Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 26 (27.6.1877)
- Date
- 1877-06-27
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XVIII. Jahrgang. Erste Beilage zu Ar. 26 des Israelit. Zeitungsnachrichten rrnd Korrespondenzen. Deutschland. Gleiwitz, 8. Juni. In der Voraussetzung, daß tie Angelegenheit unseres verehrten Rabbiners, des Herrn vr. Hirsch selb '"j , auch zu Ihrer Cognition kommen wird, erlaube ich mir diese Zeilen an Sie zu richten, um Ihnen und Ihren geehrten Lesern eine wahrheitsgetreue Darstellung derselben zu geben. Wir hatten eine ziemlich gute jüdische Elementar- und eine höhere Töchterschule. Seit längerer Zeit geht der Vorstand damit um, sie in die christliche Simultanfchuke aufgeh n zu lassen. Durch Machinationen wurde dem Rabbiner das Revisoriat entzogen, so daß derselbe nicht einmal das Recht mehr hatte, sie zu inspiciren, und ihr fern bleiben mußte. Herr vr. H. hat sie in's Leben gerufen und mit Treue geleitet. Sie können sich denken, wie ihn dies schmerzlich berührte. Anfangs als es hieß, es solle eine paritätische Schule gegründet werden, verhielt Herr vr. H. sich ruhig und zustimmend; aber als offen ausgesprochen wurde, es werde eine konfessionelle Simultanschule, wobei den Juden nur Concessionen gemacht werden , für zwei Stunde' am Sabbat und Dispens vom Schreiben aus Wunsch der Eltern, trat der Rabbiner dagegen auf, sprach 4 bis 5 Mal dagegen und beleuchtete endlich am letzten Peßachfeste die religiösen Bedenken, die sich Herausstellen müssen; wie die Jugend ganz dem Glauben entfremdet wird. Die Lesebücher haben einen ganz ausgeprägten Charakter für die Dogmen des Christenthums, die beiden Confessionen gemein sind re. rc. Der Vorstand wag wohl schon seine Beschlüsse gefaßt haben, aber sie waren noch sehr leicht zu redresfiren durch wenige Zeilen. Herr l)r. H. hat in seiner Rede keine Person beleidigt und angegriffen, das ist seinem Wesen fremd, und hat derselbe in seinem fast;.0jährigen Lehren hier, wiewohl er jeden Sabbat spricdt, nur ein einziges Mal ein Monitum darüber bekommen, daß sich ein Vorstandsmitglied verletzt suhle; es war damals vor 8 Jahren auch nur ein Mißverständniß durch einen Satz aus dem Zusammenhang gerissen. Auch jetzt sprach Herr vr. H. nur über die Sache; aber der Vorstand fühlte sich verletzt, daß der Rabbiner seine Beschlüsse tadeln und die Gemeinde gegen dieselben einnehme, und decretirte in einem maßlos ehrverletzenden Schreiben, daß Herr vr. H^ ihm Inhalt und Thema seiner Reden immer einsenden müsse und seine Genehmigung abwarte, und wenn er sich dem nicht füge, so sei die Kanzel ihm bis Neujahr verboten. Herr vr. H. hat nun rvjr.nr nicht gesprochen. Die Aufregung in der Gemeinde war darüber groß. Es ist auch von den Mitgliedern die Aufforderung an den Vorstand ergangen, das Decret aufzuhrben, es ist aber bis jetzt noch keine Antwort erfolgt. So weit das Factum; ich enthalte mich jeder weitern Bemerkung, und stelle es jedem Unbefangenen anheim, das Versahrn des Vorstandes zu beurtheilen. (Bemerkung der Red.: Zur Orientirung unserer geehrten Leser fügen wir hinzu, daß Herr vr. Hirsch feld ein allgemein geachteter, wissenschaftlich gebildeter Mann ist. Derselbe hat im Jahre 1856 ein Werk herausgegeben, „Ueber das Wesen und den Ursprung der Religion," dem vielfach Anerkennung zu Theil geworden. Und mit solch' einem Manne, weil er mit Energie für die religiöse Erziehung der Jugend eintritt, gehen die Herren Vorsteher um, wie mit einem Schulbuben! Es ist das ein trauriges Zeichen der Zeit! Aber die Gemeinde zu G. sollte sich nicht passiv verhalten und für ihren Rabbiner eintreten. Als vor mehr als vierzig Jahren ein neologer Vorstand dem hiesigen Kreisrabbiner Leo Ellinger die Kanzel entziehen wollte, da proteftirte die Gemeinde so energisch dagegen, daß der Vorstand seinen Ukas zurückziehen mußte.) Metz. Durch kaiserliches Decret wurde Herr Lion Grumbach, Mitglied des iSrael. Consistoriums, zum Bürgermeister der Stadt Saargemünd ernannt. (Un. Jsr) , Frankreich. Montpellier. In hiesiger Garnison liegen die algerischen Freiwilligen, ein Truppentheil. welcher meistens aus Juden und Protestanten besteht. Diese Freiwilligen wurden zu der letzten Frohnleichnamsprozession als Eskorte commandirt und mußten mehrmals vor den Heiligenbildern ni.derknien und die Waffen präsentiren. Welcher Gewissenszwang in diesem Act der Intoleranz liegt, haben wir schon des Oeftein hervorgehobcn. Herr Vidal Naquet hat in einem längeren Schreiben an die , Üepubligue de Midi" seine