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Der Israelit · 1877-06-20 · Heft 25 (20.6.1877) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 25 (20.6.1877)
Date
1877-06-20
Page
– (sequence 8)
Language
German
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580 der reichste Monarch werden. Millionen ohne Zahl stehen Dir in Aussicht!" „„Jakob,"" sagte der König ängstlich, „„bist Du verrückt geworden?"" „Nein, Herzensbruder, nein, mein geliebter König, ich bin so vernünftig wie jemals, so vernünftig wie Du. Tu hast doch von dem Mönch Laskaris und seinem Schüler Böttger gehört?" „Der die Goldmacherkunst erfunden haben soll?" „„Erfunden hat! Laskaris ist aus Berlin verschwunden» Böttger ist entflohen, König Friedrich hat eine ganze Compagnie Soldaten nachgefchickt, um ihn einzufangen' Böttger ist in Wittenberg angekommen, wo ihn der Commandant hat in Sicherheit bringen lassen." „„Aber wir werden ihn an Preußen abliefern müssen!"" „Nicht doch; er ist sächsischer Unterthan; er ist in Schleiz geboren/' August sprang von seinem Sitze auf. „„So gehört'er uns!"" rief er. „Er gehört uns." „,,O sprich, erzähle! Was weißt Du Näheres?*" „Der Mönch Laskaris von der Insel Mitylene, ein alter Mann mit schneeweißem Barte, ist plötzlich in Berlin aufgetaucht; er brachte ein Empfehlnngsschrciben des Patriarchen von Constantinopel. Die Gelehrten der Brandenburgischen Hauptstadt prüften ihn und fanden, daß er der griechischen Sprache vollkommen mächtig sei. Dieser ehrwürdige Geistliche, welcher Geld sammelte, um christliche Gefangene aus der Sklaverei zu befreien, gab m hr Geld an die Armen in Berlin, als er kinnahm. Dies siel allgemein auf, und man beobachtete ihn sorgfältig. Da bemerkte man, daß cr viel mit einem Apothekerlehrling, Namens Böttger, verkehrte. Der Apotheker brachte die Ingredienzien in den Gasthvf; dann schlossen sich die beiden ein und laborirten mitsammen. Bei dieser Gelegenheit haben sie den Stein der Weisen gefunden. Aber der juuge Mensch konnte sein großes Geheimniß nicht für sich behalten. Zu oft von den andern Lehrlingen, den Provisoren, den Stößern, kurz von allen seinen Bekannten verspottet , wollte er endlich einen Triumph über sie j feiern. Vor ihren Augen verwandelte er einen zinnernen Knopf, den er sich vom Rocke abschnitt, in einen goldenen. Sein Principal, der Apotheker, ließ den Knopf vom Goldschmied untersuchen - es war pures, echtes Gold. Gleichzeitig war Laskaris verschwunden, kein Mensch weiß, wohin er gekommen. König Friedrich gab Befehl, den Apotheker-Lehrling in Gewahrsam zu bringen, doch dieser entfloh und entkam glücklich nach Wittenberg." „„Woher weißt Du das Alles so genau?"" „Das Letztere durch einen reitenden Boten, welchen Herr von Nyffel, der Commandant von Wittenberg, hersandte; alles Uebrige hat Herr von Bülow, unser Gesandter in Berlin, berichtet." „„Und glaubst Du, daß das Alles so wahr ist?"" „Würde sonst wohl der König von Preußen eine ganze Compagnie Soldaten ausgeschickt haben, um einen Avotheker-Lehrling zu fangen?" ,. „Flemming, es kömmt mir vor wie ein Traum. Die Kunst, nach welcher man Jahrtausende lang vergeblich geforscht, soll endlich gefunden sein! Und mir, mir soll sie zu Gebote stehen! Jetzt wird die ganze Welt mir gehören. Nichts wird uns zu kostbar sein! Alle Genüsse, alle Schätze gehören mir. Ob der Adept auch zugleich das Lebens Elexir erfunden, das alle Krankheit verbannt und das Leben um Jahrhunderte verlängert? Das Mittel, durch Kunst unedle Stoffe in Gold zu verwandeln, soll ja auch dem Körper unwandelbare Gesundheit, dem Geist unzerstörbare Spannkraft verleihen!"" „Ich bitte Dich. August, sei nicht zu sanguinisch. Begnügen wir uns fürs Erste mit dem, was uns in sicherer Aussicht steht. Was soll ich nach Wittenberg schreiben?" „„Man soll den Adepten unter sicherer Bedeckung hirrherbringen. Jetzt kann ick den Juden entbehren und Anna den Gefallen thun ihn fortzuschicken!" Ein Lächeln des Triumphes glitt über das Antlitz des Ministers. Er verabschiedete sich beim Könige; er fuhr nicht sofort in sein Palais, sondern begab sich zunächst in das Haus des Grafen Vitzthum, wo Fürst Lubom'rski wohnte, um diesem zu sagen, daß es jetzt Zeit sei, das verabredete Rencontre mit dem Residenten in Scene zu setzen. Als der Minister wieder in den Wagen stieg, sprach er frohlockend: „Jude, Dein Stern geht unter!" (Fortsetzung folgt). Hierzu vier Beilagen. Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbnchhandlung. I. Gottsleben's Buchdruckcrei in Mainz (Mainzer Anzeiger).

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