Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 20 (16.5.1877)
- Date
- 1877-05-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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461 im Sinne der Institution des Kindergartens, kann ich nicht beurtheilen, da seine Voraussetzungen mir zu wenig bekannt sind, aber eS will mir nicht recht einleuchten, daß schon in drei- und vierjährigen Kindern das Christenthum derart wirken sollte, daß es undenkbar wäre, das Kind Andersgläubiger neben ihnen gedeihlich zu erziehen. Mir ist nur bekannt, daß in den Vororten deutscher Bildung, in Berlin und Leipzig, es neben andern geschätzten Damen vornehmlich zwei Jüdinnen sind, die die Fröbel'schen Kindergärten einführen und mit edler Hingabe fördern, die Ihnen auch sicher bekannten Frau Lina Morgenstern und Frau Dr. H. Goldschmidt." Die Redaction der „Deutschen Hausfrauen- Zeitung" bemerkt dazu: „Die Frobel^schen Kindergärten sind frei von jedem Confessionalismus, sie haben die Aufgabe, in das Kind die Keime alles Guten und Schönen zu legen, ohne Berücksichtung irgend eines Dogmas, das für Kinder unter sechs Jahren ebenso'unverständlich, als schädigend wäre. Zwei der blühendsten und größten Kindergärten Berlins, die zu 2/a von christlichen Kindern besucht wurden, waren Jahre lang mit bestem Erfolg von zwei Jüdinnen geleitet. Der verstorbene große Pädagoge Diesterweg sagte, als dies Frau M. als Vorsitzende des Berl. Vereins durchsetzte: „Würden Sie nichts, als dies durchgesetzt haben, so hätten Sie sich rühmen können, einen riesigen Fortschritt in der Humanität angebahnt zu haben." (Jüd. Pr.) Schweiz. Bern, 9. Mai. Was langsam geht, geht sicher! ist ein Satz/ der namentlich in Bezug auf die Emanzipation der Juden sich bewährt, da hier mehr als überall jede Uebereilung ins Gegentheil umschlagen kann. Auch wir Juden in der Schweiz, besonders in unsrer Bundesstadt Bern, können den langsamen, aber sicheren Fortschritt, den die Emanzipation bei uns gemacht, als Beweis für obigen Satz anführen. Vor 15 Jahren, als ein jetziges Mitglied unsrer Gemeinde um seine Niederlassungsbewilligung beim hiesigen Negierungsstatthalteramt nachsuchte, schrieb betreff dessen der hiesige Gemeinderath an das Stadthalteramt folgendes Schreiben: „Nachdem die Niederlassungsbewilligung des N. N. aus W., wohnhaft in B., unter dem 25. April auf die Gemeinde Bern umgeschrieben, die Umschreibung dann aber, aus Grund, daß N. N. damals sich hierum noch nicht beworben hatte, wieder gestrichen worden, stellt nun derselbe in der mitfolgenden Eingabe wirklich das Gesuch um Bewilligung der Niederlassung in hiesiger Gemeinde. Obwohl allerdings der Bewerber schon feit 8 Jahren in D. und früher in L. (beide Orte im Kanton Bern) etablirt ist und von der Gemeindebehörde von B. ihm ein recht günstiges Leumundszeugniß ertheilt wurde, so kann doch der hiesige Gemeinderath consequent mit seinem bisherigen Verhalten bei Niederlassung isr. Stammes, weil er die Vermehrung der handeltreibenden Juden in hiesiger Stadt, so viel an ihm liegt, nicht begünstigen kann und will, das Niederlassungsgesuch des nicht empfehlen und erhebt gegen die Umschreibung der betreffenden Niederlassungsbewilligung Einsprache^ — Und heute, nicht nur daß in Betreff der Niederlassung keine confessionelle Schranke mehr existirt, nimmt man nicht einmal Anstand einen Juden, der streng im Sinne und Geiste des traditionellen Judenthums lebt und wirkt, zum Privatdozenten an der hiesigen Universität zu ernennen. Unser Rabbiner, nämlich Herr Dr. Goldstein, Mitarbeiter Ihres geschätzten Blattes, von dessen Wirken und Streben für das allgemeine Wöhl und die Erhaltung des Judenthums die geschätzten Leser Ihres vielverbreiteten Blattes öfters zu hören Gelegenheit hatten, ist an der hiesigen Universität zum Privatdozenten ernannt worden, und hat Samstag den 5. Mai in der kleinen Aula der hiesigen Universität vor einer zahlreichen Versammlung von Professoren, Studenten, Lehrern, Lehrerinnen und Laien seinen Antrittsvorlesung über „die Entstehungsgeschichte des Talmuds" abgehalten, die mit vielem Interesse angehört wurde, und namentlich bei den Herren Professoren allgemeinen Beifall fand. Diese seltene Auszeichnung gereicht nicht nur unserem Herrn Rabbiner, sondern unserer ganzen Gemeinde zur großen Ehre und kann von unberechenbarer Tragweite werden. Möge diese uns zu Theil gewordene Ehre dazu beitragen, daß unser Herr Rabbiner recht lange zum Wohl und Nutzen unserer Gemeinde in unserer Mitte verbleibe. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Aus Anlaß der Genesung seines Sohnes spendete Baron Moritz von Königswarter der Stadt Wien und der israel. Kultusgemeinde 3000 fl. zu humanen Zwecken. Der Gemeinde Frankfurt a. M. schenkte er bei seiner jüngsten Anwesenheit in dieser Stadt, um dem Leichenbegängnisse seiner Tante mitanzuwohnen, das ihm testirte Haus im Werthe von 100,000 fl. zu Wohlthätigkeitszwecken. In dem Testamente der in Frankfurt a. M. verstorbenen Frau Lisette Königswarter wurde auch