Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 22 (30.5.1877)
- Date
- 1877-05-30
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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515 immer vor Augen schwebte. aufzusuchen, und sie über das Schicksal ihres Bruders zu beruhigen. Hanna gerieth außer sich vor Freude, als er ihr versicherte, daß sie für den Augenblick nichts zu befürchten habe, da auf Befehl des Fürsten alle Verhandlungen in dieser Angelegenheit vorläufig eingestellt seien, daß er jedoch mit Zuversicht hoffe, in wenigen Tagen Simon's Unschuld auf's Klarste beweisen zu können. Waldensee hielt Wort, mit Tagesanbruch befand er sich auf dem Wege, den der Gefangene ihm bezeichnet und noch vor Abend war er am Ziel seiner Reise. Es war ihm ein Leichtes, die Wohnung des reichsten Dorfbewohners zu erfragen und die erste Person, die ihm hier entgegentrat, war die Gräfin Hochkirch. In dunklen Trauergewändern mit rothgeweinten Augen trat die sonst von Heiterkeit Strahlende ihm entgegen, sie war zum Sterbebette des Vaters gerufen worden und hatte heute seine Leiche zu Grabe geleitet. Sie wähnte, in dem jungen Edelmann einen Boten ihres fürstlichen Verehrers zu erblicken und fragte freundlich, was er bringe. Doch wie staunte sie, als Friedrich ihr mittheilte, daß nicht der Fürst ihn sende, da dieser in vollkommener Ungewißheit über ihren Aufenhalt sich befinde; hatte sie doch in derselben Nacht, als sie abzureisen sich veranlaßt gesehen, der ihr vertrauten Zofe, die sie eigens zu diesem Zwecke nicht mit sich genommen, den Befehl ertheilt, gleich am Morgen dem Fürsten ihre Abreise und die traurige Veranlassung derselben zu berichten. Leicht durchschaute die weltkluze Frau die Machination ihrer Feinde; sie mußten jene Zofe erkauft baden, denn auch sie war verschwunden. Die Gräfin entschloß sich, unverzüglich mit dem Ritter von Waldensee, zur Stadt zurückzukehren, um durch ihre Gegenwart und das Zeugniß ihres Begleiters ihre Ankläger zu entlarven. Der Fürst, hoch erfreut über die Unschuld der Geliebten, übte strenges Recht gegen die Verleumder, und sein Günstling, dessen Treue, auf's Glänzendste erwiesen, stieg höher als je in feiner Gunst. Voll Entzücken umarmte Hanna den ihr neu geschenkten Bruder, und als bald darauf der junge Ritter von Waldensee erschien, kannte ihr Dank gegen ihn keine Grenzen. Auch Simon lieh seinem tief empfundenen Dankgefühle Ausdruck, doch gern hätte er der entzückenden Zutraulichkeit des jungen Mädchens gegen seinen Retter Einhalt gethan. Er beruhigte sich indessen mit Hanna's großer Jugend und dem echten Rittersinn des jungen Waldensee. (Fortsetzung folgt.) A N Z E I_G E N. Für den folgenden Theil ist die Reduction nicht verantwortlich. Schubbach (Nassau), im Mai. Am 8. d. M. ist eine unserer edelsten Frauen, einziges Kind der Wittwe Röschen Jekel und Ehefrau des Herrn Carl Blnmenthal dahier, im dritten Jahre ihrer Verheirathung und nach kaum zurückgelegtem 30. Lebensjahre in ein besseres Jenseits abgerufen worden. Die zu früh, leider kinderlos Heimgegangene Sara Blumenthal vereinigte in sich eine Fülle weiblicher Tugenden, echte Kindes- und Gattenliebe, verbunden mit Menschenfreundlichkeit und Liebenswürdigkeit. Als new beobachtete sie streng alle Vorschriften unserer hl. Religion, war darum stets bereit, Gutes und Edles zu unterstützen. Ihr Tod, obgleich durch mehrmonatliches Leiden vorbereitet, verbreitete dennoch allgemeine Trauer und Theilnahme. Diese zeigte sich besonders am Begrabnißtage, den 10. c.. durch eine ungewöhnlich zahlreiche Begleitung, der sich auch viele Christen und namentlech der hiesige Krieger- Verein würdevoll angeschlossen hatten. Unser zur hierher berufene Bezirks - Rabbiner, Herr vr. Wormser von Weilburg, verlieh der allgemeinen Stimmung in freier Rede den entsprechenden Ausdruck und gab in ergreifenden Worten ein kurzes aber treues Lebensbild der Verblichenen und schloß zur Nachahmung an den frühzeitigen Tuqendwandel ermunternd sein Trostwort mit der Stelle im Buche Rulh 3, 11: nx 7'si niTN 'I ’Dy nu nytcr >'1?' o „Die ganze Versammlung weiß, daß Du ein wackeres Weib warst." Möge der Allvater in das Herz der tiefgebeugten Mutter und des schwer heimgesuchten Gatten Seinen Trost senden, damit sie in frommer Ergebung Gottes Willen hochachten und das Andenken der Verblichener» ehren. nu2usu2"n, [1453