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Der Israelit · 1877-07-04 · Heft 27 (4.7.1877) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 27 (4.7.1877)
Date
1877-07-04
Page
– (sequence 10)
Language
German
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632 tcti von Hilfe, ohne Gegenleistung dafür zu beanspruchen, nicht immer vollen Anklang findet, wenn die Gesichtspunkte, von denen solche ausgeht, noch zu neu sind, um allgemein gewürdigt zu werden. Trotzdem gibt derselbe die Hoffnung nicht auf, daß allmählich, früher oder später, der Verein in der Sympathie unserer Glaubensgenossen immer mehr Boden gewinnen, und dereinst als ein solcher anerkannt werden wird, dessen Tendenz vielen Bedürftigen zum wahren Segen, dem Judenthume aber zur Ehre gereichen werde. Die Einnahmen betrugen 5945 M., die Ausgaben 2582 M. Die Darlehnskässe hat einen festen Fond von 45,632 M. Oesterr.-Ungar. Monarchie. JB. Reicherrau (Böhmen). Am 9. Juni wurde unter großen Festlichkeiten das 40jährige Amtsjubiläum unseres geliebten Rabbiners, Herrn Or. S. Lengsfelder, gefeiert. Der Jubilar hielt bei dieser Gelegenheit eine mit großem Beifalle aufgenommene Rede und wurde mit einem prachtoollen silbernen Pokal seitens des Cultus- Vorstandes beschenkt. Feuilleton. Aus dem Mittelalter. Von Friedrich Nott. XXII. Lächelnd schaute Simon ihm nach und rieb sich vergnügt die Hände. „Na, den wären wir auf gute Manier nun los, die Kleine hat doch mehr Raison, als ich ihr zugetraut. Für heute soll sie dafür auch Ruhe haben; morgen ist auch ein Tag, aber der soll doch nun endlich unsere Verlobung besiegeln und von der Verlobung bis zur Hochzeit foll's nicht lange währen. VZerden gewaltige Augen machen die Herren und Damen vom Hof» wenn sie meines wunderholden Bräutchens ansichtig werden, und erst die Durchlaucht — werde sie vor ihr wahren und hüten müssen. Aber auf meine Hanna kann ich mich verlassen, sie ist treuer als Gold, sie ist eine seltene Perle wie es in dem alten Liede heißt, das mein gottseliger Vater immer am Freitag Abend gesungen." Diesen Reflexionen verdankte es Hanna, daß sie heute unbelästigt blieb und das war jedenfalls Gewinn; denn in ihrer augenblicklichen erregten Stimmung war sie einer Erörterung mit Simon nicht gewachsen. Sie hatte, sobald sie seine Stimme vernommen, sich auf einem Umwege in ihr Zimmer begeben und lag hier schluchzend auf ihrem Bette. Wohl bereute sie den Entschluß nicht, den sie gefaßt; aber er ward ihr schwer, unaussprechlich schwer, denn sie liebte Friedrich mit aller Gluth ihres in dieser Liebe erst erwachten Herzens — und wie glühend ward auch sie geliebt. Mußte sie denn entsagen? mußte sie? Doch wieder tauchte das Bild ihres sterbenden Vaters vor ihrer Seele auf — wieder Der« nahm sie die Verherrlichung des Gottes Israels von den Lippen ihrer dem Tode sich weihenden Schwester und das Bewußtsein ihrer Pflicht kehrte klar in ihr zurück. Es war am folgenden Tage. Hanna erschöpft der Ruhe bedürftig, hatte ihre alte Freundin heute nicht besucht; sie verbrachte den Tag auf einem Ruhebette liegend, in müder träumerischer Stimmung; sie fühlte sich unsäglich matt, ihr sehnlichster Wunsch war nicht denken zu müssen. Der Abend nahte, Simons Geschäfte waren beendet; treu seinem gestern gefaßten Entschlüsse trat er in das Zimmer des jungen Mädchens, um die Sache, wie er es innerlich nannte, nun endlich einmal in's Reine zu bringen. Mit herzlicher Theilnahme forschte er nach ihrem Befinden und als sie sich bemühte, seine Frage freundlich zu beantworten , zog er einen Sessel herbei und setzte sich zu ihr. „Gestern Abend als ich heimkam, traf ich den Ritter von Waldenser hier; hast Du ihn gesprochen?" fragte er so unbefangen als möglich. Erröthend bejahte Hanna. „Er schaute ziemlich verstört drein" fuhr Simon fort, „gerade so wie Einer, dem die gebratenen Tauben vom Munde weggenommen." Hanna seufzte schmerzlich. „Ist der Fürst heute in Reichenstein?" fragte sie mit Anstrengung, um nur dem Gespräche eine andere Wendung zu geben. „Ja Kind, darum kann ich heute schon ein Stündchen früher Feierabend machen und mit Dir einmal mit Muße mich unterhalten. Haft doch nichts dagegen, Liebchen?" Sie murmelte einige verbindliche Worte und nach wiederholtem Räuspern begann Simon: „Es sind jetzt bereits drei Wochen verstrichen, seit ich Dich mein theures Mädchen, bekannt ge-

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