Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 26 (27.6.1877)
- Date
- 1877-06-27
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2446951-2447695-2447721--13830-2469714- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
608 Entrüstung hierüber Ausdruck gegeben. WaS diesen Gewissenszwang noch um so greller erscheinen laßt, ist, daß, wie in diesem Schreiben des Herrn N. mitgetheilt wird, in hiesiger Garnison zwei Regimenter liegen und es ein Leichtes gewesen wäre, zu den sieben Pfarr- und z oei Ordenspro« zessionen nur katholische, und die jüdischen und protestantischen Soldaten für andere militärische Dienste zu verwenden. R n ut d it t c u. Bukarest, 13. Juni. Ueber die zu Darabani vorgefallenen Gräuelthateu sind der „Israelitischen Allianz" zu Wien von beglaubigter Seite übereinstimmende Berichte zugegangen. Die Entfesselung der Raub- und Mordlust durch die Gutsbesitzerin Cimara und die verübten Grausamkeiten und Gewalttharen werden darin in wahrhaft haarsträubender Weise dargelegt. Einen Lichtblick in dieses düstere Nachtbild gewahrt folgende Episode. Die Plünderungen und zum nicht geringen Theil lebensgefährlichen Mißhandlungen, denen Greise, Weiber, Kinder erbarmungslos anheimfielen, hatten am 3. Juni von 9 Uhr früh bis 6 Uhr Nachmittags unausgesetzt fortgedauert, ohne daß das Einschreiten einer Autorität irgend sichtbar geworden wäre. Schon bereiteten sich die durch Branntwein aufgeregten, entmenschten Horden zu neuen Unthaten vor, als der im Dorfe Scorloteni wohnhafte Sturda, Sohn der Frau Cimara aus erster Che, zum Besuche feiner Mutter einhergefahren kam. Er erblickte die Jammerscenen, unterrichtete sich über das Geschehene und sprang sofort vom Wagen. Er allein, mit einem Revolver bewaffnet, wagte sich in die aufgeregte Menge, jagte die Dienerschaft seiner Mutter auf ihr Raubschloß zurück, Jeden, der ihm nicht Folge leiste, mit Niederschießen bedrohend. Die Bauern, die sich ohne Führer sahen und durch schlagende Argumente Sturda's zur Ruhe gebracht wurden, zerstreuten sich allmählich. Sturda selbst sah man unter den Verwundeten herumgehen, ihnen Trost zusprechen und die erste Hilfe leisten. Wie es heißt, hat er bald darauf das elterliche Haus und Darabani auf Nimmerwiedersehen verlassen. Weiterhin verdient es anerkannt zu werden, daß der erste Transport an Lebensmitteln den Hungernden sowohl von den jüdischen Gutspächtern als auch von den rumänischen Gutsbesitzern der Umgegend in liberaler Weise zugeführt wurde. Der Präfect von Dorohoi, Janeo Rosset, der Jaffyer Sections - Procurator Tasso und der Jnstructionsrichter Toka sind zur Erhebung des Thatbestandes an Ort und Stelle angelangt, und sollen i 48 Bauern, die sich an den Gräueln betheiligte», sowie der Diener, der sie anführte, eingezogen sein. Rußland. Petersburg. In dem Augenblicke, da Rußland alle seine Volker unter die Waffen gerufen hat, ist es vielleicht nicht uninteressant, zusammenzustellen , welche verschiedenen Volksstämme dem Befehl des Kaisers von Rußland gehorchen. Sehen wir uns das Resultat neuerer Zählungen im russisch-n Reiche an. so ergibt sich Folgendes: Das weite Czarenreich beherbergt die folgenden Volksstämme: in Europa (abgesehen vom früher» Königreich Polen) 49 Millionen Russen, 960,000 Polen, 40,000 Bulgaren, 660,000 Deutsche, 47,u00 Griechen, 875,000 Moldauer, 2,340,000 Lithauer, 3,035,000 Finnen, 1,630,000 Juden, 33,500 Armenier, 1,313,000 Tataren, 1,037,003 Baschkiren, 146,000 Kirgisen, 416,000 Kalmücken, 4003 Samojeden, 28.000 Zigeuner, 70,000 Angehörige anderer Nationen. Jnsgesammt beträgt die Einwohnerzahl im europäischen Rußland 61V* Millionen. Im Königreich Polen waren nach der Volkszählung vom Jahre 1863 3,450,000 Polen, 693,000 Juden (es ist dies der stärkste Prozentsatz von Israeliten, der in irgend einem Lande vorhanden ist, nämlich 13 pCt. der gesammten Bevölkerung), 600,000 Russen, 290,00) Deutsche und 285,000 Lithauer. In der Statthalterschaft des Kaukasus wohnen 925,000 Russen, 652,000 Grusier, 560,000 Armenier, 3500 Griechen, 9600 Deutsche, 21.600 Juden., 977,000 Tataren und 898,000 Angehörige verschiedener Völker rc. Ueberdies gab es noch 110,000 Kalmücken. In Sibirien Hausen ca. 2,300,000 Russen (incl. der Verbannten), 7000 Israeliten und 3000 Deutsche. Der Religion nach sind im europäischen Rußland über 51 Millionen Griechisch-Orthodoxe, 801,000 Raskolniken (Armenisch-Katholische), 2,840,000 römische Katholiken. 2,100,000 Protestanten, 1,630,000 Juden, 2,090,000 Mohamedaner, 200,000 Heiden. In der kaukasischen Statthalterschaft und in Sibirien sind die Christen deL Anzahl nach den Mohamedanern nicht sehr viel überlegen. Ihre Zahl beträgt inSgesammi 2,460,000, die der Mohamedaner 1,950,000, die der Juden 21,6000 und die der Heiden 14,760. Dieses große Reich mit seinen 66 Millionen Einwohnern hat nur 36 Städte mit ein-r Einwohnerzahl von über 30,000.