Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 24 (13.6.1877)
- Date
- 1877-06-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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552 allen Synagogen die Sabbatheinweihung erst dann erfolgen, wenn man vom Begrabnißplatze zurückgekehrt ist. Zwischen dem Passah- und dem Wochenfeste wird nach dem Abendgebet, bis es völlig Nacht ist, das Hohelied gesungen. Mit dem Absingen der Hymne: Hochgelobt sei der lebendige Gott und gepriesen'^ schließt die Abendandacht. Sabbath in der Frühe versammeln sich mit dem Anbruch der Morgendämmerung viele Andächtige, die eine Stunde lang verschiedene Pismonim chorweise singen. Jndeß füllt sich das Gotteshaus und die Morgenandacht wird bis zur Vorlesung aus der Torah verrichtet. Von den Torahrollen in der d. Lade befindet sich eine jede in einem hölzernen runden Gehäuse, das mit Silber beschlagen und mit einem seidenen Umhange versehen ist. Wenn man die reich verzierte Thüre der h. Lade ausgemacht und den seidenen mit Inschriften in Gold oder Silber versehenen Vorhang weggeschoben hat, so erblickt man die Torahrolle, aus der vorgelesen werden soll, in dem offenen Gehäuse. Nachdem die Torah aus der h. Lade genommen, werden die über das Gehäuse herausragenden Rollen, Ez-Chaim, mit Rimonim, die in Silber getriebene Granatäpfel darstellen, geschmückt. Darauf wird die geöffnete Torahrolle durch die ganze Synagoge getragen. Der Synagogendiener zeigt sofort voranschreitend mit dem silbernen Deuter, Jad, die Stelle, an der die Lesung beginnt. Während des Vortrages des Torahabschnittes herrscht eine außerordentliche Stille, nnd Niemand verläßt seinen Sitz. Wenn ein Rabbi zur Torab gerufen wird, so erhebt sich die ganze Gemeinde und hört die Vorlesung stehend an. Ebenso stehen die Söhne auf, wenn ihr Vater emvortritt. Beim Austritt aus der Synagoge nach Vollendung des Mufsaph am Sabbat und'an'den Festtagen reicht ein Mann jedem Andächtigen einen Blumenstrauß und riechende Früchte hin, deren Duft unter den Segenssprüchen über wohlriechende Kräuter und Früchte eingeathmet wird. Nachmittags gegen zwei Uhr werden in den Synagogen alle Psalmen recitirt, dann Vorträge gehalten und an diese Betrachtungen über den Wochenabschnitt der Torah angeknüpft, worauf das Minchah folgt. Eine halbe Stunde vor Nacht werden wieder Hymnen und am Schluffe der Psalm „Gepriesen sei der Ewige, mein Hort" melodisch gesungen, und darauf das Abendgebet verrichtet. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Eorrefpondenzen. Deutschland. Mainz, 30. Mai. Der zweite Punkt der heutigen Tagesordnung der Stadtverordneten-Versammlung beschäftigte sich mit einem zwischen der Stadt und der israelitischen Religionsgemeinde abzuschließenden Terrain-Verkauf. Der bisherige israelitische Friedhof, welcher innerhalb der Neustadt gelegen ist, muß gesetzlich demnächst geschlossen werden; es soll nun neben dem christlichen Beerdigungsplatze der israelitischen Gemeinde ein Geländestück als Friedhof zum Selbstkostenpreis überwiesen werden. Die Stadtverordneten Betz, Fitting und Dr. Masserell erblicken in dieser Überlassung eines Terrains an die jüdische Gemeinde in festes Eigenthum eine Bevorzugung derselben, weil die Angehörigen anderer Konfessionen sich gefallen lassen müssen, daß ihre Gräber nach gewisser Frist umgegraben werden, wenn dieselben nicht von den betreffenden Familien zu hohen Preisen angekauft find. Dr. Masserell strauchelt besonders über den der jüdischen Gemeinde bewilligten billigen Zinsfuß. Die Stadtverordneten Oppenheim und Dr. Dumont, sowie Adjunkt Reinach machen dagegen die Einwendung, daß, nachdem die Stadt den bisherigen jüdischen Friedhof schließe, wodurch der israelitischen Gemeinde erhebliche Kosten erwachsen und besonders, da das in der Frage stehende Terrain, seiner Zeit zu diesem Zwecke erworben worden sei, kein Grund vorliege, dem Vertrage die Zustimmung zu versagen. Herr Michel erwähnt, daß iu der Finanzkommission von den Seiten einiger Redner in den Vordergrund gestellten Anforderungen des jüdischen Ritus gar nicht die Sprache gewesen sei, und ist der Ansicht, daß dies überhaupt nicht in Erwägung zu kommen habe. Die Versammlung genehmigt schließlich den Vertrag. Hannover, 2fi. Mai. Am 21. d. M. fand hier die Generalversammlung der jüdischen Lehrer der Provinz Hannover im Sitzungssaale der Gemeinde-Repräsentanten statt. Außer den Landrabbinern Or. Meyer in Hannover, Di'. Gulmann aus Hild esheim und dem Oberlehrer des Seminars, Professor Dr. Frensdorf in Hannover als Ehrenmitglieder hatten sich folgende Lehrer eingefunden: Jüdel, Dr. Kayserling, Block, Sommer aus Hannover, Kaufmann-Einbek, Cohn-Bovenden, Wolff-Neustadt, Lautmann-Mo» ringen, Cahn-Sarstedt, Goldschmidt-Wunstorf, Löwenstein-Celle, Eckmann-Nienburz, Schlesinger-