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Der Israelit · 1877-05-23 · Heft 21 (23.5.1877) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 21 (23.5.1877)
Date
1877-05-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
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490 zahl Israel. Gemeinden Württembergs, deren viele mit Würzburg Bahnverbindung haben, der Fall sein. Möchte daher das Project zu Gunsten eines längst gefühlten Bedürfnisses seine richtigen Vertreter finden; an Erfolg ist nicht zu zweifeln. Möge man sich aber nur bei solch'einem hochwich- I tigen Unternehmen. und namentlich bei den vorbereitenden Schritten dazu, inchr von dem Umstande der m o m ent a n ungünstigen Zeitverhältnisse abhalten lassen! '7 Tic? »2,1. H. j dl u m ä n i e n. j Die tendenziöse Lüge einiger Blätj ter, daß der Groß - Rabbiner von Konstantinopel! den in Rumänien wohnenden Inden einen Hirten-' I brief znkommen ließ, wodurch sie zu Geldspenden j And za Gebeten für btc türkischen Waffen aufgefordert werden, wird heute im Timpul, dessen Jasfyer Correspondent der Autor dieser falschen Gerüchte ist, in würdiger Weise abgewiesen. Es gehört ein hoher Grad von Frivolität und Gewissenlosigkeit dazu, in diesen Zeiten der Aufregung derartige Lügen zu erfinden und drucken zu lassen. F c n i l i e t u n* Jus dem Mittclalicr. Von Friedrich Nott. Dina zuckte zusammen bei der Erinnerung an dieses Schreiben. Marie fuhr rasch fort. „Ihr wartetet voll Ungeduld auf das Fuhrwerk, und ich glaubte, Ihr muffet vergehen vor Ungeduld und Sehnsucht, und als nun Euer Vetter noch immer nicht kam, da lief ich zu ihm, ohne es Euch zu sagen, in sein Haus, um zu sehen, warum er so lange' zögere — als ich kam schrieb er — er schrak aber zusammen als er mich erblickte, und blickte scheu auf sein Papier — und doch konnte er ruhig fein, er wußte ja, daß ich's nicht lesen konnte. — Er hieß mich gehen und sagte, er würde gleich folgen — er kam auch alsbald — und bald darauf vernahm ich Euer Nothgefchrei und stürzte in's Zimmer; — in Euren Händen war ein Schreiben, — das, nun ja, das dem, an dem er geschrieben, zum Verwechseln glich." Ein fürchterliches Zittern hatte Dina ergriffen: „unmöglich" stammelte sie, „unmöglich! — Du weißt nicht, was Du sprichst." „Ich weiß, was ich rede" erwiederte Marie bestimmt „uud Ihr wißt's selber, wie schwer ich mich dazu gebracht. Wie Schuppen ist's mir jetzt eben von den Augen gefallen, und ich versteh' mich selber kaum, wie's mir bis jetzt nicht klar gewesen ist. Ader gestaunt Hab' ich schon damals — Euer Vetter geht fort, um einen Wagen zu holen — und w-e ich zu ihm komme, sitzt er und schreibt; und wenn ich nun dazu ehme, daß es ein Schreiben war, das Eure Abreise verhindert hat — und daß Euer 'Vetter bis zum Wahnsinn in Euch verliebt war — denn das Hab' ich gleich das erste Mal gesehen, als er mir Euch aus der Kirche kam, — und wenn Ihr jenes Schreiben nicht erhalten hättet, dann wärt Ihr fort." Marie HUll tune, um Dina zu Hilfe zu eilen, die sie einer Ohnmacht nahe wähnte. ,,Ach, ich mußt' es ja, wie es Euch erschüttern wird." Doch Dina schüttelte heftig den Kopf; „Unmöglich , unmöglich — Du bist im Jrnhnm, ein solches Scheusal konnte er nicht sein — Und dann — doch das weißt Du nicht, daß er mich hat heiralhen wollen. — Und wie hätte er denn daran denken können, wenn — wenn er jenes Schreiben gefälscht." „Ja. wenn Ihr wißt, daß er so brav war — da hält' ich freilich schweigen dürfen. Doch überlegt's Euch wohl, wenn er so unschuldig gewesen wäre, so rein, wie Jhr's glaubt, so hätt' er wohl nimmer Eure Verzeihung erfleht, oder gar sich selber angeklagt, daß er Euch betrogen/' „Ich kana's nicht glauben, kann's nicht" flüsterte Dina, die Hände an die Stirne pressend. Marie erwiederte Nichts, sie hatte das Ihrige gethan. Fast eine Viertelstunde verging unter Schweigen; seit zu langer Zeit hatte Dina aller Hoffnung entsagt, als daß ihr schwer geprüftes Herz so leicht sich ihr wieder hätte geöffnet; doch plötzlich das ganze Glück der Möglichkeit erfassend, sprang sie auf und rief wie außer sich: „Aber wenn's doch möglich wäre! — wenn es wahr wäre — wenn er mich betrogen — wenn sie noch lebten! — Marie! Marie! wenn sie noch lebten! —" „Faßt Euch! faßt Euch! um Gott faßt Euch! Für unmöglich halt' ich's freilich nicht, daß sie noch leben — aber für's Erste ist es doch nur eine Vermuthung von mir." „Aber, wenn sie sich bestätigte diese Vermuthung! — Gott, mein Gott, wenu's wahr wäre." „Aber um Gottes willen! Ihr macht Euch krank. Wenn Ihr Euch nicht zusammennehmt,

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