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Der Israelit · 1877-05-30 · Heft 22 (30.5.1877) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 22 (30.5.1877)
Date
1877-05-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
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506 iw allgemeinen Interesse hierhersetzen wollen. Derselbe lautet : „Von Herder und Fr. Hein. Jacobi bis herab auf die modernen Pantheisten Fichte, Schilling und Hegel ließen sich alle mehr oder weniger von dem Zauber der großartigen Resignation Spinozas blenden, mit welcher er die Dinge und Ereignisse nimmt, wie sie sind, und in Allem, was ist und geschieht, eine Reihe von Naturersolgen sieht, an denen sich nichts ändern läßt, und über deren Werthunterfchied sich zu härmen für den denkenden Menschen sich nicht der Mühe lohne. Nur Einer ließ sich von dem grandiosen System des Philosophen von Amsterdam nicht gefangen nehmen — das war unser Immanuel Kant mit seinem Alles zermalmenden Verstände. Gleich der erste Latz. gleichsam das Fundament, von Spinoza's Ethik: „Unter Ursache seiner selbst verstehe ich dasjenige, zu dessen Wesen die Existenz gehört," meint unser verewigter Königsberger Weltweiser, laborirt an dem alten scholastischen Fehler, die Wirklichkeit eines Dinges zusammenzusetzen aus der Möglichkeit und der Existenz desselben, als ob letztere überhaupt eine Eigenschaft eines Gegenstandes n Lre. Den pantheistischen Gott sammt allem mit diesem Begriffe zusammenhängenden Plunder, der gleich dem theologischen Dogmatismus aus der bloßen Möglichkeit des realsten Wesens auf seine Existenz schließt, fertigt Kant mit dem populärsten Beispiel von der Welt ein für allemal also ab: „Hundert wirkliche Thaler enthalten dem Begriffe nach nichts mehr und nichts weniger als hundert mögliche Thaler." Nichtsdestoweniger aber sind und bleiben die Schriften Benedict v. Spinoza's unvergängliche Monumente seines hervorragenden Geistes und Charakters, welche das ihm von der dankbaren Nachwelt in Gang zu setzende Standbild noch viele Jahrhunderte überdauern werden. Verglichen ihn doch schon ältere Historiker mit dem Stifter der christlichen Religion, nur daß sich Spinoza innerhalb der Schranken der Theorie gehalten habe." — In einer hiesigen Offijm erscheinen noch immer zugleich zwei jüdische Zeitschriften von entgegengesetzter Tendenz: Der hebräische „Hakohl" (Die Stimme) von dem russischen Gelehrten M. L. Rodkinssvhn, welcher Aufklärung und wahre Frömmigkeit unter feinen Lands- Leuten verbreiten will, und das destruktiv, hyperreformistische „Israelitische Gcmeindeblättchen" von Rabbiner Dr. Schreiber in Elbing, das im echt Geiger'schen Sinne von dem Mährischen Einwanderer redigirt, natürlich auch oft den „Israelit" angreist nnd das seinem langsamen Tod sicher entgegengeht.*) Elbing, wo übrigens der Referent zu- *) Amn. der Red.; lesen genannte Blatt nicht; erst vor vier Dezennien deutsche Predigten in der Synagoge hielt, ist kein fruchtbarer Boden für krassen Äpikorßos! Almoni. Frankreich. PariS. In den „Arch. Jsr." drückt mit Recht Herr Benoit Levy bei Gelegenheit einer Besprechung des vor Kurzem erschienenen Rechenschaftsberichtes über die Pariser Israel. Gemeinde sein Bedauern darüber aus, daß der Herr Ober- Rabbiner von Paris für die Israel. Soldaten bei der betreffenden Militärbehörde nur um einen zweitägigen Urlaub zum Peßachfefte nachgesucht hat, während seine sämmtlichen Vorgänger stets einen Urlaub für die ganze Dauer des Festes erbeten und erlangt haben, in diesem Jahre die Soldaten in der Provinz vier Tage (die Freiwilligen sechs Tage), an manchen Garnisonen acht und die algerischen Israeliten auf Verwendung des Herrn A. Crämieux sogar vierzehn Tage Urlaub erhalten haben. Feuilleton. Der Königliche Resident. (Eine historische Eizählung.) XXIV. Als Rabbi Bärmann nach Dresden zurückkehrte , fand er Stadt und Hof in großer Aufregung. Die Periode des Krieges ^nd des Elends war vergessen, Fest folgte auf Fest, Lustbarkeit auf Lustbarkeit. Jetzt war König Friedrich IV. von Dänemark, der von Italien zurückkehrte, zum Besuche anwesend, und ihm zu Ehren wurden Festlichkeiten veranstaltet. die alles bisher Dagewesene an Pracht und Glanz übertrafen. Rabbi Bärmann ließ sich beim Könige melden; er wurde sofort vorgelassen; als er eintrat, hörte er die Gräfin Kofel mit Heftigkeit rufen: „Ich will es so und eS muß so sein!" „„Willkommen, Behrend,"' rief der König dem Eintretenden entgegen. „„Bringst Du gute Zeitung?"" Rabbi Värmann konnte nicht antworten; die Gräfin Kofel schrie: die Probenummer, die man uns zusandte, enthielt so entsetzlich dummes und läppisches Zeug, daß wir uns hüteten, das mit solchen Thorhcitcn bedruckte Löschpapicr uns in das Haus kommen zu lassen.

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