Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 24 (13.6.1877)
- Date
- 1877-06-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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554 Kommission — bestehend aus Blnmenfeld, Eckmann gewählt, um Material zu beschaffen und beschlossen, eine außerordentliche Versammlung im Herbste nach Hannover zu bernfen, falls dis dahin entschieden ist, daß das Unterrichtsgesetz bei dem Landtage in der nächsten Session zur Vorlage kommt. Für die nächstjährige Versammlung übernahm Löwenstein- Celle das Referat: „Was ist unsrerseits zu thun, um dem leider immer mehr um sich greifenden Jndifferentismus und Vorurtheil gegen unsere Schulen, insbesondere unsern Religionsschulen mit einigem Erfolge entgegen zu wirken." Kaufmann-Einbeck wird das Thema behandeln: „Der Unterricht der biblichen Geschichte in der jüdischen Schule." Darauf wird die Versammlung geschlossen. Es wäre zu wünschen, daß die spätere Versammlungen immer so zahlreich besucht werden, wie diesmal, auch stets gleichen praktischen Nutzen im Gefolge hätten; aber auch, daß die Lehrer sich nicht so trennen, wie es noch immer geschieht. Nach der Conferenz schnelle Abreise, so daß ein Lehrer kaum 3 seiner College» in der Provinz kennt—sondern auch gemächliches Beisamensein nach der Sitzung Collegialität und innige Bekanntschaft unter einander herbeiführen. Hannover, 28. Mai 1877. L. H. Sommer, Seminarlehrer. Rußland. Aus Ikrtssisch-Asten. Der Gazette „Kawkas" zufolge, soll der Gouverneur von Tiflis, Baron Osten Sak^n, dem Fürsten von Kaukasien Folgendes mitgetheilt haben: 4. April. Im kleinen Städtchen Suram, Kreisker Kreis, kam folgende Astaire vor, welche das ganze Städtchen in Aufregung brachte. Zwischen Suram und einem Dorfe Osiauri arbeitete ein Bauer dieses Dorfes an der Eisenbahnlinie, Sossie Mural-schwili genannt. In der Mit'tagsstunde ritten zwei Juden aus Suram, die beiden Brüder Dschau-schili vorbei, welche auf dem Wege nach Hause waren. Ihnen folgten mehrere Männer und Frauen des Dorfes, welche schrien: „die Szizi*) haben bei dem Zirulnik ein Kind gestohlen!" Als Sossie Mural-schwili das Geschrei hörte, lief er ebenfalls den Juden nach. Vor dem genannten Städtchen begegnete er einem Polizeibeamten, dem er alles mittheilte. Ehe dieser noch in Suram eintraf, wohin die beiden erschrockenen Brüder ihre Zuflucht genommen, verbreitete sich schon das Gerücht im' Städtchen und der dortige Pöbel umringte das Haus der beiden Brüder. Die Menge vergrößerte sich, indem viele Bauern der nahe gelegenen Dörfer auch herbei¬ *) Ein Lchimpfwort für Juden in Rußland. eilten. Auch Sossie Mural-schwili erschien, und ehe noch die Polizei sich dort einfand, stürzte er auf einen der Brüder los und forderte das Kind von ihm. Diese Scene machte auf die christlichen Zuschauer einen großen Eindruck, so daß diese sogleich den Juden überfielen und ihn heftig schlugen. Nur mit sehr großer Mühe gelang es den Polizeibeamten, ihnen das'Opfer zu entreißen. Hiernach stürzten sie auf den zweiten Bruder los, und nachdem sie auch ihm eine tüchtige Portion Hiebe gegeben, verfolgten sie dann auch andere Juden. Der Beamte holte mehrere Soldaten herbei, die ein wenig Ordnung herstellten. Als er hierauf nach Orsiauri fuhr, um sich über dav verschwundene Kind näher zu erkundigen, verjagte der Pöbel, welcher aus ca. 1500 Menschen bestand, die Soldaten (20 an der Zahl), stürzte in die Häuser der Juden, unter dem Vorwände, den verlorenen Knaben dort zu suchen und plünderte dieselben Von den daselbst befindlichen ca. 60 jüdischen Häusern hat er kein einziges verschont; in den Synagogen und den Bethäusern zerriß die Menge die Thorahrollen und Gebetbücher und sämmtliche Utensilien. An 25 Personen sind verwundet worden, die dem Krankenhause überliefert werden mußten; selbst die Weiber und Kinder der Juden verschonten sie mit ihren Hieben nicht. — Noch während der Hitze des Kampfes kam der Beamte aus dem Dorfe zurück mit der Nachricht, daß der Knabe sich zu. Hause wohl und munter befinde und gar nicht von dort entfernt gewesen sei; er hatte blos. als er vermißt wurde, mit andern Kindern hinter dem Hause gespielt. Obgleich diese Mitrhetlung das Volk ein wenig beruhigte, mußte der Beamte noch Gewalt gebrauchen, und nur mit Hilfe der Soldaten wurde die Ordnung wieder hergestellt. Das Gericht hat eine strenge Untersuchung eingeleitet. Feuilleton. Per Königliche Resident. (Eine historische Erzählung.) XXVI. Der Generalfeldmarschall Graf von Flemmmg, der dirigirende Cabinetsmintster, führte einen wahrhaft fürstlichen Haushalt. Er hielt einen ganzen Troß von Dienern, in seinen Ställen befanden sich über hundert der schönsten Pferde, in seinem Vorzimmer erschienen so viele Minister, Räche, Offiziere und andere Standespersonen wie bei einem großen Monarchen. Flemming war sehr arbeitsam und pflegte früh Morgens schon mit seinen Sekretären zu arbeiten, selbst wenn er erst spat von