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Der Israelit · 1877-05-16 · Heft 20 (16.5.1877) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 20 (16.5.1877)
Date
1877-05-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XVIII. Jahrgang. Erste Äeilagc zu Nr. 20 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Frankreich. Paris. (Monatbericht sApril^ der „All. Jsr. Univ." Schluß) Die für die Große nationale Skuptschina vorbereitete Petition konnte nicht überreicht werden, da diese Versammlung in Wirklichkeit nur zwei Stunden dauerte. Nachdem die Wahlen verificirt waren, erschien der Fürst mit dem ganzen Ministerium und hielt eine Rede über die politische Lage Serbiens, die mit der Aufforderung an die Skuptschina schloß, sich zu erklären, ob sie den Krieg fortsetzen oder den Frieden wolle. Der Minister des Aeußern, H. Ristitsch, machte sodann der Versammlung Mittheilung über den Stand der Unterhandlung mit der Türkei und bemerkte in Bezug auf die Israeliten, daß die Forderungen der Türkei in Betreff derselben im Princip legitim seien; er wurde jedoch bei dieser Stelle von dem Proteste zweier Abgeordneten unterbrochen, welche riefen: „Das ist hier nicht die Frage." Unmittelbar nach der Rede des H. Ristitsch brachte der Präsident der Skuptschina die Frage: ob Krieg oder Frieden, zur Abstimmung, und die Versammlung stimmte einmüthig für den Frieden mit den Ausrufen: „Es lebe der Friede!" Hierauf bestieg der Fürst die Tribüne und erklärte die Debatten geschlossen und die Skuptschina aufgelöst. Es bleibt also den Israeliten nur noch übrig. sich an die gewöhnlichen Skuptschinas zu wenden, von denen die erste spätestens am 20. Juli einberufen werden soll. — Das eben erschienene italienische Grünbuch enthält (p. 653) in Bezug aus die türkischserbischen Unterhandlungen betreffs der Israeliten folgenden Brief: Der Minister des Aeußern an den Agenten und Generalconsul von Italien in Belgrad. Rom, den 10. Februar 1877. Herr Agent und Generalconsul! Ich habe Ihnen gestern den Eindruck telegraphirt, den die Nachricht auf mich gemacht hat, daß die serbische Regierung Einwendungen und Schwierigkeiten erhebt gegen denjenigen der drei von der Hohen Dsvrle zum Friedensabschluß aufgestellten Punkte, bei welchem das Princip der bürgerlichen und staatlichen Gleichberechtigung aller Serben ohne! Unterschied des religiösen Bekenntnisses feierlich anerkannt werden soll. Es ist sicher nicht unsere Absicht, uns in diese j Angelegenheiten zu mischen, die wir gleichwohl! mit aufmerksamem und wohlwollendem Blicke ver- ■ folgen und die wir zu einem baldigen Abschluß j kommen zu sehen wünschen; allein wir hielten es! für eine Pflicht der Freundschaft, der serbischen j Regierung unsere Gedanken in dieser Beziehung! nicht zu verschweigen. Die Männer, welche gegenj wärtig die Geschicke dieses Landes leiten, würden j unserer Meinung nach schlecht berathen sein, wenn sie nicht die gegenwärtige Gelegenheit selbst ergriffen, um die Gleichberechtigung aller Serben ohne Unterschied der Religion aus eigenem Antriebe zu proclamiren. Es handelt sich um ein fortan bei allen civilisirten Völkern ausnahmlor anerkanntes Princip, und Serbien sollte nicht vergessen, daß. wenn es ein solches Princip bei sich mißachtete, es auf das Recht verzichtete, dasselbe gegen die ottomanischen Institutionen anrufen zu können. Was uns betrifft, so haben wir der fürstlichen Regierung unsere Anschauung in dieser Sache niemals verschwiegen; die fürstliche Regierung weiß, daß die gehässige Aus'reibung, deren Gegenstand diejenigen serbischen Uuterthanen sind, welche sich nicht zu dem orthodoxen Cultus bekennen, in unseren Augen eine Ungerechtigkeit und zugleich einer der Gründe ist, weshalb Serbien bei den europäischen Regierungen nicht alle die Unterstützung findet, welche ihm von der öffentlichen Meinung zu Theil werden könnte, wenn diese im Stande 'wäre, sich rückhaltslos in sympathischer und wohlwollender Weise ihrerseits auszusprechen. Folgt der Ausdruck des Vertrauens, daß diese Betrachtungen nicht ohne Einfluß auf die Entschließungen der serbischen Minister sein werden. gez. Melegari. (Die Israeliten der Türkei.) Die Israeliten, die schon 3 Abgeordnete in der Kammer zählen, haben noch die Genugtuung gehabt, einen Sitz im Senat zu erlangen; sie sind in dieser hohen, aus 61 Mitgliedern bestehenden Versammlung durch H. Davidson Effendi Carmona vertreten. (Die Israeliten von Marocco.) Die israel. Gemeinde von Fez ist in ihren, im Judenthum wurzelnden traditionellen Gefühlen der Pietät gegen die Todten schmerzlich betroffen worden:

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