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Der Israelit · 1877-05-30 · Heft 22 (30.5.1877) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 22 (30.5.1877)
Date
1877-05-30
Page
– (sequence 14)
Language
German
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514 -er junge Mann, noch tarnt« nicht im Stande, sich dem Zauber ihres Anblickes zu entziehen. „Mit tausend Eiden" erwiderte Hanna die kleine Hand betheuernd aufs Herz legend. „Ich glaube Dir," erwiederte der Andere. „Doch sage, warum willst Du zu meinem Vater, warum wendest Du Dich nicht lieber an den Fürsten selbst? der ist von schönen Lippen leicht zu überzeugen." „Mein Bruder hat es mir ausdrücklich untersagt, mich persönlich an den Fürsten zu wenden", entgegnete Hanna. „Hat er das!" rief der junge Mann lebhaft „dann verdiente er, daß ich mich für ihn verwende. Sei ruhig Kind und thue keine weitere Schritte. Du hast mich von der Unschuld Deines Bruders überzeugt, und ich werde alles Mögliche thun, seine Befreiung zu erwirken. Ueberlasse mir Alles und bleibe unbesorgt in Deinem Hause; sobald ich Dir Gutes mittheilen kann, suche ich Dich auf." Hanna war nicht im Stande, ihren Dank in Worte zu kleiden; sie preßte die Hand Desjenigen, der ihr als rettender Engel erschien an ihre Lippen, doch der junge Mann drängte sie, heimzukchren; er wollte das Mädchen, für das er sich bereits lebhaft interessirte, nicht länger den Blicken seiner Leute preisgeben. Hanna befolgte den ihr ertheilten Rath und verhielt sich ruhig in ihrer Wohnung; mehrere Tage verstrichen zwischen Furcht und Hoffnung, ohne daß ihr freundlicher Beschützer sich ihr zeigte, doch sie überließ sich nicht der Verzweiflung, denn sie vertraute fest seinem Wort. Es war indessen nichts Geringes, was Friedrich von Waldensee, der Pohn des Ministers, ihr zugesagt. Der Fürst, noch immer ohne Nachricht über den Aufenthalt seiner Favoritin, wüthete gegen Denjenigen, den man ihm als ihren Verführer bezeichnet hatte, und war entschlossen, ihn der ganzen Grausamkeit der mittelalterlichen Gerichtsbarkeit zu überlassen. Der junge Ritter von Waldensee fühlte sich jedoch in Wirklichkeit von der Schuldlosigkeit des Gefangenen überzeugt, und so wenig Sympathie er auch bisher für den Günstling des Fürsten empfunden, dem Bruder konnte er seine Achtung nicht versagen, der seiner reizenden Schwester verboten hatte, persönlich beim Landesherrn für seine Befreiung zu wirken; kannte doch ein Jeder die Sckwäche des Herrschers, der weiblichem Liebreiz so leicht nichts verweigerte. Vor allem suchte Friedrich seinen Vater für die Sache seines Schützlings zu gewinnen; doch der Minister, ohne zu den Feinden des Angeklagten zu gehören, zeigte sich nicht geneigt, für feine Unschuld, von der er nichts weniger als überzeugt war, sich zu verwenden; so blieb denn dem Sohne, der mit echtem Rittersinn sein Wort einlösen wollte, nichts anderes übrig, als sich persönlich an den Fürsten zu w-riden. Er that es, und indem er vor Allem Aufschub im Gerichtsverfahren forderte, um das Dunkel, das noch in der ganzen Angelegenheit herrschte, aufzuhellen. sprach er so warm für die Sache, die er als Recht anerkannt, wußte die Unmöglichkeit, daß Simon das ihm zur Last gelegte Verbrechen verübt, mit solcher Klarheit darzulegen, daß es ihm gelang, sogar in dem Herrscher wieder Zweifel zu erwecken. Seinem Verlangen ward entsprochen, jedoch mit dem ausdrücklichen Befehl, die Nachforschungen nach der Gräfin eifr'gst zu betreiben; denn der Fürst begann zu abnen, daß die Personen, die er bisher mit diesen Nachforschungen betraut, vielleicht noch andern Befehlen gehorcht als seinen eignen. Auf allerhöchsten Befehl erhielt Friedrich Zutritt zu dem Gefangenen, um mit diesem selbst die geeignetsten Schritte zu seiner Befreiung zu berathen. Simon, durchdrungen von innigem Dank gegen den jungen Edelmann, der sich seiner Sache so warm angenommen, wußte diese selbst durchaus nicht aufzuklären; er konnte nichts weiter, als seine Unschuld betheuern; und da seine Worte mit den Bericht seiner Schwester vollkommen übereinstimmten, so fühlte sich Waldensee um so mehr überzeugt, daß ihm Unrecht geschah. Simon zweifelte nicht, daß er einer Schlinge erlegen, die seine zahlreichen Feinde ihm gestellt und hoffte daher wenig von den Zeugenaussagen seiner Diener, die seine Anwesenheit auf seiner Villa bestätigen konnten; waren es doch Edellcute, die ihn angeklagt, und in jenen Tagen der mangelhaften Rechtspflege, was galt da das Zeugniß der Dienerschaft gegenüber der Hochadeligen? — Unmuthig, doch nicht entmuthigt, war Friedrich bereits im Begriff sich zu entfernen, als Simon sich plötzlich erinnerte, daß er wiederholt im Auftrag der Gräfin nicht unbedeutende Summen in ein Dorf im Nachbarland gesandt. Dort mußte eine Person sich befinden, die mit der Gräfin in irgend welcher Verbindung stand; war's nicht vielleicht möglich dort Aufschluß zu erhalten? Waldensee erschien diese Vermuthung einleuchtend, und da Simon die Adresse, wohin er jenes Geld gesandt, genau anzugeben wußte, so versprach der junge Mann, gleich am folgenden Tag sich selbst auf den Weg zu machen und persönlich in dem Dorfe nachzuforschen. Er konnte es sich jedoch nicht versagen, zuvor das schone Kind, dessen holdes Antlitz ihm noch

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