Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1877-07-04 · Heft 27 (4.7.1877) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 27 (4.7.1877)
Date
1877-07-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2447695-2447722--13854-2469739
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

XVIII. Jahrgang. Erste Leiiage;» tlr. 27 des Israelit. Leitender Artikel. Literarischer Bericht. „Aus dem Notizbuch des Onkel Jonas." Humoresken aus dem jüdischen Leben von S. Nolly. Berlin. Sigfried Cronbach. 1877. Wer Anlage zur Hypochonderie verspürt, oder Iver sich überhaupt ein vergnügtes Stündchen bereiten will, dem empfehlen wir obige Humoresken. Sie sind in der Schreibart der bekannten Lernstein'schcn Erzählungen geschrieben, besitzen zwar nicht die tiefe Innigkeit, welche jene Schriften charakterisirt, zeichnen sich aber vor denselben dadurch aus, daß ihr frischer, urwüchsiger Humor niemals in eine Saryre auf Pie religiösen Observanzen des jüdischen Lebens ausartet. — Onkel Jonas ist ein Schadchen, und zwar ein sehr roulinirter. Er erzählt uns seine Erlebnisse, in drei Erzählungen, und versteht dabei das moderne jüdische Familienleben, das in der Stadt wie dasjenige auf dem Lande, mit einer Treue und Lebendigkeit zu schildern, die jeden Leser im hohen Grade befriedigen dürften. — Die Erzählungen sind zugleich — vielleicht ohne es zu wollen — eine Ehrenrettung der specifisch jüdischen Institution der Schadchonim. Man hat schon oft gegen die „Zunft der Schadchonim von Profession' polemisirt, und nicht selten diese ganze Art der Ehevermittelung verurtheilt. Aber man braucht nur den „Onkel Jonas" kennen zu lernen oder seine Erzählungen zu hören. Dieselben gestalten sich in seinem Munde unwillkürlich zu einer Apologie seines Standes, und zeigen, wie im jüdischen Krcise, wo ja nicht die Leidenschaft, sondern die Ersahrung der Aeltern die Ehe schließen soll, der Schadchen nicht nur berechtigt, sondern wie Onkel Jonas meint, geradezu unentbehrlich ist. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Leipzig. Nach dem Rechenschaftsberichte der Deutsch - Israelitischen Darlehns - Casse für Frauen und Jungfrauen entsprach der Erfolg zweier Aufrufe an die Vorstände der Gemeinden des deutsch-israel Gcmeindebundes den Erwartungen nur in schwachem Maße. Mit den Tendenzen der Darlehnskasse einverstanden und somit in voller Würdigung der Lücke, in welche die Darlehnskasse einzutreten berufen sei, erklärten sich bisher nur die Gemeinden Gehaus, Thorn, Nvrdhausen, Leipzig, Münsterberg und traten dem Vereine bei, zum Theil mit regelmäßigen Jahresbeiträge», zum Theil durch Gewährung eines einmaligen Beitrags. Ebenso erhielt dieselbe von einzelnen Privaten Schenkungen von 20 bis 500 Mk. Dieses allerdings schwache Ergebniß durfte indeß den Verwaltungsrath nicht zurückschrecken, in seinen Anstrengungen fortzufahren, für die Idee der Darlehnskasse Propaganda zu machen, und so erneuerte er seine Versuche im December 1875 durch Veröffentlichung eines kurzen Artikels in den gelesensten deutschen Zeitungen. In verschiedenen Gemeinden wurden Bevollmächtigte eingesetzt, mit der Aufgabe, die zweifache Richtung des Vereins: Gewinnung von Freunden und Gönnern behufs Gewährung von Beiträgen, arößern Schenkungen und Vermächtnissen , sowie Zuweisung würdiger Darlehnsbedürftiger im Auge zu behalten. Daß auch diese Schritte bis jetzt nicht zu dem beabsichtigten Zwecke führten, mußte zur Folge haben, daß die Ävhlthaten des Vereins, welche sich auf 17 Darlehne im Gesammtbetrage von 2515 Mk. erstreckten, anstatt größern Kreisen zu Gute zu kommen, größtentheils auf Leipzig und dessen nächste Umgebung beschränkt blieben. Aus dem am Schlüsse des Berichtes abgedruckten Cassenberichte geht hervor, daß zwar die anfänglich gehegte Befürchtung, die Vereinsmittel werden den an denselben gestellten Anforderungen nicht begegnen können, nicht in Erfüllung ging, sondern daß im Gegentheil ein beträchtlicher Theil der Einkünfte aus dem ersten Rechnungsjahre unverwendet blieb und zusammen mit denjenigen des laufenden Jahres, sowie mit den inzwischen theilweise bereits zur Rückzahlung gelangten Darlehnen, welche gemäß § 4 al. d! wieder ausgeltehen werden können, verfügbar wird. Es liegt aber in diesem Umstande für den Verwaltungsrath zugleich die unerfreuliche Wahrnehmung, wie langsam und schwer es-selbst einer uneigennützigen, nur das Wohl der Mitmenschen fördernden Idee gelingt sich Bahn zu brechen, und wie selbst das Anerbie-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.