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Der Israelit · 1877-05-16 · Heft 20 (16.5.1877) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 20 (16.5.1877)
Date
1877-05-16
Page
– (sequence 10)
Language
German
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466 Vor 3 Monaten verküdigte der Sultan , daß tx Besitz ergreifen wolle von dem isr. Friedhof zu Fez, der seit 380 Jahren Eigenthum der Gemeinde ist und wo die aus Spanien vertriebenen Nabbinen ruhen; ec wollte ihn zur Errichtung von Häusern benutzen, und die Israeliten sollten ihre Tobten ausgraben. Auf die dringenden Bitten der isr. Gemeinde war er damit einverstanden, sein Project fallen zu lassen, wenn dieselbe drei dort ansässige Israeliten aus Argel. französische Schutzbefohlene, zu bewegen vermöchte, daß sie wie ihre Glaubensgenossen daselbst baarfuß gingen. Es wurde eine Deputation dieserhalb an jene 3 Israeliten gesandt, welche sich zu dem von ihrer brüderlichen Gesinnung geforderten Opfer bereit erklärten. Nichts desto weniger bemächtigte sich der Sultan zwei Wochen später des größten Theils des Friedhofes und ließ die Todten ausgraben, zum großen Aergerniß selbst der Muhamcdaner, für welche dies ebenso wie für die Juden eine Profanation war; die Ulemas wurden vorstellig, und der Sultan versprach, abzustehen. Aber nach einiger Zeit ließ der Minister von Neuem die Israeliten rufen und zeigte ihnen an, daß der Sultan auf den Friedhof keineswegs verzichte. Nach dem hebräischen Gesetze, sagte er, ist das Gesetz des Königs Gesetz; die Israeliten müssen also gehorchen und sich zur Unterwerfung verpflichten. Der Oberrabbiner gab nach, und die geforderte Declaration wurde unterzeichnet: „Wir sind gezwungen, sagten die Unterzeichner, dem Befehl des Souveräns zu gehorchen, aber die Todten auszugraben, ist für uns eine große Sünde." Alle, bis auf die Kinder, mußten unterschreiben; der Sultan wollte hierzu selbst die unter fremden Schutz stehenden Israeliten zwingen, die sich jedoch dem zu entziehen wußten. Auf die Nachricht von diesen Vorgängen ging der isr. Gemeindevorstand von Tanger zum Minister, sodann zu den europäischen Cönsuln, die ihn gern unterstützen wollten und ihm ihre guten Dienste beim Sultan zusagten; allein nach neueren Nachrichten aus Fez beharrt der Sultan aus seiner Absicht, sich des isr. Friedhofes daselbst zu bemächtigen. Mitten in die durch diese peinliche Angelegenheit entstandene Aufregung kam eine neue Ursache der Beunruhigung. Die kaiserliche Regierung soll den ausländischen Schutz aufheben wollen, den eine große Anzahl Israeliten daselbst genießt und der sie am besten vor dem muselmännischen Fanatismus sichert; sie soll decretiren wollen, daß die Zahl dieser Familien sich nicht vermehren dürfe, daß das Vorrecht des Vaters nicht auf die Kinder, das des Kaufmanns nicht auf seine Assocws oder Agenten übergehen könne, so daß nach 20 ober 30 Jahren alle gegenwärtig erlangten Schutzbriefe erloschen wären. Amerika. In den Vereinigten Staaten erscheinen 14 jüdische Wochenschriften. F e n i l i e t o m Aus dem Mittelalter. Von Friedrich Rott. XIV. Mit sanfter Gewalt geleitete Marie ihre Herrin aus dem Sterbezimmer. Der Priester blieb allein bei der Leiche; er gerirte sich überhaupt als der vertrauteste Freund des Verstorbenen, traf alle Vorbereitungen zur Beerdigung und sorgte, daß das Leichenbegängniß dem Reichthum des Verstorbenen entsprechend vor sich ging. Dina, zu erschüttert von dem Verlust, der sie betroffen, empfand es als Wohlthat, diese traurigen Anordnungen nicht selbst treffen zu müssen; doch sie sollte sich bald überzeugen, daß sie überhaupt in diesem Hause nichts mehr anzuordnen habe. Unmittelbar nach dem Begräbnisse erschienen Diener des Gerichts, ihre Siegel an alle Schlösser anzulegen und der Trauernden ward bedeutet, daß sie baldmöglichst diese Wohnung zu verlassen habe. Die Verhältnisse des reichen Mannes waren bekannt; man wußte, daß nahe Verwandten nicht vorhanden; so trat denn der Staat als Erbe auf, das ganze ungeheure Vermögen fiel ihm anheim, bis auf ein nicht unansehnliches Grundstück, über das das Kloster eine Schenkungsurkunde vorzuzeigen wußte. Dina blieb nichts, als die allerdings reichen Geschenke, mit denen der Verstorbene sie überschüttet hatte. — Im ersten Augenblick war sie wie erstarrt; wohl waren die Freuden des Lebens längst für sie erstorben, und das Leben selbst ihr mehr eine Last, aber nun sorgen zu müssen für sich selbst, für ihren Unterhalt, das war ein Unglück, das sie bisher noch nicht gekannt. Sie sollte das Haus verlassen, doch wohin sich wenden? — sie war vollständig rathlos. Wäre nur Simon gegenwärtig gewesen, er hätte sie sicherlich nicht verlassen. Doch erst vor wenigen Tagen hatte er wiederum eine Reise unternommen; sie war daher vollständig auf sich allein angewiesen.

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