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Der Israelit · 1877-06-20 · Heft 25 (20.6.1877) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 25 (20.6.1877)
Date
1877-06-20
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XY1IL Jahrgang. Erste öcilage zu Nr. 25 des Israelit. 13. Juni. Heute Vormittags, 10^/2 Uhr, hat das Großherzogthum Hessen, unser engeres Vaterland, seinen geliebten Landesvater, den Großherzog liiidwig Ol., durch den Tod verloren. Der Heimgegangene erreichte ein Alter von 71 Jahren und regierte 29 Jahre. Wir betrauern in Ihm den gerechten und edlen Landesfürsten, den liebevollen Vater seiner Unterthanen. Von jeher war das Hessische Regentenhaus den Juden wohlgesinnt; auch Ludwig III. folgte hierin den Traditionen seiner Ahnen. Seinen eigenen Ae..ßerungen gemäß liebte er die Juden und erkannte ihnen das Prädikat „der Treue" zu. Zahlreiche Unterstützungen, welche jüdische Arme aus seiner Privatkasse erhielten, zahlreiche Beweise von Huld und Gnade, die Er Juden zu Theil werden ließ, bekunden das hinlänglich. Ludwig III. liebte alle seine Unterthanen, uud die durch die Verfassung unseres Landes gewährte Gewissensfreiheit war . Ihm ein unantastbares Herligthum. Zu einer Zeit, als das bayrische Matrrkelgesetz viele bayrische Israeliten zur Auswanderung zwang, fanden diese im Großherzogthum Hessen eine Heimath, die ihnen im übrigen Deutschland versagt wurde; der verewigte Großherzog ertheilte jedem unbescholtenen fremden Israeliten, der sich im Großherzogthume niederlassen wollte, in huldvollster Weise das Jndigenat. Dadurch hat Er das Glück von vielen Hunderten israelitischer Familien begründet. So möge Ihm denn der himmlische Lohn zu Theil werden nach der erhabenen Lehre des Judenthums: *0,1 ppn cn1? L" oSyn mow ’tdh „Die Frommen aller Nationen haben Antheil an der zukünftigen Welt." Unser nunmehriger Großherzog, Seine Königliche Hoheit, I^udwig IV«, ist ebenfalls von den gnädigsten Gesinnungen für unsere Glaubensgenossen beseelt. Er war es, der im deutsch-französischen Kriege als commandirender General auf die Bitte und den Vorschlag des Herausgebers dieser Blätter Herrn Rabbiner vr. Ehr mann, gegenwärtig in Cassel, zum Feldrabbiner für die Hessische Division ernannte. Möge Gott Ihn segnen und Seine Regierung zu einer glorreichen und glücklichen gestalten. Zeitirugsrrachrichten und Correspondenzen. Oesterr.-Ungar. Monarchie. WiFN, 11. Juni. Das moldauische Dorf Darabenr, wo neulich die große Judenverfolgung stattfand, erhielt eine Strafbesatzung; die Schuldtragenden werden strafgerichtlich verfolgt. Feuilleton* Aus dem Mittelalter. Von Friedrich Rott. XIX. Wiederum waren Jahre vergangen, Hanna's Schönheit hatte sich nun vollständig entfaltet; staunend betrachtete Jeder die holde blühende Jungfrau, nur sie selbst hatte keine Ahnung von ihren Reizen, und diese Unbefangenheit verlieh ihrer Erscheinung nur um so größerer Anmuth. Simon hatte recht, wohl glich sie ihrer verstorbenen Schwester, doch war sie schöner, noch weit schöner als Leah. Jetzt endlich hielt er den Zeitpunkt für geeignet, sie über ihr wahres Verhältniß zu ihm aufzuklären und ihr zugleich mitzutheilen, daß er sie als seine Verlobte betrachte. Daß sie gegen diese Bestimmung Einwendungen erheben könne, kam ihm nicht in den Sinn, denn er wußte ja, wie sehr sie ihm zugethan. Trotzdem, trotz seiner glühenden Sehnsucht, sie möglichst bald zu' besitzen, verschob er seine Erklärung von Tag zu Tag. So wenig Schüchternheit sonst in seinem Charakter lag, Hannas Anmuth übte einen Zauber auf ihn, der Niemandem

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