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Der Israelit · 1877-05-16 · Heft 20 (16.5.1877) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 20 (16.5.1877)
Date
1877-05-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
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464 «Ich dächte," meinte Fürstenberg, „man dürfe ein Herzogthum verkaufen, um ein Königreich wieder zu gewinnen." „„Und hast Du einen Käufer, Behrend?"" fragte der König. „Eure Majestät kennen, wie ich, einen Kurfürsten, dessen Vater vor nicht gar langer Zeit noch Herzog war und dessen Land für den Kurhut ein wenig zu klein ist." „„Hannover!"" rief der König. „Eurer Majestät unterthänigster Diener," sagte Rabbi Bärmann, „war unlängst in Hannover. Bei meinem alten Freunde, dem Oberhoffactor Liepmann, traf ich den Grafen KielmannSegge; mein Freund stellte mich dem Grafen vor. — Ah, sagte der Minister, Ihr seid der Resident Seiner Majestät von Polen? Seid Ihr der Mann, welcher Quedlinburg und Wettin an Brandenburg verkauft hat? — Als ich das bestätigte, sagte der Graf: Warum seid Ihr nicht zu uns gekommen? — Excellenz, sagte ich, was hätte der Kurfürst von Hannover mit Wettin machen sollen, das hätte seine l?ande nicht arrondirt. — Ihr habt Recht, sagte der Graf; aber da hat seine Majestät von Polen ein Herzogthum an der Nieder- Elbe ererbt, das stößt unmittelbar an die Lande Seiner Durchlaucht, des Herzogs Ernst von Lüneburg. Mein allergnädigster Herr, der Kurfürst von Hannover, ist der Erbe des hochbetagten Herzogs von Lüneburg. Das Herzogthum Lauenburg, das könnten wir brauchen. — Excellenz, sagte ich, ein Herzogthum kauft man nicht für ein Ei nnd ein Butterbrod. — Da lachte der Graf und sagte: Unsere Schatzkammer ist wohlgefüllt, wir verfügen über viele Millionen; für das Herzogthum Lauenburg wäre meinem Herrn kein Preis zu hoch. — Aber, entgegnete ich, das Herzogthum wird Seiner Majestät wohl nicht feil sein." Der König schritt unruhig im Zimmer auf und ab. unschlüssig, was er thun solle. Da öffnete sich die Thüre, und die Reichsgräfin Kosel, in elegantem Reitcostüm, trat ein. Ohne die übrigen Anwesenden, die sich tief verneigten, eines Blickes zu würdigen, stog sie auf den König zu und rief: „Wo bleibst Du, August? Hast Du vergessen , daß wir ausreiten wollen? Bist Du der galante August, der durch feine, höfische Sitte berühmt ist in der ganzen Welt? Und lässest Deine Gemahlin*) warten?" „„Anna,"" sagte der König, ohne den Vorwurf zu beachten, „„ich brauche Geld, viel Geld. Das Land ist erschöpft und kann keine neue Steuern aufbringen; Credit habe ich keinen; es will mir Niemand etwas borgen. Und ich muß doch Polen wiedergewinnen! Dazu brauche ich sechs Millionen Thaler. Was mache ich da?"" „Ja, was machst Du da?" „„Soll ich Polen fahren lasten?"" „Nein, das darfst Du nicht! Pfui, ein König ohne Königreich!" „„Was soll ich thun? Gib Du mir einen Rath! Soll ich Lauenburg verkaufen? Du bist so gescheidt!"" „Weißt Du, August, was Du thun sollst? Laß Dich bedünken, Dein Vetter von Sachsen- Lauenburg sei noch am Leben, oder er sei gestorben und habe einen Sohn hinterlassen; Da müßtest Du Dich ohne Lauenburg behelfen. Verkaufe Lauenburg! Ich kenne das Ländchen; es ist ein gutes Stück Geld werth." „„Flemming,"" sagte der König, „„laß für den Residenten die Vollmachten ausfertigen. Glückliche Reise, Behrend! Aber nicht unter sechs Millionen, hörst Du? So, jetzt wollen wir ausreiten."" Er bot der Gräfin den Arm und verließ mit ihr, nach allen Seiten grüßend, den Saal. Die Minister gingen durch verschiedene Thüren ab; Rabbi Bärmann ging mit dem Generalfeldmarfchall. „Behrend." sagte dieser, „Ihr macht da ei« gutes Geschäft; aber ich muß meinen Antheil haben, sonst hintertreibe ich die ganze Geschichte. Was gebt Ihr mir, wenn das Geschäft zu Stande kömmt? Bietet nicht zu wenig, das rathe ich Euch!" „Fünfzigtausend Thaler, Excellevz," sagte Rabbi Bärmann. „Topp," entgegnete der Minister; „ich hätte auch keinen Pfennig weniger genommen. (Fortsetzung folgt.) - *) So bezeichnte sie sich stets. Hierzu drei Beilage«. Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. I. GottSleben'S Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger).

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