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Der Israelit · 1877-07-04 · Heft 27 (4.7.1877) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 27 (4.7.1877)
Date
1877-07-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Feuilleton. Irr Köoiglichk Brsidkat. (Eine historische Erzählung.) XXIX. Noch an demselben Tage wurde Rabbi Bärmann zur Audienz befohlen. Er konnte dem Befehle nicht Nachkommen; er lag krank im Bette. Erst am Montage hatte er sich soweit erholt, um vor dem Könige erscheinen zu können. Der König empfing ihn im Boudoir der Reichsgräfin Kosel. „Warum kömmst Du erst heute?" herrschte ihn der König an. „„Majestät wollen gnädiglich verzeihen; ich war krank. Am Sonnabend wurde ich von einem Jäger des Fürsten LubomirSki überfallen und mißhandelt, als ich einen Spaziergang vor dem Pirna'schen Thore machen wollte. Der Schrecken und die Aufregung hatten mich krank gemacht."" Der König und die Gräfin Kosel wechselten einen Blick des Einverständnisses, als der Resident von dem Ueberfalle durch den Jäger des Fürsten Lubomirski sprach. „Bist Du jetzt ganz wieder hergestellt?" fragte der König. „„Noch nicht ganz. Majestät."" „Das ist Schade; ich wollte Dich in einer wichtigen Mission sofort aus die Reise schicken." „„Ich hoffe, morgen dem Befehle Eurer Majestät Nachkommen zu können."" „Also morgen; ich verlasse mich darauf. Du mußt zunächst nach dem Königstein reiten und einen Brief an den Commandanten, den Oberst- Lieutenant von Crux, abgeben. Der Brief liegt ausgefertigt und couvertirt in der Canzlei, wo Du ihn in Empfang nehmen kannst. Der Commandant wird Dir dann Briefschaften übergeben, zugleich versiegelte Verhaltungsmaßregeln für Dich. Wenn Du morgen, Dienstag, abreiseft, so kannst Du schon Mittwoch auf dem Königstein sein. Hörst Du, es ist von der größten Wichtigkeit, daß der Brief Mittwoch abgegeben wird?" „„Ich werde den Befehlen Eurer Majestät pünktlich Nachkommen."" „Du wirst die Reise wohl zu Pferde mache« müssen. Denn für einen Wagen ist die Auffahrt auf den Königstein zu beschwerlich. Ziehe Dich pur warm an, Behrend! Hast Du den Pelz noch, den ich Dir in Polen geschenkt habe?" „„Nein, Majestät. Dieses kostbare Andenke« an Eurer Majestät Königliche Huld ist mir leider gestohlen worden."" Wiederum wechselten der König und die Gräfin einen Blick des Einverständnisses. „Vom Königstein aus," sagte der König lächelnd, „wirst Du eine sehr weite Reise antrete« müssen. Du wirst alles Nähere auf dem Königstein erfahren. Es wäre mir lieb, wenn Du allein reisen würdest." „„Darf ich nicht einen Diener mitnehmen?"" „Ja, aber Du mußt ihn am Königstein unten warten lassen. Du kennst ja die Einrichtung, daß in die Festung nur ein Mann eingelassen wird." „Fürchtest Du Dich nicht vor dieser Reise?" fragte die Gräfin. . „Gnädigste Gräfin, ich vertraue auf Gott, meinen allmächtigen Beschützer; Er wird mir Seine Engel senden zu meinem Schutze."" Die Gräfin lachte. „Hast Du," fragte sie, „schon solche geflügelte Engel vom Himmel hermederschweben sehen?" „„Gnädigste Gräfin, die Engel, die ich meine, das sind die Gebote unseres Gottes. „Es lagern die Engel Gottes rings um die, so Ihn fürchte« und retten sie." Das ist das Gotteswort, das ich mir um die Stirne und um den Arm winde, das sind die Schaufäden an meinem Gewände. Jedes Gottesgebot, das wir erfüllen, ist solch ein Engel, der uns schützt."" „Wenn Du von dieser Reise wiederkömmst, Behrend," sagte die Gräfin lachend, „dann sollst Du mich in Deiner Religion unterrichten, dann will ich Jüdin werden." „Behrend," fragte der König, „es ist diese Woche ein Jude in orientalischem Kostüm in Deinem Hause gewesen. Hat er Dir nichts erzählt vom SÄwedenkönige, der sich jetzt bei den Türken aufhält?" „„Majestät, das war ein armer Jude aus Jerusalem, der nichts wissen konnte vom Schwedenkönige in Bender."" „Es ist gut, Behrend. Laß Dir den Brief geben in der Kanzlei, und Mittwoch, hörst Du, Mittwoch muß der Brief auf dem Königstein abgegeben werden."

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