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Der Israelit · 1877-05-23 · Heft 21 (23.5.1877) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 21 (23.5.1877)
Date
1877-05-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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mammmm. ches in unserem Vaterlande zu den Seltenheiten gehört, verdient der Oeffentlichkeit übergeben zu werden, um zu zeigen, wie Unkenntniß der Religion zur Herabwürdigung derselben führt. In der hier neuerbauten Synagoge hatten wir bis vor Kurzem einen «npn , welcher durch seine mißlungene Construction die Andacht und den Fortgang des Gottesdienstes störte. Ging es zum Ausheben der min nsd, so trat jedes Mal eine Pause von einigen Minuten ein, da die Thür des tmpn p« , welche vermittelst Mechanik sich öffnete, regelmäßig ihren Dienst versagte So mußte dann immer Jemand in denselben steigen, damit das Ausheben vor sich gehen konnte. Bald sah man ein, daß ein solches Machwerk seinem heiligen Zwecke nicht entspreche, und man versuchte, diesem Üebel abzuhelfen, indem eine Verbesserung versucht wurde. Da diese sich als unausführbar erwies, wurde der Verfertiger zur Rücknahme der Lade aufgefordert, wogegen derselbe sich sträubte. Auf gerichtlichem Wege mußte unsere Gemeinde ihr Heil versuchen, und wurde auch der Herr Schreinermeister in erster und zweiter Instanz zum Nachkommen dieser Aufforderung gezwungen. Das war des Guten zu viel, und Rache mußte er hierfür nehmen. Worin bestand-nun diese? Er schenkte die Lade mit den nrann mrj; dem Besitzer des Thiergartens unter dem Vorbehalt, Cbicane damit zu treiben.^ Gerne kam der Herr Thiergartenbesitzer diesem Wunsche nach und stellte dieses Heiligthnm zur Schau aus, es auch zugleich als Wohnung für die Thiere benutzend. Beide Herren nennen sich nun fromme Christen, geben aber den Zehngeboten einen solch würdigen Platz. Dank der Anstrengung unseres Vorstehers, Herrn Struch, ist der Herr genöthigt worden, wenigstens die nra-in mst'j/ so zu übertüncl en, daß sie nicht zu sehen sind. Auch unterließ er nicht, einen Proceß gegen beide Herren einzuleiten, dessen Resultat ich zur Zeit der Entscheidung gerne veröffentlichen werde. Zugleich mag dieses Mitgetheilte die Herren Vorsteher bei Anschaffung solcher heiligen Gegenstände zu größten Vorsicht mahnen, um die Gehässigkeit, die ja leider bei Vielen noch groß ist, nicht noch mehr zu nähren. A. Meyer, Lehrer. (Nachbemerkung der Red.: Auch die israel. Gemeinde zu Rheydt trifft schwerer Vorwurf, daß sie das erwähnte Heiligthum solchen Eventualitäten ausgesetzt hat.) Magdeburg. Unser Abgeordneter, Prof, v. Sybel, hat jüngst Gelegenheit gehabt, seine Juvenfreundlichkeit zu documentiren. Der durch seine tüchtigen Leistungen auf dem Gebiete der Geschichtsforschung, speciell durch seine Mitar- 485 beiterschaft an der „europäischen Staatengeschichte", bekannte Dr. Caro (Sohn des Rabbiners zu W.), den selbst Minister Mühler nicht umhin konnte zum Honorarprofessor an der Universität zu Breslau anzustellen, wandte sich jüngst behufs Erlangung einer vacanten Stelle am Archiv zu Königsberg an den Director des Staatsarchivs Hrn.' v. Sybel. Dieser wußte es jedoch — wie die „Jüd. Pr." erfährt — zu veranlassen, daß sich ein protestantischer Gelehrter von entschieden geringerer Begabung um dieselbe Stelle bewarb, worauf dann der jüdische Professor abgewiesen wurde. — Wie dasselbe Bl. wissen will, hat der Cultusminisier 0r. Falk Hrn. Landau (Isr.) aus Schlesien als Kanzleirath in das Ministerial-Cabinet berufen; mit dieser Stelle ist das Secretariat in der Privatkanzlei des Ministers verbunden. Schweiz. Bern. Die Angelegenheit der aargauischen Israeliten ist noch immer n.cht zur Erledigung gelangt. Bekanntlich hatte der Große Rath auf Ersuchen des Bundesraths den beiden israelitischen Gemeinden des Kantons volle politische Selbstständigkeit zu geben versucht. Als die Vorlage im Großen Rathe zur Verhandlung gelangte, wurden die christlichen Ort'sbürger, welche sich im Besitz ihrer Korporationsgüter bedroht fühlten, vorstellig. Dadurch erlitt die Erledigung der Sache einen ziemlich langen Aufschub. Jetzt weist nun die grvßräthliche Kommission die Befürchtungen der christlichen Bürger als völlig unbegründet zurück und es läßt sich erwarten, daß in der nächsten Session des Großen Nathes die Angelegenheit definitiv zn Ende kommt. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 6. Mai. In unserem Bureau, schreibt das „R. W. Tgbl.", erschien vorgestern ein Mann, der zu Pwnicna in Galizien wohnhafte jüdische Insasse Wolf Stern, der, durch eine höchst merkwürdige Geschichte zu einer Reise nach Wien veranlaßt, sich in seiner Bedrängniß an uns wandte. Die schlichten Mitteilungen des Mannes machten den Eindruck vollster Glaubwürdigkeit, und wir wollen dieselben vbjectiv reproduciren. Wolf Stern hatte vor einiger Zeit das Unglück, durch eine Feuersbrunst seine ganze Habe zu verlieren. Neue Erwerbsquellen suchend, verließ er seinen Heimathsort, ließ jedoch dortseldft seine Familie zurück. Während seiner Abwesenheit ereignete es sich, daß seine 16jährige Tochter Sarah Nachts im Geheimen aus der elterlichen Wohnung „von Christen" ent-

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