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Der Israelit · 1877-06-27 · Heft 26 (27.6.1877) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 26 (27.6.1877)
Date
1877-06-27
Page
– (sequence 19)
Language
German
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617 das Irrige der hier durch den obligatorischen Religionsunterricht in Aussicht gestellten socialen und politischen Vortheile um so entschiedener p?otestiren, als wir gerade im Gegentheil in der Einführung des obligatorischen Religionsunterrichts den Geist der gegenseitigen Duldung und Anerkennung nichts weniger als gefördert erachten. Wie könnte es auch anders sein! Was Die Menschen von einander scheidet ist die Verschiedenheit des religiösen Bekenntnisses. Ist somit Religion die Scheidewand, die den Menschen vom Menschen trennt, so heißt eine Perition um obligatorischen Religionsunterricht, auf Deutsch übersetzt, eine Bitte an den Staat, seine Autorität und seine Macht dazu herzugeben, daß die Kinder von Staatswegen die Berechtigung und die Nothwendigkeit dieser Scheidewände einsehen und beherzigen lernen. Einige Urtheile competenter Fackmänner mögen hier ihren Platz finden. Ein College des preußischen Cultusministers, v. Zedlitz, hat schon vor hundert Jahren in dieser Beziehung die Wirkung des confessivnellen, dogmatischen Religionsunterricht mit folgenden Worten gezeichnet: „Wer ist immer stark und glücklich genug, solchen sinnlosen Unterricht („der dem Menschen Haß und Verachtung gegen andere Menschen einflößt, von eigentlicher christlcher Moral kein Wort") zu verschmerzen und den Schaden, den ihm die Schule that, ganz zu verwinden?"*) „Gibt es für das reine unschuldsvolle Gemüth eines Kindes ein tödtlicheres Gift, als die Lehre von seiner alleinseligmachenden Kirche, seinem alleinseligmachenden Glauben und von den Ketzern da draußen, den ewiglich verdammten! Wenn das nicht schrecklich ist, so gibt es nichts Schreckliches auf dieser Welt. Und sollte das nicht tagtäglich unter uns passiren? Oder wenn jenes Gift (Dank der unverwüstlichen Güte der Menschennatur) weniger schädlich wirkt als man erwarten sollte, was für ein Licht würfe dieser Umstand auf die Beschaffenheit solches Unterrichts!"**) Das mag genügen, um die religiöse Duldung zu beurtheilen, die man nach dem Zeugniß zweier so hocherleuchteter Männer von dem obligatorischen Religionsunterricht erwarten darf. (Forts, folgt). *) Berliner Monatsschrift von Gedike und Biester 1787. X Bände. **) Diestcrweg, Rheinische Blätter. Bd. XXXVJJl, S. 206. Aeilung-nachrichten # Gorrespondenzen. Deutschland. Ems Seit einigen Wochen bin ich dahier in Cour, habe aber noch keine Fleischspeisen genossen, da die hiesige hüth*/ und Restauration in Bezug auf nneo mir nickt genügen. Ich habe zwar einen anw aus Polen bei mir, konnte aber noch kein Haus zum Kochen finden. Es ist gewiß ein nothwendiges Bedürfniß, daß dahier. wo so viele orthodoxe Juden, während der Sommermonate zur Cur sich aufhalten, eine über allen Zweifel erhavene na-ru? und echt koschere Restauration eingericktet werden. Ein "ufruf im „Israelit" und „Libanon" w rd gewiß viele orthodoxen Juden Deutschlands und Polens veranlassen das hierzu nöthige Geld zusammenzulchietzen. Ich habe zu diesem Zwecke anck an die Herren Rabbiner vr. Hildesheimer in Berlin und Hirsch in Frankfurt a. M. geschrieben und erwarte die besten Erfolge. Samuel Mohilewer, Rabbiner in Radum (Rußland). Rees ft. Rh. 17. Juni. Wie heute nwo rvD-np’sso verbreitet werden, möge Folgendes zeigen; Im Verlage der Mayer'schen Hofbuchhandlung zu Detmold erschien 1875 von dem Lehrer und Prediger Blumenau in Bielefeld unter dem P'eudonym „M. B. Leunan" ein Schauspiel „Aden Esra" in 3 Aufzügen. In der Schlußscene, wo die Verlobung des berühmten jüdischen Reisenden Benjamin von Tudela mit dem maurischen Mädchen Amöna von ihrem Herrn Jehuda Halevi befürwortet werden soll, legt der Verfasser Letzterem auf den Einwand seiner frommen Gattin Hulda, daß erwähntes Paar nicht eines Glaubens sei, folgende Worte in den Mund: „Wie? Nicht eines Glaubens? — Haben nicht die Herzen in reiner, frommer Liebe sich gefunden? — Wie Moses, Ehr., oder Muhamed sich in des Glaubens Sätze unterscheiden — darüber mögen die Gelehrten streiten; doch unser Herz bleibt davon unberührt. Wo sich's um unserS Herzens Frieden handelt, da wollen wir nicht grübeln, was unS trennt — nein, was uns einet, danach laßt uns suchen. Und waS uns einet, — ist allein die Liebe." Solche gotteslästerliche Worte soll ein Jehuda Halevi gesprochen haben? Und das wagt ein jüdischer Religionslehrer und Prediger seinen jüdischen Lesern zu bieten? Aus dem 2’2n jnrux mag man nun auf den Anfang und den

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