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Der Israelit · 1877-06-13 · Heft 24 (13.6.1877) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 24 (13.6.1877)
Date
1877-06-13
Page
– (sequence 18)
Language
German
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566 Es ist wohl nicht nöthig, zu diesen erschütternden Nothschreien ein Wort hinzuzufügen. Unsere geehrten Leser kennen aus den Mittheilungen des Herrn Dr. Neumann die Lage der Armen in jenem einst so gesegneten Lande. Der Nothstand ist permanent; die geringste Störung von Außen — augenblicklich der Krieg — steigert ihn zur Gefahr des Hungertodes. Darum — helfen wir, retten wir! — ' Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 8. Juni. Die hiesige „All. Jsr." erhält von der Czernowitzer Judengemeinde einen Bericht über eine Judenverfolgung in der Moldaustadt Darabany Judenfamilien wurden am 3. Juni ausgeplündert, wobei es Todte und Verwundete gab. Der Schaden beläuft sich aus 80,000 Dukaten. Die Thora-Rollen wurden aus der Bundeslade gerissen und in den Abort geworfen, das Innere der Synagoge demoiirt. Die „All. Jsr." rust Andrassy's Intervention an. Pefth. Nach einem ministeriellen Erlaß sind die isr. Schüler der Gymnasien und Realschulen an bestimmten im Erlasse einzeln aufgeführten Feiertage, theils gänzlich vom Schulbesuche theils blos vom Schreiben, Zeichnen und Rechnen dispensirt; der min m'iw hat keine Gnade vor dem Cultusminister gefunden. Das Beste oder vielmehr das Schlimmste kommt noch. In Bezug auf den Samstag heißt es ausdrücklich, daß die jüdischen Zöglingen an diesem Tage nicht einmal vom Schreiben, Zeichnen und Rechnen dispensirt werden dürfen, da dies gegen den dorgeschriebenen Unterrichtsplan verstoßen würde. Da ist in der That große Gefahr für die . religiöse Erziehung der jüdischen Kinder im Anzug. (Schew. Ach) Schweden. Stockholm, 7. Mai. Bei der vor Kurzem im königl. Schlosse mit dem Kronprinzen abgehaltenen Abiturientenprüfung erntete Herr Rector Valentin (Israelit) ehrenvolle Anerkennung seiner Lehrthätigkeit. Er wurde zur Hoftafel geladen, der König unterhielt sich sehr leutselig mit ihm, ging Arm im Arm mit ihm durch den Saal und trank dann auf sein Wohl mit den Worten: „Ich danke Dir herzlich für Deine Bemühungen um Gustav und hoffe einen gleichen glücklichen Erfolg bei meinen andern Söhnen." (Jsr. Wchschrft.) Asien. In Damaskus ^wollte kürzlich ein Soldat in einem Bazar einen ^)äbel kaufen; um die Klinge zu probiren, hieb er einem vorübergehenden Israeliten den Kopf ab und verwundete einen zweiten. Der Mörder wurde, weil er auf frischer That ertappt wurde, zum Tode verurtheilt. Kaum wurde das Urtheil bekannt, so waren überall Plakate zu lesen, daß für den Fall der Urtbeilsvollstreckung kein Jude oder Christ in Damascus am Leben bleiben würde. Das Urtheil ist deshalb noch nicht vollzogen. (W. Jsr.) FerrtHetorr. Aus dem Ghetto von London. Eine Skizze ron Emil Tuteur. „Greift nur hinein ins volle Menschenleben und wo Jhrs packt, da ist es interessant", ein Wort dessen volle Wahrheit wohl nirgends zur größeren Geltung gelangen kann, als in den mannichfaltigeu Lebensschichten Londons. Ist man ein Bewunderer architektonischer Schönheiten, so bietet das reiche Westend genügende Gelegenheit moderne Baukunst kennen zu lernen, hegt man besondere Vorliebe für Stutzer und Modedamen, so lenke man seine Schritte mit der beginnenden Saison nach dem Sammelplatz der vornehmen Welt, bilden Theater und Concerte den Magnet unserer Vergnügungen, dann haben wir diesen Anziehungen wiederum nach dem Westen Folge zu leisten, wollen wir das Herz des Welthandels schlagen hören, die Stelle sehen, „wo Alles rennet, rettet, flüchtet", dann müssen wir uns in die City drängen. — wollen wir aber einmal einen Blick in das eigentlich jüdische Leben der großen Weltstadt werfen, dann müssen wir uns nach dem entlegeneren Osten bemühen: hier ist das Ghetto von London. Es ist eine kalte regnerische Nacht, aber es scheint als ob der Wind das Feld behaupten und die schwarzen Wolken vertreiben wolle und in der That hie und da blitzen schon einzelne Sternchen durch das finstere Gewölbe. Die City liegt jetzt öde und ausgestorben da; statt des Geräusches und Getöses des Tages geben die leeren Straßen nur das Echo des monotonen Schrittes des „Häschers" in der Gestalt des dunkelblauen Polizei-

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