Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 24 (13.6.1877)
- Date
- 1877-06-13
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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560 nachdem constatirt worden, daß das Geld den früher» Inwohnern des Hauses nicht gehört hatte, daß S. den gefundenen Schatz als sein Eigenthum betrachten dürfe. Herr Sommer spendete zur Erinnerung an diesen glücklichen Fund den Vereinen Jerusalems beträchtliche Gaben. (Jehuda Wiruschalajim.) Feuilleton. Aus dem MilMaltcr. Von Friedrich Rott. XVIII. Endlich, endlich erschien der so heiß ersehnte Augenblick. Rabbi Pineas klopfte seinem Pflegesohne auf die Schulter und fragte, ob erbereit sei; Gabriel sprang auf, die ganze Familie war um ihn versammelt, doch er war nicht im Stande ein Wort des Grußes über seine Lippen zu bringen; hastig ergriff er die Hände der Mutter und preßte sie an sein Herz, dann eilte er dem Vater nach, der die Schwelle bereits überschritten. Gabriel wäre gern geflogen, doch der Rabbi mäßigte absichtlich seinen sonst so raschen Gang, um dem Knaben noch mehr Zeit zu gönnen, sich zu fassen. Sie hatten die Herberge erreicht. „Ich verlasse mich auf Deine Einsicht, auf Deine Besonnenheit, Gabriel; Du bleibst im Nebenzimmer, bis ich Dich rufe, ein übereilter Schritt könnte Deiner leidenden Mutter sehr verderblich werden." Der Rabbi öffnete die Thür des Krankenzimmers und schloß sie äußesst langsam, um dem draußen harrenden Sohn wenigstens einen flüchtigen Blick auf die Mutter zu ermöglichen. Dina fühlte sich heute wohler, doch hatte sie, der gestrigen Anordnung des Arztes zufolge, auch heute das Bette noch nicht verlassen. Rabbi Pineas fetzte sich zu ihr, und als er ihre schmale durchsichtige Hand in der seinen hielt, da fühlte er, daß er sie einst sehr strenge beurthcilt. Wohl konnte er ihr Verfahren auch heute noch nicht entschuldigen, aber er konnte es sich erklären, ohne jene moralische Gesunkenheit anzunehmen, die er ihr einst zugeschrieben. Und wenn er sich vergegenwärtigte, mit welchem Heroismus diese zarte schwache Frau Jahre hindurch Mühsal und Beschwerde ertragen, dann glaubte er, daß sie vieles bereits gesühnt und er begann, sich als ihren Schuldner zu betrachten; hätte er damals dem dringenden Wunsche des Kindes entsprochen und sie von seinem Aufenthalt bei ihm in Kenntuiß gesetzt, alles wäre anders gekommen. Freilich mit Bestimmtheit ließ auch dieses sich nicht behaupten, dem Anscheine nach würde ihr Vetter jede Nachricht für sie aufgefangen haben. Doch gleichviel, Rabbi Pines wünschte, er hätte es wenigstens versucht, sie zu benachrichtigen. In seiner gewöhnlichen freundlichen Weise hatte er bald das Vertrauen der Kranken erlangt, und es bedurfte nur einer leisen Aufforderung und Dina selbst berichtete ihm die Hauptmomente ihres unglücklichen Geschickes^ Der Rabbi schüttelte das Haupt. „Aber, sagt mir, wo ist denn jenes Kind, für das Ihr so viel geopfert?" Mit thränenerfüllten Augen berichtete Dina, was sie von Alexander über das vermeintliche Ende ihres Kindes vernommen. Forschend ruhte der Blick des Arztes auf ihr. „Wer hat Euch die Nachricht von dem Tode Eures Kindes überbracht?" „Alexander, mein Vetter." „Derselbe, der Euch durch die trügerische Mittheilung von dem Ableben Eures Gatten so unsägliches Elend bereitet?" „Derselbe." „Seltsam, seltsam." „Was findet Ihr so seltsam, Herr?" fragte Dina schüchtern. „Es scheint mir eigenthümlich, daß beide Trauerbotschaften Euch durch eine und dieselbe Person zukamen." „Das war wohl ganz natürlich," versetzte Dina, „Alexander war ja' der Einzige, mit dem ich verkehrte." „Und hatte Euch daher vollständig in seiner Hand." „Leider, leider, ich war ja wie mit Blindheit geschlagen." „Wie. das seht Ihr ein. ja ihr seit sogar überzeugt von der absichtlichen Fälschung der einen Nachricht, die Euer Vetter Euch überbracht und dennoch ist es Euch nie in den Sinn gekommen, daß es möglicherweise auch mit der andern nicht ganz richtig?" „Ach, damit hat es ja eine ganz andere Bewandniß. Von Natur aus war Alexander nicht bös, mein Kind liebteer, als wäre es sein eigenes gewesen; aber meinen Mann haßte er, weil er ihm im Wege stand. O, diese unselige Leidenschaft, die ihn zum Wahnsinn getrieben, denn nur im Wahnsinn konnte er solche Frevel ersinnen. Doch aus diesem Frevel hoffte er Vortheil zu erringen, welchen Nutzen aber konnte es ihm bringen, daß ich mein theures Kind beweinte?"