Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 27 (4.7.1877)
- Date
- 1877-07-04
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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630 Am Abende, der diesem Tage folgte, schlich sich ein vermummter Mann in das Haus des Königlichen Residenten. Er fragte nach Asarjah, dem Commis Rabbi Barmann's. Er wurde in das Zimmer desselben geführt; denn die Comptoirstunden waren schon zu Ende. Der Vermummte bat den Commis, dieThüre des Zimmers zu verschließen. In Dresden waren damals Maskirungen und Vermummungen an der Tagesordung. „Dresden," fchreibt der berühmte Tourist, Herr von Los», von der damaligen Periode, „Dresden scheint ein bezaubertes Land, welches sogar die Träume der alten Poeten noch übertrifft. Man konnte hier nicht wohl ernsthaft sein und wurde mit in die Lustbarkeiten und Schauspiele hineingezogen." Asarjah, irgend einen Scherz vermuthend, verschloß die Thüre. Nachdem dies geschehen war, warf der Fremde seine Vermummung ab. „Pater Dominik,"" rief Asarjah, „der Beichtvater des Königs! Ehrwürdiger Vater, was soll das bedeuten?" „„Still,"" sagte Pater Dominik, „„ehr ich Euch ein Wort sage, müßt Ihr mir schwören, daß Ihr keinem Menschen verrathen wollt, daß ich bei Euch gewesen und was ich mit Euch gesprochen habe."'" Asarjah leistete den verlangten Schwur. „Junger Mann," sagte der Priester, „ich habe einst Euren Herrn in Polen kennen gelernt, als ich noch Hauskaplan des Fürsten Lubomirski war. Damals habe ich versprochen, Euren Herrn vor der Rache des Fürsten zu schützen. Der Augenblick ist jetzt gekommen. Ich darf mich nicht deutlich aussprechen. Es ist ein Beichtgeheimnis das ich nicht verrathen darf. Doch Eins will ich Euch sagen: Verhindert die Reise Eures Herrn nach dem Königstein." „„Ehrwürdiger Vater, Ihr bringt mich in die größte Verlegenheit. Ihr gebt mir einen Auftrag und benehmt mir zugleich die Möglichkeit, ihn auszuführen. Wie soll ich meinen Herrn veranlassen, Dem Befehle des Königs ungehorsam zu sein? Wird mein Herr auf mich hören? Erlaubt mir wenigstens, ihm zu sagen, daß Ihr ihm diese Warnung zukommen lasset!"" „Das geht nicht. Was ich gethan habe, ist schon mehr als ich vor meinem Gewissen verantworten kann; es streift schon an ein Verrathen des Beichtgeheimnisses. Wie Ihr Euren Herrn zurückhaltet, das ist Eure Sorge. Jetzt öffnet die Thüre und laßt mich gehen." „„Ehrwürdiger Vater. . . „Laßt mich gehen!" Asarjah öffnete die Thüre; der Priester eilte hinweg. Asarjah blieb in der größten Verzweiflung zurück. Daß es sich um etwas Furchtbares handele, das hatte er aus dem Ernste und der Vorsicht deK Priesters geschlossen' Was war's, das seinen Herrn auf dem Königstein erwartete? Wohl hatte der Resident gesagt, daß er im Aufträge des Königs nach dem Königstein reisen müsse; aber über das weitere Ziel und den Zweck der Reise war er, ganz gegen seine Gewohnheit, schweigsam gewesen. Er beschloß zunächst seinen Herrn aufzusuchen. Er fand diesen damit beschäftigt, seinen Mantelsack zu packen. „Rabbi Bärmann," fragte Asarjah, „warum wollt Ihr für die kurze Reise nach dem Königstein so viele Sachen mitnehmen?" „„Ich soll von dort aus gleich weiter reisen, ich weiß selbst noch nicht, wohin. Erst auf dem Königstem soll ich die weiteren Instructionen in Empfang nehmen."" „Sonderbar! — Rabbi Bärmann, Ihr wißt, ich bin Euch ein treuer Diener seit mehr als zehn Jahren, ich liebe Euch, wie man nur einen Vater lieben kann. Wollt Ihr mir etwas zu Liebe thun?" „„Und das wäre?"" „Geht nicht nach dem Königstein." „„Bist Du ein Narr, Asarjah?"" „Es war vorhin ein Vermummter hier und beschwor mich, Euch davon zurückzuhalten." „„Ha, das ist nichts als ein Anschlag meiner Feinde. Man will mich zum Ungehorsam gegen den König verleiten, um mich zu stürzen."" „Ich bitte Euch, ich beschwöre Euch . . . ." „„Dummes Zeug, Asarjah, sei kein Kindt Und nun kein Wort weiter!"" (Fortsetzung folgt.) Hierzu drei Beilagen. Verantwortliche Redaetion: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. I Gottsleben's Buchdruckerei in Mainz (Mainzer Anzeiger).