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Der Israelit · 1877-05-30 · Heft 22 (30.5.1877) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 22 (30.5.1877)
Date
1877-05-30
Page
– (sequence 12)
Language
German
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512 Blatter nach und nach zusammen. Durch äußere Bedürfnisse und durch die fortschreitende innere Bildung und Gesittung werden die Menschen und Völker immer mehr einander nahe gebracht , bis endlich die Zeit kommt, in welcher sie alle, sich einander ergänzend, durchdringend und umschlingend, in einem einzigen Bunde und zu einem einzigen Bande vereinigt sind." Lebhafter Beifall folgte diesen Worten. Feuilleton. Aus dem Mittelalter. Von Friedrich Rott. XVI. Von Jahr zu Jahr hatte Simones Reichthum und sein Ansehen zugenommen; es war ihm gelungen , die Aufmerksamkeit des Fürsten auf sich zu ziehen und durch einige nicht unbedeutende Dienste die Gunst desselben sich zu erwerben; bald gehörte er zu den Bevorzugten des Landesherrn und alle Privatgeschäfte desselben gingen durch seine Hand, und da er das in ihn gesetzte Ver trauen auf's Glänzendste rechtfertigte, denn in Geschäftskenniniß und Schlauheit kamen wenige ihm gleich, so ward er bald der Günstling seines Herren und nannten ihn auch Neider heimlich den schlauen Hofjuden, in seiner Gegenwart beugte sich Alles vor ihm; und wenn er aufgerichteten Hauptes stolz die Gemacher des Fürsten durchschritt, schätzten Barone und Grafen sich glücklich, ihm die Hand zu schütteln, und die dieses nicht wagten, neigten achtungsvoll das Haupt und waren froh, wenn er ihren ehrfurchtsvollen Gruß durch stolzes Kopfnicken erwiederte. Sein Haus glich einem Palast, und Hanna, das von ihm verzärtelte Kind, mußte auf sein ausdrückliches Verlangen in reichster Toilette sich tragen. Dienerinnen waren zu ihrer Verfügung, jede ihrer kindlichen Launen und Einfälle auf's Schleunigste zu befriedigen. Sie war jetzt im zwölften Jahre und in ihrer wunderbar früh entfalteten Schönheit mischte sich das Kindliche mit dem erwachenden Jungfräulichen. Zug für Zug glich sie ihrer verstorbenen Schwester, die Simon so heiß, so innig geliebt, und als er sie verjüngt in seiner Hanna erblühen sah, da regten längst schlummernde Wünsche sich in seiner Brust; nur noch wenige Jahre, und er war am Ziel seines glühenden Sehnens. Wie seinen Augapfel hütete er sie, und Hanna vergalt diese Zärtlichkeit mit der treuesten Schwesterliebe. Voll Entzücken lauschte sie seinen Beschreibungen der Hoffeste, an denen Theil zu nehmen er ihr in einigen Jahren versprach. Mit kindlichem Jubel rief sie jene herrliche Zeit herbei, ohne zu ahnen, daß es sein fester Vorsatz. nur als seine ihm angetraute Gattin sie in die s. g. Welt einzuführen. Laut pochte sein Herz, wenn er sich diesen Moment vergegenwärtigt; schon glaubte er das staunende Gemurmel zu vernehmen, wenn er, der reichste Mann des Landes, das schönste Weib sein eigen nannte und es in die glänzenden Kreise des Hofes einführte. Doch in seinem kaum geträumten Glücke, von Hochmuth nichts weniger als frei, verstand es Simon durchaus nicht, sich Freunde zu erwerben. Gegen Höherstehende verbindlich, fast kriechend, gegen Niedere abstoßend und schroff und im Verkehr mit Denen, die er als seine Freunde betrachtete, gemein vertraulich, wuchs die Schaar seiner Feinde von Tag zu Tag; die Einen beneideten ihn, die Andern haßten ihn und nur mit innerem Knirschen fügten die Großen des Landes sich darein, einen getauften Juden in ihren Kreisen zu empfangen. Doch des Fürsten allmächtiger Wille zwang sie zum Schweigen, aber nicht zur Unthätigkeit, und ein Netz von unsichtbaren Fäden hatte den arglosen Emporkömmling bereits umstrickt. Der Fürst, von der Rechtlichkeit wie von der Geschäftsklugheit seines Günstlings überzeugt, hatte diesen seiner Favoritin, der Gräfin Hochkirch, empfohlen und auf Rath ihres fürstlichen Freundes übergab sie die Verwaltung ihres ganzens Vermögens seiner Hand. Simon hatte daher Zutritt zu ihren Gemächern, so oft er sich melden ließ und die schöne muntere Frau, gleich ihm von niederer Herkunft, fand Gefallen an der Unterhaltung des klugen witzigen Mannes, der wie sie, den alten Adel haßte, und gern Gelegenheit fand, ihn zu bespötteln. Diesen Umstand benützten die Feinde beider, um beide mit einem schlage zu verderben. Längst hatte man versucht, den Fürsten zu überreden, ein allzu vertrautes Verhältniß bestehe zwischen seiner Favoritin und seinem Günstling; doch der Fürst, der Treue beider gewiß, lachte dieser Anklage; es galt daher, ihn durch Thatsachen zu überzeugen, und so schwer den Verleumdern dieses auch ward, der Zufall war ihnen günstig. Die Gräfin, eine Rauerntochter von Geburt, hatte seit ihrer Erhebung mit ihrer Familie äußerlich keinen Verkehr; denn der Fürst, der sie auf einer Reise kennen gelernt, hatte es durch seinen Vertrauten so einzurichten gewußt, daß sie als ausländische Gräfin an seinem Hof erschien und er

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