Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 22 (30.5.1877)
- Date
- 1877-05-30
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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508 „Sechs MillionenThaler!" sagteer, während er seinen Namen unter die Verkaufs - Acte setzte. „Du hast meine Interessen gut gewahrt. Nun, Du verdienst wohl auch ein schönes Stück Geld daran?" „„Ich bin zufrieden, Majestät."" „Wieviel bleibt Dir bei dem Geschäfte? Aber, sag* die Wahrheit." „„Majestät, ich berechne dem Verkäufer ein ProM«t Provision und ebensoviel dem Käufer." ' "„Macht einmalhundertundzwanzigtausend Thaler. Du kannst zufrieden sein." „„Aber, Majestät, das ist nicht Alles verdient." " „Wieso, hast Du so viele Reisespesen?" „„Nicht das, aber . . ."" „Nun, heraus mit der Sprache!" „„Seine Durchlaucht, der Kurfürst von Hannover hat Minister, Herzog Ernst von Lüneburg hat Räthe, der Herzog von Braunschweig hat einen Domänen-Director . . „Ha, ha, ich verstehe, die wollen Alle geschmiert sein, und hier in Dresden wird es nicht anders sich verhalten. Sage mir, Behrend, wieviel hat Flemming sich bedungen?" „„Verzeihen Eure Majestät, das darf ich nicht verrathen, das sind Geschäftsgeheimnisse."". „Ich aber will's wissen! Ich befehle es Dir, bei meiner Ungnade. Augenblicklich, nenne mir die Summe bei Heller und Pfennig." „„Seine Excellenz. der General-Feldmarschall von Flemming haben sich bei Entrirung des Geschäftes fünfzigtausend Thaler bedungen und bereits gestern ausbezahlt erhalten."" „Es ist gut, Behrend, Du kannst gehen/' Als sich der Resident kaum entfernt hatte, befahl der König , daß man den General - Feldmarschall rufe. Graf Jakob Heinrich von Flemming trat ein. „Jakob," rief ihm der König entgegen, „Du bist ein großer Spitzbube; viel größer als ich gedacht habe! Bedingst Dir bei dem Juden Behrend 50,000 Thaler! Sag'selbst, ist das nicht zu viel?" Flemming erblaßte. „„Hat der Jude geplaudert oder gar sich beklagt?"" „Beides nicht; ich habe ihn gezwungen, mir die Wahrheit zu sagen. Und nun höre, Jakob; ich muß auch etwas verdienen bei dem Geschäft, bei welchem alle Welt verdient; ich verlange Halbpart. Hier gleich bringst Du mir 25,000 Thaler in gutem Golde. Keine Widerrede!" Flemming kannte den König zu genau, um nicht zu gehorchen. Er ging und kehrte mit zwei Dienern zurück, welche die schweren Säcke, mit Gold gefüllt, herbeischleppten. Der König ergriff die Säcke mit einer Hand und trug sie in die Gemächer der Neichsgräfin Koset. „Hier, Anna," rief er, „hier hast Du fünfundzwanzigtausend Thaler; die habe ich verdient, ich selbst — ich habe sie Flemming, dem habgierigen Raubthier, abgeluchst." Unter Lachen erzählte er dann, wie er Flemming „herangekriegt" habe. Flemming war unter allen Günstlingen August's der einflußreichste, und schon deßhalb war er der Gräfin Kosel verhaßt; denn diese wollte keinen andern Einfluß auf den König gestatten als den eigenen. Jeder, der es wagte, ihren Sultaninnen- Launen entgegenzutreten, den haßte und verfolgte sie. Es wagte es auch Niemand mit Ausnahme von Flemming; aber an diesem scheiterte ihre Macht; er stand zu fest in der Gunst seines Herrn. Daher machte es der Gräfin doppeltes Vergnügen, den mächtigen Günstling verkürzt und dabei verspottet zu sehen. „Das hast Du gut gemacht. August," sagte sie; „aber weißt Du, ich kenne Flemming zu genau. Der geht jetzt zu dem Juden und läßt sich die ihm von Dir abgeluchste Summe noch einmal geben." „„So? Nun, davor wollen wir einen Riegel schieben." " Der König ließ sich Feder, Dinte und Papier geben; dann schrieb er eigenhändig die Worte: „ K a b i n e t s b e f e h l. „Ich verbiete Meinem Königlichen Residenten, Behrend Lehmann, dem Grafen Flemming die ihm abgenvmmenen 25,000 Thaler zu ersetzen. Dieser Kabinetsbefehl ist vertraulich und soll ein Geheimniß bleiben. August." Er versiegelte das Schreiben und schickte es hinüber in das „Judenhaus". „Das ist allerliebst, August," sagte die Gräfin. „Wir werden heute Abend Flemming damit aufziehen; das gibt einen köstlichen Spaß." (Fortsetzung folgt.) Hierzu zwei Beilagen. L erantwortliche D ebactioit: Dr. Lehmann. — B erlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. I. Eottrleben'S Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger).