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Der Israelit · 1877-06-13 · Heft 24 (13.6.1877) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 24 (13.6.1877)
Date
1877-06-13
Page
– (sequence 8)
Language
German
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556 „Das paßt ja herrlich. Da haben wir gewonnenes Spiel. Hört, Fürst Georg! Ihr müßt mit dem Juden ein Rencontre suchen; Ihr dürft ihm nichts Ernstliches thun, sonst könnte es Euch Euren Kopf kosten. Aber Streit müßt Ihr mit ihm suchen, womöglich auf offener Straße oder sonst an einem öffentlichen Platze, so daß es Aufsehen erregt und davon gesprochen wird. Dann erzählen wir dem Könige, er habe, um Euch zu entrinnen, seinen Mantel in Eurer Hand gelassen wie einst Joseph bei Potiphars Weib, und in diesem Mantel, den wir dem Könige vorlegen und den der König wiedererkennen wird — August hat für solche Dinge wie Garderobe, Pelze, Juwelen und dergleichen ein vorzügliches Gedächtniß — in diesem Pelzmantel also, behaupten wir, seien die Briefschaften gefunden, die den Juden compromittiren und ihm hoffentlich den Hals brechen werden." „„Ihr seid ein Meister, Graf."" „Noch eins, Fürst Georg, ich muß der ganzen Sache soviel als möglich fremd bleiben; Ihr allein müßt den Ankläger machen und dann — gegen keinen Menschen eine Silbe von unserm Plan." „„Darauf könnt' Ihr Euch verlassen."" „Seid nur nicht zu voreilig. Fürst, und setzt das Rencontre nicht früher in Scene, bis ich cs Euch beiße. Kein Baum fällt auf einen Schlag; ich muß erst von andrer Seite gegen den Juden intriguiren, muß erst hören, ob der König überhaupt geneigt ist, den Juden fallen zu lassen. August capricirt sich manchmal auf Etwas, und dann ist jede Mühe vergebens. Und nun geht, wein Fürst; die falschen Schriftstücke lasse ich anfertigen. Das Uebrige wird sich auch bewerkstelligen lassen." Die beiden Ehrenmänner schüttelten sich die Hände. Lubomirski ging. „Graf Lynar soll kommen," befahl der Ministerpräsident dem Kammerdiener. Graf Lynar, einer der schönsten Männer der damaligen Zeit, erschien und verneigte sich ehrfurchtsvoll vor dem mächtigsten Manne des Landes. „Mein Graf." sagte Flemming, „ich möchte Eurem Wunsche, in das Ministerium einzutreten, willfahren. Der einzige Miuisterposten, der noch unbesetzt, ist der des Finanzministers. Thatsächlich steht an der Spitze der Finanzen ein Jude, der Königliche Resident Behrend Lehmann; ich wünschte, daß dieser Posten Euch übertragen würde. Ihr seid doch gut angeschrieben bei der Reichsgräfin Kosel. Veranlaßt sie, Euch Audienz beim Könige zu verschaffen und Eure Bitte zu befürworten. Auf meine Unterstützung könnt Ihr rechnen." Graf Lynar ergoß sich in überschwenglichen Versicherungen der Dankbarkeit; er fuhr sofort zur Gräfin Kosel; er fand den König bei derselben. „Ah," sagte August, „unser schöner Lynar! Anna, Anna, beinahe würde ich eifersüchtig." Die Gräfin lächelte. „Der schönste und vollendetste Cavalier unserer Zeit," sagte sie, „ist Seine Majestät von Polen und Sachsen." Dann? wandte sie sich an den Grafen und fragte: „Was willst Du, Lynar?" Auch sie hatte die Gewohnyeit angenommen, alle Leute, denen sie wohl wollte, mit „Du" anzureden. „Gnädigste Gräfin," sagte Lynar, „ich möchte in das Ministerium eintreton, und da möchte ich Seine Majestät bitten . . „„Aber,"" unterbrach ihn der König, „„es ist kein Posten frei."" „Das Finanzministerium, Majestät . . ." „„Das ist in guten Händen. Mein Resident Behrend ist der beste tzinanzminister, der zu finden ist."" „Aber, August, ein Jude!" „„Kind,"" sagte der König, „„ich kann ihn nicht entbehren; er schafft mir Geld, wenn ich's brauche." " „Aber ich kann den Juden nicht leiden!" rief die Gräfin. „Laß doch den guten Grafen Lynar Finanzminister werden!" Der König lachte. „Wenn einmal ''die Kunst erfunden wird," sagte er, „aus Blei Gold zu machen, dann soll Lynar Finanzminister werden. Bis dahin werde ich mich hüten, den fortzuschicken, welcher mir Geld schafft, sobald ich es brauche." Graf Lynar erstattete dem Ministerpräsidenten Bericht über den Mißerfolg seiner Audienz; Flemming vertröstete ihn auf die nächste Vacanz. Dann fuhr er zu Lubomirski und empfahl ihm, in der nächsten Zeit nichts gegen den Residenten zu unternehmen. ' ' (Fortsetzung folgt.) Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schcn Hosbuchhandlung. I. GottSleben'L Buchdruckern <Mainzer Anzeiger).

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