Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 21 (23.5.1877)
- Date
- 1877-05-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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484 Werker waren in früheren Zeiten sehr selten und ihre Producte höchst unvollkommen; gegenwärtig .sind etwa 40 Handwerke, hauptsächlich durch eingewanderte Juden, vertreten. Unter diesen sind die Aschkenasim die zahlreichsten und als die bessern Arbeiter in der Stadt anerkannt. Die Handwerker arbeiten fast alle in öffentlichen Buden, die in den Bazarstraßen sich befinden, und nur sehr selten in ihren eigenen Wohnungen. Die Bazare liegen in der Mitte der Stadt und bestehen aus überwölbten Gassen mit offenen Buden. Diese Gassen erhalten ihre Namen von den Waaren, die in ihnen verkauft, oder den Handwerken , die darin betrieben werden. So gibt es einen Bazar der Gewürzkrämer, der Goldschmiede, eine Fleisch- und Getreide-Halle, einen Butter- und Oel-Bazar u. s. w. Zu beiden Seiten dieser Bazarstraßen befinden sich hölzerne, etwa drei Fuß vom Boden erhöhte Buden, denen aus deutschen Jahrmärkten ähnlich. In diesen sitzen die Kausleute und die Handwerker. Dem Fremden, der an die Gestalt und die Arbeit eines europäischen Handwerkers gewöhnt ist, gewährt es einen seltsamen Anblick, wie der oft ehrwürdig aussehende Moslemin mit einem langen Barte, das Haupt mit einem weißen Turban umwunden, die Brust, den Hals nackt, gekreuzter Beine sitzt und als Schlosser phlegmatisch den Hammer schwingt, oder als Riemer Leder zuschncidet, oder als Schuster Schuhe flickt und dabei seine Wasserpfeife raucht. Der orientalische Kaufmann sitzt auf dem mit einem Teppich bedeckten Boden mit Waaren, die nm ihn herum und auf den an den Wänden befindlichen Gestellen liegen. Den Käufer ladet der orientalische Kaufmann, der stets seine Ruhe bewahrt und Niemanden anruft, zum Sitzen ein, reicht ihm die Pfeife von seinem Munde weg und bewirthet ihn wohl auch mit Kaffee. Ist der Kaufmann unbeschäftigt, so schläft er entweder, oder raucht, oder liest, sich vor und rückwärts neigend , ein Buch, oder er schreibt, indem er frei auf der linken Hand, auch aus dem Knie, ein Blatt Papier hält und Ne Schilfrvhrfeder in ein silbernes oder messingenes Tintenfaß tunkt. Dieses hat einen hohlen Stiel, der zur Aufbewahrung der Federn dient, und steckt im Leibgürtel. Die Waaren in den Buden sind nicht wie in Europa lockend zur Schau ausgestellt und in Farben schimmernd. Alles in sorgfältig in Papier verpackt, und erst wenn man an eine Bude herantritt, werden die Waaren enthüllt. Man staunt dann oft über all die bunre Schönheit und reiche Pracht. Die Manufactur- und Industriewaaren sind meist j englisches, französisches und schweizerisches Produkt. I Oesterreich ist durch kurze Waaren und Zündhölzchen, Böhmen und Hebron durch Glaswaaren, Spiegel und Ringe vertreten. Von Damaskus kommen Seiden- und Wollstoffe. Im Ganzen sind die Bazare, selbst für eine orientalische Stadt, nicht auf das Beste ausgestattet. , Zwischen den Buden ist vorzüglich in den Morgenstunden lebhafte Bewegung, und man ist nicht selten in Gefahr, gestoßen oder auch niedergeworfen zu werden. Reiter zu Pferde oder zu Esel ziehen durch die Bazare. Esel mit Lasten, Schafe, Ziegen werden durchgetrieben, die in den türkischen Städten unvermeidlichen Hunde lagern schlafend und b.llen laut auf, wenn sie zufällig getreten werden. Das Kameel, zuweilen ein ganzer Zug von Kameelen, geht ruhigen Schrittes mit seiner Holz- oder einer sonstigen Last mitten zwischen Käufern und Verkäufern. In den Straßen selbst haben die Fellahin, Bauern, oder Beduinen auf dem Erdboden ihre Waaren, die sie täglich zu Markte bringen, ausgekramt. Meist sind es Weiber, welche Gemüse und Früchte feilbieten. Weiber von olivengelber Farbe, die Augenwinkel geschminkt, die Lippen blau, die Nägel und die innere Handfläche gelb gefärbt, an Slirn und Kinn blau tätowirt. An den Schläfen und über die Stirn quer hängen eng aneinander gereihte Silbermünzen; zuweilen schimmert auch ein Ring im Nasenflügel. Sie säugen ihre Kinder auf offenem Markte und tragen sie auf dem Rücken in einem wollenen Tuche, an dessen vier Enden Schnüre angebracht und vorn an der Stirn der Mutter festgebunden sind, so daß sie ihre Arme völlig frei behält. Häufig sieht man auch Frauen, die ihre kleinen Kinder auf der Schulter reiten lassen, während diese mit beiden Händchen sich an dem Kopfe der Mutter sesthalten. (Fortsetzung folgt.) ZeilnngSnaHricblen Sf Correspondenzen. Deutschland. Rhepdt, 13. Mai. Gewiß ist es das erste Mal, daß auch unseres Ortes in den Spalten Ihres geschätzten Blattes Erwähnung geschieht Die Intoleranz, die hie und da ihr freches Haupt erhebt, um das hereinbrechende Licht der Glaubensfreiheit zu verscheuchen, hat auch Hieorts versucht, sich einen Boden zu erwerben. Ein Ereigniß, wel-