Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 25 (20.6.1877)
- Date
- 1877-06-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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579 sich aber, nach seines Vaters Tode zum zweiten Male verheirathet und war nach Magdeburg gezogen. In Berlin fand der junge Böttger große Aufmunterung zu alchemystischen Versuchen bei einem Freunde seines PrincipalS. Namens Künkel, unter dessen Aegide alle möglichen Substanzen gemischt und geschmolzen wurden. Da kam ein geheimnißvoller Fremder nach Berlin, der sich Laskaris nannte. Er behauptete, Archimandrit eines griechischen Klosters auf der Insel Mitylene zu sein und führte ein Beglaubigungsschreiben des Patriarchen von Constantinopel' bei sich; der angebliche Zweck seiner Reise war, Almosen zu sammeln, um in türkische Gefangenschaft gerathene Christen loszukaufen; die Fama aber behauptete, daß Laskaris mehr Geld verschenke als einfammle. Lascaris kam in die Schwanen-Apotheke, um Antimonium zu kaufen und lernte hier den jungen Böttger kennen, er fand Gefallen an dem Jüngling und lud ihn ein, ihn in seinem Gasthofe zu besuchen. Hier offenbarte er sich dem jungen Mann als Adept und versprach ihm, ihn in die Geheimnisse der ersehnten Kunst einzuweihen. Was Böttger bei Laskaris gelernt und wer dieser Laskaris eigentlich war, das hat Niemand erfahren. Allgemein wurde früher geglaubt, daß der Mönch seinem Schüler ein Fläschchen von Goldbereitungs - Elexir im Werthe von 80.000 Thalern geschenkt habe, daß also Laskaris selbst im Besitze des Geheimnisses gewesen sei; allein, seitdem die neuere Chemie nachgewiesen, daß das Gold ein einfacher Stoff ist, ist man allgemein von der Ansicht zurückgekommen, daß die Herstellung eines derartigen Elexirs im Bereiche der Möglichkeit liege. Genug, Böttger gab seinem Prinripale und dessen Hausleuten eine Probe seiner Kunst. Er füllte einen kleinen Schmelztiegel mit allerlei Stoffen: Mercur, Blei, Messing, Kupfer und dergleichen an; dann that er noch einen Zinnknopf hinzu, den er sich von seinem Nocke abschnitt. Nun setzte er den Schmelztiegel einer starken Gluth aus und bestreute den schmelzenden Inhalt mit einem rothen Pulver. Nachdem er die geschmolzene Masse mit einem eisernen Stiele umgerührt hatte, goß er sie auf der eiserne Herdplatte aus — und siehe da der zinnerne Knopf war in einen goldenen verwandelt. Herr Zorn, der Besitzer der Schwanenapotheke, ließ den Knopf von einem Goldschmiede untersuchen — es war echtes, reines, gutes Gold. Später hat man behauptet, daß Laskaris diesem Gvldknopfe durch sogenanntes Mützenpulver das Aussehen von Zinn gegeben hätte und daß sich dann Böttger diesen angeblichen Zinnknopf an seinen Rock genäht habe. Damals aber dachte Niemand an dergleichen; die Nachricht von dem gelungenen Versuche des jungen Aphothekerlehrlings durcheilte schnell ganz Berlin und drang selbst bis zum Könige Friedrich l , denselben, den wir im Eingänge unserer Geschichte als Kurfürsten kennen gelernt haben und der sich inzwischen zu Königsberg in Preußen die Königkrone auf das Haupt gesetzt hatte. Als der König von dem jungen Goldmacher vernahm, befahl er, ihn gefangen zu nehmen, damit seine Kunst dem Staatsschätze zu Gute komme. Böttger aber wurde zeitig genug gewarnt und entfloh. Unter tausend Gefahren entkam er über die Grenze nach Wittenberg , das damals noch kursachsisch war. Fast gleichzeitig mit ihm kam eine Compagnie preußischer Soldaten in Wittenberg an, welche den entlaufenen Apotheker-Lehrling unter dem Vorgeben, derselbe habe einen werthvollen Diamantring gestohlen, requiriren sollte. Ader gerade dieses auffällige Verfahren, daß eine Compagnie Soldaten erschien, um einen Dieb zu verhaften, erregte Verdacht. Der Commandant von Wittenberg ließ Böttger vor sich führen. Dieser prolestirte auf das Heftigste gegen die wider ihn vorgebrachte Beschuldigung; auch habe der König von Preußen, sagte er, kein Recht an ihn. da er nicht in Magdeburg, sondern in Schleiz geboren, also kein Unterthan des Königs von Preußen sei. Unterdessen hatte auch der °Commandant von Wittenberg, Herr von Ryffel, von dem Gerüchte vernommen, daß der blasse, siebenzehnjährige Jüngling ein Adept sei und die Goldmacherkunst verstehe. Er beschloß daher, den jungen Mann nicht anszuliefern. sondern über den Vorfall nach Dresden zu berichten. Graf Flemming arbeitete in seiner Kanzlei, als ihm die Zuschrift des Herrn von Ryffel gebracht wurde. Auch zu ihm war schon das Gerücht von der in Berlin gemachten Entdeckung gedrungen; nun war das Huhn, das die goldenen Eier legen sollte, aus Preußen hinweggeflogen und hatte sich in Sachsen einfangen lassen. Augenblicklich fuhr der Minister zum Könige. Ec traf den König im Schloßgarten beim Schießen nach der Scheibe, in welcher Kunst August Meister war. „Majestät," bat der Minister, „ich wünsche in einer dringenden Angelegenheit eine geheime Audienz." Der König ging mit ihm irsts Schloß. „August," rief Flemming, als sie allein waren, denn auch er redete seinen Herrn mit „Du" an, wenn er ihn ohne Zeugen sprach, „August, ich wünsche Dir Glück. Dein Glücksstern übersteigt alles bisher Dagewesene. Du wirst nicht allein der Schönste, Stärkste, Prächtigste, Du wirst auch