Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 21 (23.5.1877)
- Date
- 1877-05-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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487 Mitgliedern Werktätigen Patriotismus zur Pflicht gemacht. Es soll ein Fonds von 150,000 Frs. aufgebracht, eine Ambulanz ciichtet, freiwillige Aerzte dotirt, freiwillige ir>,' en equipirt und foutenirt werden. Man tmK ad n Schmerz, den man wegen Unterdrückung r Juden empfindet, zurückdrängen und nun Bürgeroüicht üben — ohne Bürgerrecht zu besitzen. Der Gedanke ist gewiß ein schöner und verdient von den Rumänen beachtet zu werden. Daß sich hieraus aber eine Aenderung der Stellung der Juden in Rumänien ergeben wird, liegt ganz ferne. An allen Lasten des Staates nehmen die Juden vollen Antheil. Sie zahlen die Steuern wie die Anderen, leisten Kriegsdienste wie die Anderen, sind Handwerker — was die Anderen nicht überall sind — sie repräsentiren in großen Städten einen Theil der Intelligenz, sie wollen auch, wie der Verein „Romanisanea" zeigt, sich rumänisiren, und der Verein „Sinai" macht sich speciell die Förderung der eigentlichen Gewerbe unter den Juden zur Aufgabe. Es wäre also gerade jetzt ein Act politischer Klugheit, wenn die Regierung, die sich ja eine liberale nennt, auch in dieser Beziehung liberal erscheinen wollte. Feuilleton. Der Königliche Resident. (Eine historische Erzählung.) XXIII. Noch an demselben Tage reiste Rabbi Bärmann nach Hannover ab und brachte nach langen und mühsamen Verhandlungen das Geschäft zum Abschluß. Man hatte ihm zuerst lx/% Millionen Thaler geboten und war erst nach langem Besinnen darauf eingegangen, die verlangten sechs Millionen Thaler zu zahlen; doch war dazu, da es sich um Verausgabung von Geldern handelte, an denen sämmtliche Fürsten des Welfischen Fürstenhauses Anrecht hatten, zuvor die Einwilligung der Agnaten, der Herzöge von Lüneburg und von Braunschweig einzuholen. Um die Sache nicht zu verzögern, reiste Rabbi Bärmann selbst an die beiden Hofe. In Lüneburg ging die Angelegenheit rasch von Statten, da Herzog Ernst zunächst Lauenburg erwerben sollte, also den größten Vorschub bei dem ganzen Geschäfte fand. In Braunschweig dagegen 'stieß der sächsische Geschäftsträger aus ' große Schwierigkeiten, da der Herzog an dem Erwerb von Laucnburg, das zunächst Lüneburg zufallen sollte und nach des Herzogs Ernst Ableben an Hannover kommen würde, nicht das geringste Interesse hatte. Rabbi Bärmann sah sich daher gezwungen, in B' aunschweig längern Aufenthalt zu nehmen. Sein Kutscher Johann — Peter, derBärentödter, war invalide geworden —, der während der ganzen Zeit nichts zu thun hatte, gerieth in schlechte Gesellschaft. Er besuchte die Wirthshäuser, spielte, verlor all sein Geld und machte noch obendrein Schulden. Seine beiden Spielcumpane waren zwei junge Leute, Händler, die — es war gerade Meßzeit — nach Braunschweig zur Messe gekommen waren. Der Eine nannte sich Vincenz und war ein getaufter Jude; er war aus Breslau gebürtig, hieß ursprünglich Schapse (Sabbathai) und hatte, nachdem er sich in seiner Heimat ungebürlich betragen, in Hamburg im verkommensten Zustande einen proteitantischen Geistlichen, den Licenziaten Edzard, kennen gelernt, der ihn zur Taufe führte und ihm dann einen Platz unter den Stadtsoldaten verschaffte*). Aber hier behagte es dem unbändigen Menschen nicht lange; er desertirte und schloß sich einer weitverzweigten Diebesbande an; das andere Mitglied dieser Bande, in dessen Gesellschaft Johann sein Geld verspielte, war ein Jude, Namens Peermann aus Osterode am Harz. Als nun der unglückliche Johann Alles verspielt hatte, da machten sich die beiden Strolche an ihn, trösteten ihn und versprachen ihm das verlorene Geld wieder und noch mehr dazu, wenn er ihnen Gelegenheit geben würde, sich in das Logis seines Herrn einzuschleichen. Lange sträubte sich der bis dahin ehrliche Diener; endlich gab er nach. Rabbi Bärmann hatte soeben den Herzoglichen Dvmänen-Director Braun besucht und endlich dessen Zustimmung, von welcher der Herzog die seinige abhängig gemacht hatte, zu dem Ankäufe von Lauenburg und zur Verausgabung der dafür disponibel zu machenden Gelder erlangt; vergnügt kehrte er in sein Logis zurück und fand zu seinem Schrecken feine eiserne Chatoulle erbrochen und ihres Inhalts beraubt; außerdem war ihm sein kostbarer Pelzrock, das Geschenk König Augustes, und eine goldene, mit Diamanten besetzte Tabatiöre, die ihm erst kürzlich der Kurfürst von Hannover hatte überreichen lassen, gestohlen worden. Rabbi Bärmann machte sofort die Anzeige bei der Polizei, welche die sorgfältigsten Nachforschungen anstellte. *) Wir verdanken diese Einzelheiten einem im Jahre 1733 gedruckten Buche, welches Herr Wolf Meyer zu Halberstadt uns zu übersenden die Güte hatte.