Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 24 (13.6.1877)
- Date
- 1877-06-13
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XVIII. Jahrgang. Erste Leilage jit Nr. 24 -es Israelit. Zeitungsnachrichten nnd Correspondenzen. Deutschland. Würzburg. Der „Israelit" Nummer 16 veröffentlicht einen Brief des Herrn Benjamin Hirsch aus Halberstadt an Herrn Lewes Emanuel in London, enthaltend Vorschläge zur Verbesserung der Lage d'.r Israeliten im heil. Lande. Jeder Vorschlag eines Gliedes der Familie Hirsch in Halberstadt verdient besondere Beachtung, weil diese Familie bekanntlich von jeher eine Zierde des orthodoxen Judenthums bildet, weil da sich rönji nun so schön vereinigen und deßhalb auch Jeder wünschen muß naa» imoa. Diese Vorschläge sind aber noch mehr zu beachten und fordern noch mehr zum Nachdenken auf, weil von dieser ehrenhaften Persönlichkeit eine für das Judenthvm hochwichtige Sache vertreten wird. Ich erlaube mir auch deßhalb eine diesbezügliche erörternde Diskussion zu eröffnen und glaube eine gewisse Berechtigung hiezu zu haben, weil ich schon seit 43 Jahren in direkter Füh unq mit stehe. Mein Schwager, b": pndjpj?3 n'V'o, wanderte nämlich schon vor 43 Jahren mit Mutter, Frau und fünf Kindern nach 21 "in c^Brrv aus, und ich finde es für sachdienlich, diese Thatsache etwas näher zu beschreiben, weil hierdurch manche der dortigen Verhältnisse klar gelegt und brauchbares Material zu den Eingangs erwähnten Vorschlägen geliefert werden dürfte. Mein gen. Schwager war einer der hervorragendsten v'i'vvn des weltberühmten frühern Würzburger Y' 21 und dabei auch in profanen Wissenschaften bewandert. Er verheirathete sich mit meiner Schwester t>"i, hatte aber weder eine Anstellung noch irgend ein Geschäft. Dieser Mann, der bisher sich ausschließlich mit 'pn umin beschäftigte, war besonders mit Geisteskraft und Energie begabt, er suchte und fand Nahrung durch Einrichtung einer Nagelfabrik in Zell. Nachdem er circa 10 Jahre in glücklicher Ehe verlebte und ihm während dieser Zeit 5 Kinder geboren wurden, erwachte in ihm die n^nn nan« und die '"rr nanx in solcher Stärke, daß er sich entschloß, mit seiner Familie nach ’"x auszuwandern. Welche Energie, welche Verzichtleistung auf! alle weltliche Genüsse, welche WiMnsstärke dazu > gehörte, einen solchen Plan zur damaligen Zeit! auszuführen, kann nur derjenige bemessen, der das ' Alles miterlebt hat. Gleichsam eine Trennung für immer von seinen Freunden und Verwandten, den Weg von Zell nach Venedig per Wagen zurückzulegen, eine 6 Monate währende Reise bis zum ersehnten Ziele, standen ihm bevor. Kurz, nach unzähligen Mühseligkeiten, denen sich noch ein Schiffbruch im Hafen von Jaffa anreihte, woraus meine Schwester und die 5 Kinder nicht mehr als das nackte Leben retteten, da ihr Geld und ihre sämmtlichen Effekten theils versanken und theils gestohlen wurden, in diesem jämmerlichen Zustande gelangten sie in Jeruschalajim an, nachdem vom ersten Landungsplatz zu Saida mein Schwager nach I. vorausgeeilt war, um für seine Familie Logis zu miethen. Nachdem wir ihm Unterstützung gesandt hatten, gab er sich alle erdenkliche Mühe, sich iea jrra zu ernähren. Er fing an Maaren zu exportiren rc., allein nichts glückte ihm. Er war der Gründer der Post in Jerusalem, die erste Posteinrichtiing stammt von ihm. Als jedoch dieses Geschäft ein wenig in Schwung kam, wurde I. von der verheerenden Pest y'n heimgesucht, welche ihm zwei hoffnungsvolle Söhne wegraffte, und die Posteinrichtung wurde vernichtet. Jetzt blieb ihm nichts anderes übrig, als auch an der npi^n theilzunehmen. Damals lebten in I im Ganzen nur 5 Familien von Holland und Deutschland, nämlich 3 aus Holland, mein Schwager und Schwarz *]dp welche keinen Pt>ia bildeten. Mein Schwager arbeitete darauf hin, nachdem noch mehrere deutsche Familien sich dortselbst ansiedelten, daß die Deutschen und Holländer ebenfalls einen t^ia bilden sollten Es ist nämlich die Einrichtung derart, daß jeder bpiD dortselbst die aus ihren eigenen Ländern fließenden Unterstützungen nur ausschließlich unter sich vertheilen, ohne daß irgend ein Anderer hieran Anspruch hätte, nur die deutschen Gelder wurden an allen D^Sa vertheilt. Nach der Auffassung meines Schwagers mußte, nachdem eine Anzahl Deutscher in I. sich ansiedelten, auch ein deutscher b^a gebildet werden, der in die Rechte der andern eingesetzt werde. Die Sache war aber nicht so leicht durchzuführen, und mein Schwager mußte wieder herausreisen, um womöglich diese Angelegenheit zu ordnen. Nach vielen Unterhandlungen mit Amsterdam wurde mein Compromiß-Vorschlag genehmigt, welcher darin bestand, daß die Gelder aus< Deutschland und Holland, die damals jährlich