Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 27 (4.7.1877)
- Date
- 1877-07-04
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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634 „So laß' uns dieses Land verlassen und tritt in einem andern zurück zu unserm Glauben." „Und meine glänzende Stellung hier sollte ich aufgeben! Das wäre Wahnsinn. Du weißt nicht, was es mich gelostet hat, sie zu erringen, Du weißt nicht, welche Wonne es ist, diesen Hofschranzen und diesem ganzen Betteladel all die Verachtung. die man für sie empfindet, zeigen zu können. Laß' uns erst verbunden sein, so führe ich Dich in diese glänzenden Kreise und Du wirst sehen, wie sie mit Katzenbukeln Dir nahen und nur in achtungsvoller Entfernung Deine Schönheit anstaunen werden, und mit welcher Freundlichkeit und Zuvorkommenheit alle die Großen und selbst der Fürst Dir begegnen wird." „Ich kann nur wiederholen, was ich bereits erklärt; nur wenn Du auch im Leben Dich als Jude zeigst, werde ich Dein." „Thörichtes Mädchen, Du weißt nicht, was Du sprichst." „Ich weiß, was ich spreche, Simon; ich weiß, daß nach Deiner Weigerung ich auf mich selbst angewiesen bin." „Schon wieder diese Drohung" rief er mit dem Fuße stampfend: „Kind, das'die Welt nicht kennt; meinst Du, daß man Gold und Seide auf den Gassen findet?" „Ich werde Gold und Seide zu entbehren wissen." „Und das tägliche Brod am Ende auch," höhnte er. „Das werde ich durch Arbeit mir erwerben und kann ich's nicht, lieberbetteln, als ferner...." „Hanna! Tollkopf! theures geliebtes Mädchen, Du machst mich rasend mit Deinen überspannten Ideen. Laß' uns einen Vertrag schließen, in den nächsten acht Tagen lassen wir uns trauen und in acht Wochen erfülle ich Deinen Wunsch, wir verlassen das Land und treten anderorts zum Judenthum zurück." „Nur nach dem Rücktritt werde ich Dein" erwiederte sie mit Bestimmtheit. „Kind!" rief Simon mit ausgebreiteten Armen auf sie zuschreitend. „Meinst Du im Ernst, ich würde Dich fragen? Meinst Du, ich wollte umsonst Dich gehegt und gepflegt haben?" Wieder that er einige Schritte vorwärts, sie sprang entschlossen auf. „Keinen Schritt weiter, oder Dein Leben ist nicht sicher. Dein jetziges Benehmen löscht jeden Anspruch auf Dankbarkeit." „Du drohst mir;" rief er lachend „aber was willst Du, Dein Eigensinn ist an allem Schuld!" Wie sinnlos stürzte er auf sie zu. — Sie schaute ihn an, einen Augenblick war er wie gebannt von der Hoheit, die aus ihrem Blicke sprach; doch nur einen Augenblick; schon breitete er wieder die Arme aus — da ergriff fie die brennende Wachskerze, die ein Diener bei einbrechender Dunkelheit in's Zimmer gebracht und hielt die Flamme an die reiche Draperie. Im Nu schlängelten die Flammen sich in die Höhe und schon nach wenigen Sekunden stand das Bett wie in einem Feuermeer. Mit wildem Aufschrei warf Simon sich dem Feuer entgegen, die brennenden Stoffe hinunter zu reißen, und als ihm dieses nicht gelang, stürzte er hinaus, Hilfe herbei zu schaffen, denn das Feuer vergrößerte sich von Minute zu Minute; schon hatte es das Holzwerk am Plafond ergriffen; von allen Seiten eilten Leute herbei, das Feuer zu löschen. (Fortsetzung folgt.) A N Z E I G E N. Für den folgenden Theil ist die Reduction nicht verantwortlich. Jnferaten-Annahme für Frankfurt a.M bei */. Kauff'mann, Buchhan dlung, und für Hamburg bei A.% Gold Schmidt, Buchhandlung in Hamburg, Kohlhöfen 39. ^in^Mädchen für Küche und Hausarbeit in einer Stadt gesucht. Franco-Offerten Expedition d. Bl. unter Nr. 1742 besorgt die A" 1636 1. August suche unter günstigen Bedingungen ür meine Schirmfabrik einen Lehrling. D. Meyerfeld, Bielefeld.