Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 20 (16.5.1877)
- Date
- 1877-05-16
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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463 neu dritten Feind, den Czar Peter, so zu demüthigen, wie er Friedrich von Dänemark und August von Polen gedemüthigt hatte. Der Czar schickte ihm Gesandte entgegen und ließ um Frieden bitten. „Zu Moskau werden wir weiter davon sprechen," war Carls stolze Antwort. So zog er denn auf die damals noch einzige russische Hauptstadt — Petersburg wurde erst später erbaut — los. Unterweges aber verleitete ihn der Kosacken-Hettmann Mazeppa, die Richtung zu ändern und nach der Ukräne, wo ein allgemeiner Kosacken-Aufstand in Aussicht gestellt wurde, aufzubrechen. Aber die Kosacken standen nicht auf, und. Carl sah sich getäuscht. Bei Pultawa kam es zur Schlacht. Durch die trefflichen Positionen, die der junge Kriegsheld genommen, neigt sich der Sieg auf die Seite der Schweden. Da wird der König von einer Kugel getroffen und stürzt vom Pferde. Er achtet's nicht. Da er nicht wieder zu Pferde steigen kann, so läßt er sich, nachdem ein Nothverband angelegt worden, in einer Senfte zum Kommando tragen. Wiederum scheint sein militärisches Genie den Sieg davon zu tragen; aber einer seiner Befehle wird mißverstanden; ein General macht eine andere Schwenkung als sie war befohlen worden; die Reihen der Schweden werden durchbrochen, der größte Theil der Armee wird niedergemacht, und nur mit Mühe entrinnt der König der Gefangenschaft. Er entflieht nach Bender zu den Türken und sucht diese zum Kriege gegen Rußland aufzureizen. Die Niederlage Carls war eine furchtbare, seine Macht war gebrochen; von Pultawa her datirt sich die europäische Bedeutung Rußlands. Mit unendlichem Jubel wurde die Nachricht von der Zerstörung der schwedischen Armee in Dresden vernommen; jetzt war Polln wieder frei. Stanislaus Lescinski hatte weder Macht noch Ansehen, noch Familienverbindungen; mit der Niederlage des Schwedenkönigs hatte er jede Stütze verloren. August brauchte nur mit gefülltem Beutel und wenigen Soldaten in Polen zu erscheinen, und das Land fiel ihm wieder zu. Aber der gefüllte Beutel! Zu Dresden wurde ein Ministerrath gehalten. „Woher Geld nehmen?" war die große Frage, die Niemand beantworten tonnte. Neue Steuern? Das Land war auf's Aeußerste erschöpft. Die Steuern konnten wohl ausgeschrieben, aber nicht eingebracht werden. „Es bleibt uns nichts übrig als Anlehen ein zu contrahiren," sagte Flemming. „Der Resident soll kommen!" befahl der König. Rabbi Bärmann trat ein. „Behrend," sagte der König, „ich brauche Geld, viel Geld! Ich muß Polen wiedrrerobern. Du warst mir das erste Mal bei Erwerbung der Krone behilflich. Sei es auch jetzt, da es gilt, sie wieder zu erlangen Contrahire ein Anlehen für mich, Behrend! Wieviel werden wir brauchen, Flemming?" „ „Secys Millionen Thaler!"" sagte der General-Feldmarschall und Premier-Minister. „Majestät," entgegnete Rabbi Bärmann, „ein Anlehen, und noch dazu von solcher Höhe, ist nicht aufzubringen. Es herrscht ein Geldmangel in der Welt wie viell icht nie zuvor. Die Kriege in a Spanien wie im Norden haben unendliche Summen * verschlungen. Das Mißtrauen ist so groß wie noch nie. Wer Geld hat, vergräbt es lieber in die Erde, ehe er es selbst gegen die höchsten Zinsen herleihet. Und dann, Majestät, verzeihe mir mein König ein offenes Wort — der Credit Sachsens ist erschöpft, und Polen ist noch nicht wiedererodert. Wenn der Schwedenkönig aus der Türkei zurückkehrt .... Verzeihung, Majestät, nicht ich rede so, sondern die Leute, die das Geld hergeben sollen. Nein, ein Anlehen ist unmöglich." „„So müssen wir dennoch," rief August, „die Steuerschraube ansetzen."" „Aus einer ausgepreßten Citrone," sagte Fürstenberg, „ist nichts mehr herauszupressen." August stampfte mit dem Fuße. „„So soll ich unthätig hier sitzen,"" rief er, „ ,und diesem rebellischen Woywoden von Posen die Krone überlassen, die von Gott und Rechtswegen mir gehört! Schafft Rath, Ihr Herren! Wozu seid Ihr sonst Minister? Schafft Geld, oder ich schicke Euch Alle miteinander auf den Königstein! Du bist doch sonst nicht auf den Kopf gefallen, Behrend! Wozu habe ich Dich zu meinem Residenten gemacht, wenn Du nicht Geld zu schaffen weißt?"'" „Majestät." sagte Rabbi Bärmann, „ich wüßte allerdings ein Mittel. Allein, mein allergnädigster König darf mir nicht zürnen, wenn . . . . " Der König nahm ein Hufeisen, das auf dem Tische lag, brach es in zwei Stücke, wie wenn es von Holz gewesen wäre, und schleuderte die zwei Stücke mitten in den Saal. „„Rede," rief er, „ich befehle es Dir! Ich will und muß Geld haben."" Aller Augen hingen mit gespannter Aufmerksamkeit an Rabbi Bärmanns Lippen. Dieser sprach langsam und feierlich: „Sachsen-Lauenburg." „„Was," rief der König, „ich soll das ganze Herzogthum, das mir erst zugefallene Crbe verkaufen? Hat man jemals gehört, daß ein Herzogthum wäre verkauft worden?""