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Der Israelit · 1877-05-30 · Heft 22 (30.5.1877) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 22 (30.5.1877)
Date
1877-05-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
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507 „Du entrinnst mir nicht, August! Erst mußt Du hier die Entscheidung treffen, ehe ich gestatte, daß Du ein anderes Gespräch anfängst." „„Aber, Anna, es handelt sich um wichtige Geschäfte."" „Es gibt nichts Wichtigeres für Dich als meine Wünsche zu erfüllen. Also, noch einmal! Die Königin muß mitspielen!" „„Behrend, entscheide Du. Meine Gemahlin . . „Deine Gemahlin bin ich." „„Nun meinetwegen, die Königin Eberhardine will an dem Götterspiele, das wir aufführen werden, entweder nicht Theil nehmen oder die Hauptrolle spielen Es ist eine Darstellung aus der Mythologie; ich werde den Apollo darstellen, den Lenker des Sonnenwagens; die Hauptrolle neben mir hat Anna für sich in Anspruch genommen; sie will die Diana spielen, die Lenkerin des Mondwagens"" „Und gehört mir diese Rolle nicht?" „„Freilich, freilich, Du bist die strahlende Gottheit an meinem Hofe, das schönste Weib in meinen Staaten. Du sollst auch diese Rolle haben; aber dann mußt Du der armen Königin gestatten, daß sie unsrer Lustbarkeit fern bleibe."" „Das eben will ich nicht. Nein, die Königin soll durch ihre Anwesenheit vor aller Welt bekunden, daß ich als Deine Frau den Platz an Deiner Seite mit Recht occupire, und daß sie dahin gehört, wohin ihre bescheidene Persönlichkeit sie stellt! Mag sie als Vestalin die Opferflamme erhalten." „„Nun, Behrend, was sagst Du?"" „Verzeihung, Majestätentgegnete Rabbi Bärmann, „ich habe kein Urtheil in derlei Dingen." „„Was,"" rief die übermüthige Favoritin zornig, „Du wagst es, Jude, nicht so zu entscheiden, wie ich es für angemessen halte? Wenn ich meine Meinung geäußert, so soll Niemand es wagen, zu behaupten. er wisse nicht, wer Recht hat. Ich habe immer Recht, immer."" August lachte aus vollem Halse. „Geh, Behrend," sagte er, „und entziehe Dich schnell dem Zorne dieser reizenden Sultanin; sie verlangt sonst noch, ich solle Dich köpfen lassen. Komme morgen wieder, dann will ich Deinen Bericht entgegen nehmen." Die Kosel setzte natürlich ihren Willen durch. Ueber I50o Cavaliere und mehr als 40 Könige, Herzöge, Prinzen und Prinzessinnen waren bei dem Feste zugegen, in welchem sie als Diana alle Welt zur Bewunderung hinriß, während die arme, bedauernswerthe Königin, als Vestalin ein: bescheidene Rolle spielend, ganz unbeachtet blieb oder nur Mitleid erregte. Auch am andern Tage konnte Rabbi Bärman» keinen Zutritt zum Könige erlangen. Es wurde ein großes Caroussel aufgeführt. Die ringelstechenden Reiter waren nach Erdtheilen geordnet. Die erste Abtheilung, die von Europa, führte der König von Dänemark; da waren Ritter in spanischem und französischem Cvstüm, in normannischer und deutscher Rüstung, im griechischen und italienischen Gewände; die zweite Abtheilung. die prächtigste, war die von Afrika; sie führte König August selber; ihm folgten die Mohrenritter, in reicher und phantastischer Gewandung; nicht minder phantastisch , wenn auch nicht so reich, war die dritte, die asiatische Abtheilung gekleidet, welche der regierende Herzog von Sachsen - Weißenfels führte, während die vierte Abtheilung, die amerikanische — lauter Indianer - Häuptlinge in wild - romantischer Tracht mit Straußenfedern auf den Häuptern — Prinz Friedrich von Sachsen-WeißenfelS führte. Auf hohem Throne faß die Reichsgräsia Kofel; sie sollte die Sieger bekränzen, die Preise vertheilen. Den ersten Preis, im Werthe von dreißigtausend Thalern, gewann der Prinz von Weißenfels. Am Abend wurde ein Feuerwerk abgebrannt, dessen Kosten nach den lettreo distoriyuvs 80,000. Gulden betrugen; es stellte die Belagerung Ryssels vor. Kurz vor dem Beginne des Feuerwerks brach in Dresden ein wirkliches Feuer auS, das viele Häuser in Asche legte, viele Familien des Obdachs beraubte und bis dahin wohlhabende Familien an den Bettelstab brachte. „Dieses betrübte Ereigniß," berichten die Frankfurter Relationen,*) „störte jedoch die Freude des Hofes und der fremden Fürstlichkeiten nicht." Unterdeß brannte Rabbi Barmann vor Ungeduld, das von ihm mit so vieler Mühe und Sorgfalt eingeleitete Geschäft zum Abschlüsse zu bringen. Er schrieb an den König einen submissesten Brief, in welchem er ihm vorstellte, daß man in Hannover auf die Bestätigung des Königs warte, weil man nicht eher die Gelder flüssig machen könne und daß man durch längeres Zögern das ganze Geschäft in Frage stelle. Daraufhin wurde der Resident zum Könige beschießen. August war diesmal allein. „Es thut mir leid, Behrend," sagte er, „daß ich die Sache verzögert habe. So, setzt lege mir die Acten vor." Der Resident that also. Der König blickte in die Acten. *) Eine Zeitschrift aus damaliger Zeit.

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