Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 26 (27.6.1877)
- Date
- 1877-06-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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604 meindeverhältnissen streng beobachtet werden muH, vnd was dem Einen gestattet worden ist, dem Andern nicht untersagt werden darf, so ist gar nicht abzufehen, zu welchen ähnlichen Zumuthungen und zu welchen Zwistigkeiten die fraglichen Orden Veranlassung geben könnten. c. Daß die vorstehend erwähnten Religionsgesetze auch in der Praxis bisher beobachtet worden sind, beweisen alle alten Synagogen, denn von allen gelehrten und verdienstvollen Männern Israels der Vorzeit, deren Andenken so hoch in Ehren ge^ halten worden ist, findet man in keiner Synagoge einen Namen ausgezeichnet, ein Andenken ooer Erinnerungszeichen. Nur eine Abweichung ist herkömmlich (:n.3E) gestattet, nämlich daß demjenigen, der einen zum Synagogengedrauch oder zum Ausschmücken der Synagoge verwendbaren Gegenstand freiwillig schenkt, es unbenommen bleibt, seinen Namen auf den gespendeten Gegenstand zu verzeichnen , jedoch ist auch hierzu die Genehmigung oder deren Vertreter erforderlich, (jo-d njn mi» (.'j jc’o p~iy nos n"w ,ödi d. Wenn Moscnthal auf das in der Casseler Synagoge aufgehängte Verzeichnis; von Kriegern, die für das Vaterland gekämpft haben, sich bezieht, so darf nicht außer Acht gelassen werden, daß bekanntlich die fragliche Tafel auf Anordnung der zuständigen weltlichen Behörde aufgehängt worden ist, und daß, wenn man dem Patriotismus der Krieger eine solche Auszeichnung widerfahren ließ, tun den patriotischen Sinn der Gemeinde und besonders der Jugend anzuregen und zu kräftigen, es um so mehr bei der ersten Ausnahme sein Bewenden haben könne. als im vorliegenden stalle kein Grund für eine zweite Ausnahme vorhanden ist. e Die allgemeine Regel non v-q-j ü”pt> myo, d. h. „man soll suchen, die Anordnung eines Verstorbenen zur Ausführung zu bringen," (niairo '’D üBtro ]e-n ,üo?p) kann hier nicht in Betracht kommen, weil die fragliche Anordnung mit den bestehenden Rcligionsgesetzen und Gebräuchen collidirt (n"ctf pro njn mr>) und Mosenthal hierin gar kein Fug und Recht zustand. Schenklengsfeld (Kurhessen). Dienstag n'-> fand hier eine erhebende Feier stakt, die der Erwähnung in diesem geschätzten Blatte würdig ist. Die Chebrah-Bechurim feierte das Fest ihres fünfzigjährig-n Bestehens. Bevor wir die Feier an und für sich schildern, wollen wir erst den Zweck des Vereins etwas näher beleuchten. Die Chebrah zählt ungefähr 20 Mitglieder, die sich jeden rzv und z-d rr versammeln, um rn\n zu hören. Tie Vo'trage hält Herr Srstro. dessen tiefe Gelehr an-keit schon von vorzüglichen jüdischen Autoritäten anerkannt worden. Er versteht e8r die Zuhörer zu fesseln und so den Geist deS wahren Judenthums in unserer Gemeinde aufrecht zu erhalten. Der weitere Zweck des Vereins ist, den verschämten Armen aus die zarteste Weise zu unterstützen und hat er (der Verein) schon manche Thräne getrocknet, manch gebeugtes Gemüth wieder aufgerichtet; ferner nib'vt zu üben als D'^n *-.ip3 und rvpDj/nn mit omo. Gott sei Dank es stehen auch Männer an der Spitze, die unserer Gemeinde zur wahren Zierde gereichen. Als erster Vorsteher entfaltet der sehr verehrte Herr Hirsch Weinberg eine rührige Thätigkeit. Die allseitige Liebe und Achtung, die ihm von Seiten der Gemeinde entgegengetragen wird, ist ein untrügliches Zeugnis; der Würdigung seiner Leistungen, ein warmes Anerkennen der Verdienste um die segensreich wirkende man. Ihm zur Seite steht der Vorsteher und Mitbegründer des Vereins. Herr Auscher Löwenberg, dessen Haupt zwar die Silberkrvne zieret, dessen sprudelnder Humor jedoch die Jugend des Geistes erkennen läßt. Es würde zu viel Raum beanspruchen, wollten wir die biederen Männer all anführen, die dem Vereine als Mitglieder angehören. Gehen wir zur eigentlichen Feier über. Nach Beendigung des Mvrgengortesdieustes versammelten sich die Vereinsmitglieder in dem schön restaurirteu Lokale der Frau Karotine Plaut. Eine allgemeine heitere Stimmung herrschte, und selbst der Himmel schien sich ob des Festes zu freuen, kein Wölkchen trübte den Horizont. — Mittags ] Uhr versammelte man sich rn der Synagoge. Herr Landrabbiner Or. Kroner zu Stadtlengsfeld, der zu diesem Zwecke berufen, hielt die Festrede. Wer vermag die Gefühle zu schildern, die der Redner durch seinen hinreißenden von echt jüdischem Geiste getragenen Vortrag in dem Herzen der zahlreichen Anwesenden — unter denen viele Nichtjuden — wachrief. Die Fülle der Gedanken, die mannigfachen Citate. die schwungreiche Sprache zeugten von dem eminenten Wissen des in weiten Kreisen berühmten Redners. Nach Beendigung des Gottesdienstes begaben sich die Festgenossen in erwähntes Lokal, um auch dem Magen die frohe Stimmung zu geben, die das Herz bereits eingenommen hatte. Man würde uns mit Recht des Undankes zeihen, wollten wir nicht der vortrefflichen Küche lobend gedenken. Toaste und min ’->:n gesagt von Herrn Landrabbiner und von Herrn Spiro gaben dem Mahle die schönste Würze. Erst gegen 12 Uhr, Nachts, trennte man sich, mit dem Bewußtsein, eine erhebende Feier begangen zu haben, die recht lange in angenehmer Erinnerung bleiben wird.