen," rief er aufspringend „was ficht Dich an?" „Erfülle meine Bedingung und ich werde Dem Weib, sobald Du es verlangst." „Du forderst das Unmögliche" erwiederte er, hastig das Zimmer durchschreitend, „das Unmögliche und das Zwecklose. Glaubst Tu denn, ich hätte in meinem Herzen je unfern Glauben verleugnet?" „Aber mit Deinen Lippen hast Tu ihn verleugnet und mit Deinrm Leben verleugnest Du ihn' täglich und stündlich." „Hanna! welch' ein Geist ist in Dich gefahren?" „Du hast recht, es zi(wt mir nicht, Dir Vorstellungen zu machen; trotzdem muß ich Dir wiederholen, ich werde nur dann Dein, wenn Du meine Bedingung erfüllst." „Und wenn ich's verweigere, verweigern muß?" Sie zuckte die Achseln. „So kann ich Dein Begehren nicht erfüllen." „Hanna! — Bedenke die Verhältnisse — ich möchte Dir nicht gerne sagen, was Du im Grunde Dir selber sagen könntest." „Ich verstehe Dich und ehre Dein Zartgefühl. Allerdings sehe ich ein, daß meines Bleibens in Deinem Hause nicht länger sein kann." Simon erblaßte. „Wie" stammelte er, „Du könntest daran denken, mich zu verlassen?" „Du findest doch selber, daß ich es wüßte." „Nein, nein, Du hast mich mißverstanden, was sollte ich anfangen, wenn Du mich verließest? seit zehn Jahren habe ich nur für Dich gelebt, ich könnte nicht leben, müßte ich Dich entbehren." „Lebe ferner für mich, Simon," sprach sie innig und faßte seine Hand. „Tritt offen zurück zu dem Glauben, den Dein Herz bekennt und laß' das heiligste Band uns vereinen." „Unmöglich Hanna; weißt Du denn nicht, daß in unserm Lande Juden nicht geduldet werden?" „Wer weiß, der Fürst ist Dein Freund, er liebt Dich, und wenn Du Dich vertrauensvoll an ihn wendest...— „So läßt er mich henken und zieht mein Vermögen ein," rief Simon mit wildem Lachen, „lehr' Du mich Fürstenfreundschaft schätzen."

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