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Der Israelit · 1877-05-30 · Heft 22 (30.5.1877) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 22 (30.5.1877)
Date
1877-05-30
Page
– (sequence 13)
Language
German
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513 anscheinend erst dort ihre Bekanntschaft anknüpfte. Niemand durfte die Wahrheit ahnen und daher war es ihr nicht vergönnt, dem Drange ihres Herzens zu folgen und ihre Verwandte, denen man die bäuerliche Abkunft allzusehr anmerkte, offen bei sich zu sehen; doch im Geheimen empfing sie häufig Nachricht von den Ihren. Da war die Gräfin eines Morgens plötzlich verschwunden. Niemand ahnte wohin. Der ganze Hof war in Bewegung; ihr fürstlicher Verehrer war außer sich vor Schmerz und vor Zorn; doch ihre Feinde frohlockten um so mehr, da sie erfahren harten, daß auch Simon früh am Tage die Stadt verlassen. Jetzt war's ein Leichtes, dem Fürsten von der Treulosigkeit Beider zu überreden. Er schäumte vor Wuth und schwur die fürchterlichste Rache, ließ Bewaffnete das ganze Land durchstreifen, die vermeintlichen Flüchtlinge ausfindig zu machen und sie der gerechten Strafe zu überliefern. Simon befand sich indessen, nichts ahnend, auf seinem Landgute, auf dem er einige Tage mit seiner Hanna zuzubringen beabsichtigte. Arm in Arm durchwanderten sie die Alleen des parkähnlichen Gartens, der das Wohnhaus umschloß. Hanna, schäkernd wie ein muthwilliges Kind, entzückte Simon durch ihre Munterkeit. Da stürzten plötzlich todtenbleiche Diener ihnen entgegen; das Haus war umzingelt; die Eingänge des Gartens besetzt, Bewaffnete waren in die Wohnung gedrungen und durchstöberten sie in allen ihren Räumen. Simon, der Gunst seines Herrn gewiß, war erregt, doch nicht erschrocken; zornig forderte er Rechenschaft von dem Offizier. der den Ueberfall leitete; hohnlächelnd zeigte dieser seinen Verhaftsbefehl, und der Günstling erkannte die ihm so wohl bekannte Unterschrift des Landesherrn. Auf einen Wink des Offiziers nahmen mehrere Bewaffnete ihn in ihre Mitte. Laut jammernd wollte Hanna den Bruder umschlingen, doch die rohen Männer stießen sie zurück. „Wo ist das Weib?" schrie der Anführer. „Welches Weib? ' stammelte Simon. „Welches Weib? als ob Jhr's nicht wüßtet! die Gräfin, die Gräfin Hochkirch, die Ihr entführt habt. Wo ist sie, sprecht!" „Ich hätte die Gräfin entführt! welcher Wahnsinn! weiß ich doch nicht anders, als daß die Gräfin am Hof des Fürsten weilt, denn schon seit gestern Morgen war ich nicht in der Stadt." „Das ist bekannt!" höhnte der Offizier und befahl feinen Leuten, das ganze Haus sorgfältigst zu durchforschen, indem er sich den Anschein gab, als vermuthe er die Gräfin in irgend einem Winkel desselben; dann drängte er Simon zum Wagen, um ihn in die Stadt zu führen. „Nehmt mich mit!" schrie Hanna außer sich und die Reihe der Männer durchbrechend, stürzte sie auf Simon zu, den sie mit ihren Armen umklammerte. Zärtlich küßte dieser sie auf die Stirn. „Handle für mich Hannal" flüsterte er, „doch gehe nicht zum Fürsten, um keinen Preis." Er konnte nichts weiter hinzufügen; man hatte das schluchzende Mädchen bereits von ihm gerissen und ihn mit Gewalt in den Wagen gehoben. Hanna war auß r sich, sie raste fast und alle Bemühungen der Diener, das schöne freundliche Kind zu beruhigen, waren umsonst. Noch war die Haussuchung nicht beendet; Hanna befahl einzuspannen, um noch vor Einbruch! der Nacht zur Stadt zurückzukehren; was sie dort , wollte? sie wußte es selbst nicht. Den Bruder | retten, aber wie? — Schlaflos verbrachte sie die j Nacht, Pläne ersinnend und verwerfend; an wen I sollte sie sich wenden? — sie kannte keinen, denn in eifersüchtiger Vorsicht hatte Simon sie von allen seinen vornehmen Bekannten fern gehalten. Endlich rieth einer der Diener, sie möge sich an einen der Minister wenden, mit dem sein Herr, wie er glaubte, befreundet. Dies erschien auch Hanna einleuchtend und gleich am folgenden Tage machte sie sich in Begleitung eben jenes Dieners auf den Weg. Doch im Hause des Ministers sollte sie nicht vorgelassen werden; vergebens bat und flehte sie, die Diener blieben unbeweglich, der Herr empfange heute nicht. Schon wollte sie sich verzweiflungsvoll entfernen . als ein junger Mann ihr entgegentrat. Es war der Sohn des Ministers; die Thränen des schönen Mädchens hatten sein Mitgefühl erweckt; freundlich fragte er nach ihrem Begehren, und Hanna, von den Zutrauen erweckenden Worten gewonnen, schüttelte ihr volles Herz voe ihm cus. Aufmerksam lauschte er ihrem Bericht und kein Auge wandte er von dem wunderholden Kinde, das in seiner Erregung noch viel schöner erschien. „Aber bist Du der Unschuld Deines Bruders ganz gewiß?" fragte er endlich. „Garn gewiß;" betheuerte sie „zu jener Zeit, als die Gräfin vermißt wurde, befand sich mein Bruder mit mir auf unserm Landgut und ist während der ganzen Zeit nicht von meiner Seite gekommen." „Und könntest Du das beschwören?" fragte

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