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Der Israelit · 1877-06-20 · Heft 25 (20.6.1877) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 25 (20.6.1877)
Date
1877-06-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
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578 Wie auch die jüdischen Insassen deS genannten Städtchens stehen mit dem Grundeigenthümer Ciumara in einem jener LebenSverhältniffe, deren Abwickelung durch specielle Gesetze geregelt, im Zuge ist, die aber schon an vielen Orten zu Pro-' ressen zwischen den Grundeigemhümern und den sich ablösenden Insassen geführt hat. Letzteres war auch hier der Fall und schon seit der längsten Zeit herrschten zwischen den Juden und dem genannten Besitzer ernste Zerwürfnisse, die wlederholt die Intervention der Behörden nothwendig gemacht hatten. — Am jüngftverflossenen Montage, 3. Juni, kam die Gattin Ciumsra's von ihrer Besitzung um die 8. Morgenstunde nach Darabana; sie saß in einer offenen Kutsche, hielt zwei Revolver in den Händen, hatte zwei mit langen Pistolen und Iatagans bewaffnete Arnauten vorne auf dem Kulschbock und fuhr durch das ganze Städtchen, wo es eben wegen des Wochenmarktes von Bauern aus den umliegenden Dörfern wim» melte. Die Dame rief laut und vernehmlich den Bauern zu, sie sollten über die Juden herfallen, sie schlagen, sie tödten und sich dann die Habe derselben als Belohnung theilen. Hinter ihrer Kutsche fuhr ein Gutsverwalter Ciumara's, der mehrere Füßchen Branntwein auf seinem Wagen hatte, die alsbald auf der Straße abgeladen und den Bauern gespendet wurden. Jeder konnte unentgeltlich trinken, so viel er wollte und so viel er vermochte. Die Dame hatte auch 20 Griechen von ihrem Gute mit sich gebracht, welche die Bauern ebenfalls, uufhetzten und sich — nachdem der Schnaps seine Wirkung gethan hatte — an die Spitze derselben stellten und über die Juden herfielen. Vierhundert jüdische Häuser wurden ganz ausgeplündert. Die Waaren aus den Buden der Juden wurden auf Bauernwagen geladen, alles Geld, Silberzeug, Schmuck geraubt, die Bücher und Schriften verbrannt oder zersetzt, alle Juden ohne Ausnahme, chatsächlich mißhandelt, Weiber, Greise nnd Kinder nicht ausgenommen; Vielen wurden durch die Mtagans der Arnauten die Sehnen Durchschnitten; die Synagoge wurde erbrochen, alle darin befindlichen geheiligten Gegenstände wurden auf die Straße geschleppt, unter dem Gejohl der desoffenen Meute mit Füßen getreten und in tausend Stücke zertrümmert. Der Werth der ge>andren Waaren, Gerd- und sonstigen Weithi'achen wird aus mindestens 60,000 Dukaten veranschlagt. 400 Familien sind obdach- und brodlos geworden. Von den nach der Stadt Dorohoiu ins Spital geschafften mißhandelten Juden sind bereits mehrere ihren Wunden erlegen. Nachdem der traurige Akt vollbracht war, erschienen der Präsekt und der Prokurar aus der Stadt Dorv- | hoiu, nahmen mehrere Verhaftungen vor und lei- : teten sofort die Untersuchung ein. Die Regierung j ist tief zu beklagen. Sie, von den schwersten i Sorgen in Anspruch genommen, kann für diesen! Fall nicht verantwortlch gemacht werden. Sie! wird sicherlich auch jetzt die strengste Justiz walten j lassen und vergüten, was nämlich noch vergütet werden kann.! — Der Berliner Zweigverein der „Alliance! Jsraelite" berieth gestern, wie wir hören, über die! angesichts der Judenverfolgungen in Rumänien j treffenden Maßregeln. Es wurde eine Eingabe! an das auswärtige Amt des Deutschen Reiches j beschlossn, mit dem Ersuchen, betreffs der Gräuel-! thaten an maßgebender Stelle in Bukarest vorj stellig zu werden. Feuilleton. Der Königliche Resident. (Eine historische Erzählung.) xxvn. „Wenn einmal die Kunst erfunden würde, aus Blei Gold zu machen!" so hatte der König im Scherze gesagt, und siche da, es schien, wie wenn das Scherzwort des Königs sich erfüllen sollte. Die Alchemie oder die Kunst, ans gewöhnlichen und häufig vorkommendcn Stoffen, Gold! zu machen, wurde in damaliger Zeit vielfach gepflegt. Die Wahrnehmung, daß beim Zusammenschmelzen verschiedenartiger Metalle ganz anders gefärbte Massen erscheinen, hatte die Menschen aus den Gedanken geführt, aus den so häufigen unedlen Metallen die seltenen, edlen, und namentlich Gold herzustellcn. Das nannte man, den Stein der Weisen suchen Viele Jahrhunderte batte man j ihn vergeblich gesucht; da, endlich zur Zeit unse-! rer Er.ählung sollte er entdeckt worden sein. In der Schwanen-Apotheke zu Berlin befand! sich ein Lehrling, Johann Friedrich Böttger, wel-! cher sich fleißig mit der Alchemie beschäftigte und! dessen höchster Wunsch war, ein Meister der Kunst, j ein Adept, zu werden. Er war in Schleiz, im! sächsischen Voigtlande, geboren; seine Mutter hatte

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